Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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fallen  war.  Meurers  äußerte  die  Hoffnung,  daß  auch  die  Militärregierung  diesem  Ergebnis ­
  zustimmen  werde".
Die  evangelische  Kirche  -  Saarbrücken
Am  19.  Oktober  1945  besuchten  die  Mitglieder  der  Kirchenleitung  der  evangelischen
Kirche  der  Rheinprovinz,  Pfarrer  Joachim  Beckmann  und  Konsistorialrat  Helmut
Rößler,  das  Saarland.  Sie  stellten  Grandval  den  zuvor  zum  Bevollmächtigten  der
Kirchenleitung  für  das  Saarland  ernannten  Kirchenrat  Otto  Wehr  aus  Saarbrücken
vor.  Grandval  begrüßte  die  Ernennung  Wehrs,  afin  de  realiser  une  sorte  d'autonomie
de  l'Eglise  protestante  de  la  Sarre,  wie  er  in  einem  Schreiben  an  Laffon  erklärte.
Wehr  sei  aktives  Mitglied  der  Bekennenden  Kirche  und  als  "Niemöller  der  Saar"  bekannt ­
 *  100 .  Auch  die  Militärregierung  in  Baden-Baden  betonte  gegenüber  Paris  den  positiven ­
  Effekt  dieser  Maßnahme  auf  die  französische  Saarpolitik 101 .
Erste  Suspendierungen  waren  bereits  Ende  1945  durch  die  Kirchenleitung  in  Düsseldorf ­
  vorgenommen  worden.  Der  bisherige  Superintendent  Wilhelm  Reichard  und
Pfarrer  Eugen  Roy  waren  von  ihren  Amtsgeschäften  entbunden  worden 102 .  Zwei
weitere  Pfarrer  wurden  in  den  Ruhestand  und  ein  Pfarrer  in  den  Wartestand  versetzt;
gegen  die  betreffenden  Personen  wurde  ein  Verfahren  vor  der  innerkirchlichen
Spruchkammer  eingeleitet 103  104 .  Die  Militärregierung  in  Saarbrücken  forderte  ihrerseits
die  sofortige  Suspendierung  des  Pfarrers  Albert  Blanke  von  St.  Johann  in  Saarbrücken, ­
  en  raison  de  ses  sentiments  nazis  ,04 .  Wehr  erreichte,  daß  Blanke  die  Möglichkeit ­
  zur  Rechtfertigung  gegeben  wurde  -  die  Militärregierung  änderte  ihren  Entschluß ­
  jedoch  nicht.  Blanke  wurde  im  Mai  1946  von  der  Kirchenleitung  zuerst  nach
Düsseldorf  und  dann  nach  Duisburg  versetzt 105 .
Der  Überprüfungsausschuß  für  die  evangelischen  Pfarrer  trat  im  Frühjahr  1946  unter
dem  Vorsitz  Wehrs  zusammen.  Zu  kirchlichen  Vertretern  waren  die  Pfarrer  Maus,

"  Das  endgültige  Ergebnis  der  Entnazifizierung  konnte  nicht  festgestellt  werden.  Die  Dechantenberichte
wiesen  jedoch  keine  schweren  politischen  Belastungen  auf;  BSTA  TR  86/68;  BO  Trier:  Meurers  an
Traut,  19.12.1946;  BSTA  TR  86/68/146.
100  Ev.  Kirche  Rheinprovinz:  Beckmann  an  Wehr,  19.10.1945;  GMSA/DAA/CAB  503:  Grandval  an  Laffon, ­
  20.10.1945:  Bericht  über  den  Besuch  der  Vertreter  der  Kirchenleitung;  AEKRH  12-19-1  u.  AO-FAA
  CC  POL  I  H  8  c  p.23.  Auf  Wunsch  Grandvals  bestätigte  ihm  die  Kirchenleitung  die  Ernennung
am  10.  November  1945  schriftlich;  AOFAA  LAFFON  c.19  DGAA/INT  1945.  Zum  späteren  Konflikt
Wehrs  mit  der  Saarbrücker  Militärregierung:  Thierfelder,  Die  Kirchenpolitik,  S.  234ff.
101  Cette  premiere  realisation  dans  le  domaine  religieux  pourra  etre  utilement  exploitee  dans  tes  demarches
  entreprises  actuellement  en  vue  de  la  creation  d'un  vicariat  apostolique  catholique  ä  Sarrebruck\
CCFA/DGAA/INT/5.Sect.  888:  Koenig  an  das  CGAAA,  22.12.1945;  AOFAA  LAFFON  c.10
DGAA/INT  1945.  Siehe  auch:  Conseiller  Politique  Tarbe  de  Saint-Hardouin  an  Außenminister  Bidault,
29.12.1945;  MAEZEU/Sarre  1944-49d.31/34f.
102  ABl-Ev.  Kirche  Rheinprovinz  Nr.  2/46  (28.3.1946);  Beckmann  an  Reichard,  19.10.1945;  AEKRH  Bf
12-19-1.
103  Beckmann  an  Neureuter,  27.5.1946;  LA  SB  RP  70/53f.
104  GMSA:  "Rapport  mensuel  novembre  1945";  Wehr  an  Sachsse,  23.11.1945;  AOFAA  CC  POL  III  K  2
u.  AEKRH  Bf  10.
105  Wehr  an  Grandval,  21.11.1945;  GMSA/DAA/IC  5873:  Kuntz  an  Wehr,  9.2.1946;  Rößler  an  Wehr  u.
Grandval,  2.2.1948;  AEKSB  08-5/1.
            
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