Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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die  Katholiken  des  ehemals  preußischen  Teils  zum  Bistum  Trier  und  die  Protestanten
zur  evangelischen  Kirche  der  Rheinprovinz  mit  Sitz  in  Düsseldorf.
Die  katholische  Kirche  -  Speyer
Die  Anfang  1946  ausgefüllten  politischen  Fragebögen  der  Priester  der  zum  Bistum
Speyer  gehörenden  Gemeinden  konnten  im  Bistumsarchiv  Speyer  eingesehen  werden. ­
  51  Geistliche  waren  durch  den  kirchenintemen  Säuberungsausschuß  im
Bischöflichen  Ordinariat  überprüft  worden.  37  Pfarrer  waren  politisch  unbelastet;
acht  Pfarrer  waren  Mitglied  in  der  NSV,  drei  beim  VDA,  einer  im  Reichskolonialbund ­
  und  sechs  in  der  Deutschen  Front  gewesen.  Sanktionen  wurden  keine  verhängt ­
 90 .

Die  katholische  Kirche  -  Trier
Am  1.  Dezember  1945  informierte  Regierungspräsident  Neureuter  Prälat  Philipp
Kremer  in  Saarbrücken,  daß  er  von  der  Militärregierung  dazu  ermächtigt  worden  sei,
die  Entnazifizierung  der  Geistlichen  durchzuführen.  Zu  diesem  Zweck  sollte  ein  aus
sieben  Mitgliedern  bestehender  Säuberungsausschuß  (vier  Geistliche  und  drei  katholische ­
  Laien)  gebildet  werden.  Neureuter  benannte  als  einen  der  drei  Laienvertreter
Regierungsdirektor  Franz  Schäfer,  Leiter  der  Justizabteilung  im  Regierungspräsidium. ­
  Er  forderte  Kremer  auf,  ihm  Vorschläge  für  die  anderen  Mitglieder  zu  machen.
Abschließend  wies  Neureuter  darauf  hin,  daß  den  Entscheidungen  des  Ausschusses
keinerlei  Rechtskraft  zukomme.  Sie  sollten  lediglich  als  Gutachten  für  die  Entscheidung ­
  der  zuständigen  Stelle,  des  Bischöflichen  Ordinariats  in  Trier,  dienen.  Dessen
Generalvikar  Meurers  untersagte  Kremer  jede  weitere  Aktivität  in  dieser  Frage.  Er
selbst  werde,  falls  sich  Neureuter  direkt  an  ihn  wende,  Fragen  zur  Entnazifizierung
der  Geistlichen  beantworten 91 .  Der  Grund  für  die  schroffe  Reaktion  Meurers  waren
die  Bestrebungen  der  Militärregierung  in  Saarbrücken,  die  saarländischen  Gemeinden ­
  aus  der  direkten  Obhut  des  Bischöflichen  Ordinariats  in  Trier  zu  lösen.  Die  Entnazifizierung ­
  der  Geistlichen  durch  einen  vom  Regierungspräsidium  eingesetzten
Ausschuß  wurde  daher  als  ein  schwerer  Eingriff  in  die  Kirchenrechte  angesehen.  Die
Einrichtung  des  kirchlichen  Überprüfungsausschusses  wurde  vorerst  gestoppt.  Gouverneur ­
  Grandval  legte  aber  Wert  darauf,  daß  die  Kirche  in  die  allgemeine  Entnazifizierung ­
  einbezogen  wurde  (soumis  ä  l'epuration  au  me  me  titre  que  tous  les  autres
agents  emargeant  au  budget  d'une  collectivite  publique).  Mitte  Februar  1946  erhielt
Neureuter  bei  einer  persönlichen  Vorsprache  in  Trier  von  Bischof  Bornewasser  die

sung/hrsg.  von  Günther  van  Norden.  Köln  1985;  Wagner,  Thomas:  Zwischen  Staatstreue  und  Resistenz. ­
  Die  Kirchen  und  das  NS-System  an  der  Saar,  in:  Zehn  statt  tausend  Jahre,  S.  130-145.
90  BSTA  SP  28/10.  Zum  Vertreter  des  Bischöflichen  Ordinariats  beim  Regierungspräsidium  und  der  Militärregierung ­
  in  Saarbrücken  wurde  im  Januar  1946  Pfarrer  Peter  Eckard  aus  St.  Ingbert  ernannt;  LA
SB  RP  69/47.
91  Neureuter  an  Prälat  Kremer,  1.12.1945;  BO  Trier:  Meurers  an  Kremer,  1.12.1945;  LA  SB  RP  70/45  u.
BSTA  TR  86/68/111.
            
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