Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

226

Zusage,  daß  er  Kremer  beauftragen  werde,  die  Einstellung  der  katholischen  Pfarrer
zum  Nationalsozialismus  zu  überprüfen.  Nach  dieser  Vorprüfung  könne  dann  -  falls
noch  notwendig  -  ein  Entnazifizierungsverfahren  stattfinden 92 .
Kremer  teilte  Neureuter  in  einem  Gespräch  mit,  daß  nach  seinem  privaten  Wissen
kein  saarländischer  Pfarrer  Parteimitglied  gewesen  sei.  Er  könne  dies  aber  mit
dienstlicher  Exaktheit  erst  nach  einem  Überprüfungsverfahren  sagen 93  94 .  Bomewasser
lehnte  weiterhin  jede  Verantwortung  für  die  Arbeit  des  Überprüfungsausschusses,
mit  dessen  Zusammensetzung  er  nicht  befaßt  worden  sei,  ab.  Außerdem  behielt  er
sich  jegliche  Bestrafung  Geistlicher  vor.  Zum  weiteren  Vorgehen  äußerte  er  sich  nur
verschlüsselt:  Damit  glaube  ich,  mein  Non  Obstat  zur  Kommission  der  Epuration  der
Geistlichen  gegeben  zu  haben**.  Neureuter  entschloß  sich  -  mit  Zustimmung  der
Militärregierung  -  dieses  Schreiben  im  Sinne  einer  Erlaubnis  zum  vorgesehenen
Verfahren  zu  interpretieren.  Er  schrieb  am  10.  Mai  an  Bomewasser,  daß  er  erleichtert
festgestellt  habe,  daß  dieser  von  seinen  anfänglichen  Bedenken  Abstand  genommen
habe 95 .
Ende  April  1946  fand  ein  Treffen  zwischen  der  Militärregierung  und  dem  Vertreter
des  erkrankten  Dechanten  Kremer,  Pfarrer  Josef  Traut  aus  Kleinblittersdorf,  statt.  Als
weltliche  Mitglieder  des  Überprüfungsausschusses  wurden  vom  Regierungspräsidium ­
  Regierungsdirektor  Franz  Schäfer,  Schlossermeister  Bergern  und  Schulrat
Schulz  vorgeschlagen.  Pfarrer  Traut  benannte  die  Dechanten  Josef  Lieblang,  Johann
Klee,  Peter  Kaeuser  und  Pfarrer  Ewald  Detzler 96 .  Es  dauerte  bis  Oktober,  bis  die  Militärregierung ­
  den  Ausschuß  genehmigte.  Traut  war  es  inzwischen  gelungen,  die  Zusammensetzung ­
  der  Mitglieder  in  seinem  Sinne  zu  verändern:  Statt  Dechant  Klee
war  er  jetzt  selber  Mitglied  und  als  weltliche  Vertreter  waren  neben  Schäfer  der
ehemalige  Minister  Bartholomäus  Koßmann  und  Franz  Gemmel  (gleichzeitig  CVP-Vertreter
  im  CSE)  berufen  worden 97 .  Gegen  den  Willen  Generalvikar  Meurers  mußten ­
  die  saarländischen  Geistlichen  den  politischen  Fragebogen  dem  Ausschuß  vorlegen ­
 98 .  Im  Dezember  1946  konnte  Traut  dem  Bischöflichen  Ordinariat  das  Ergebnis
der  Ausschußarbeit  überreichen,  das  sehr  positiv  für  den  katholischen  Klerus  ausge92 ­

  GMSA:  Grandval  an  Bomewasser,  2.3.1946;  LA  SB  RP  69/35-39  u.  AOFAA  DGAP  c.3303  p.35  d.3.
Aktenvermerk  Neureuters  über  die  Besprechung  mit  Bomewasser,  18.2.1946;  Bomewasser  an  Neureuter, ­
  20.2.1946;  LA  SB  RP  70/lf.  u.  69/30.
93  Vermerk  Neureuters  über  das  Gespräch  mit  Kremer,  14.3.1946;  Neureuter  an  Bomewasser,  15.4.1946;
LA  SB  RP  70/10,  28  u.  BSTA  TR  86/68/119.
94  Er  erwähnte  das  vorbildliche  Verhalten  von  Hettier  de  Boislambert,  der  in  dieser  Angelegenheit  persönlich ­
  bei  ihm  vorgesprochen  hatte.  Den  für  die  dortigen  Pfarrer  entworfenen  Brief  habe  er  bereits
auch  an  die  zehn  Dechanten  des  Saarlandes  verschickt;  Bomewasser  an  Neureuter,  24.4.1946;  LA  SB
RP  70/30  u.  BSTA  TR  86/68/120.
95  Neureuter  an  Bomewasser,  10.5.1946;  LA  SB  RP  70/43f.
96  Bericht  Trauts  an  das  BO  Trier,  1.5.1946;  BSTA  TR  86/68/123f.
97  Traut  an  das  BO  Trier,  3.10.1946;  BSTA  TR  86/68/129f.  u.  LA  SB  RP  70/51.
98  Hierzu:  BO  Trier:  Meurers  an  Traut,  22.10.1946;  Dechant  zu  St.  Wendel,  Heibges,  an  Meurers,
24.11.1946;  BSTA  TR  86/68/132  u.  141.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.