Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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fungsausschuß  eingesetzt  werden  solle.  Die  Kirchenleitung  erweiterte  die  bereits  bestehende ­
  Spruchkammer  auf  sechs  Mitglieder:  die  drei  evangelischen  Laien  Bürgermeister ­
  Müller,  Steuereinnehmer  Arnold  und  Schulrat  Borchers  kamen  hinzu 82 .  Der
Ausschuß  setzte,  nach  seiner  Zulassung  durch  die  Militärregierung,  die  bisherige  Arbeit ­
  fort.  Er  überreichte  seine  Entscheidungen  Koch,  der  sie  der  Militärregierung  zur
Genehmigung  vorlegte.  Eine  Veröffentlichung  in  den  "Amtlichen  Mitteilungen"  war
nicht  vorgesehen 83 .  Bereits  am  6.  Dezember  1946  war  die  Überprüfung  beendet.  Ein
Bericht  Brozen-Favereaus  für  Laffon  erwähnte  folgende  Sanktionsvorschläge: 84

-  ohne  Sanktion  beibehalten:  175
-  Zurückstufung:  58
-  Versetzung:  6
-  Versetzung  in  den  Ruhestand:  5
-  Entlassung  ohne  Pension:  5
-  Demission  (Bischof  Diehl):  1

Erst  im  Mai  1947  fanden  die  Schlußberatungen  zwischen  der  Militärregierung  und
dem  Überprüfungsausschuß  statt  -  in  der  überwiegenden  Mehrzahl  der  Fälle  wurde
eine  Einigung  erzielt.  In  den  wenigen  strittigen  Fällen  wurde  der  Kirchenleitung  die
Möglichkeit  einer  Vorsprache  beim  Gouverneur  eingeräumt,  von  der  auch  mit  Erfolg
Gebrauch  gemacht  wurde.  Auf  der  Landessynode  Ende  1948  berichtete  Pfarrer
Köhler  abschließend  über  die  Ergebnisse  der  kirchlichen  Entnazifizierung.  Die  evangelische ­
  Pfarrerschaft  war  folgendermaßen  politisch  belastet: 85

-  NSDAP-Mitglied  vor  1933:  23
-  NSDAP-Mitglied  ab  1933:  29
-  SA-Mitglied:  5
-  SS-Mitglied:  2
-  Fördernde  Mitglieder  der  SS
nach  1936:  4
-  Opferring:  8
-  HJ:  2
-  Ämter  im  NS-Staat:  18

82  ORP/Koch  an  Magniez,  18.10.1946;  LA  SP  V  52/219.
83  Stattdessen  wurden  die  Entnazifizierungsbescheide  im  März  1948  in  einer  Sondernummer  des  kirchlichen ­
  Amtsblattes  veröffentlicht;  Köhler,  8.11.1948  (Anm.  81).
84  Von  insgesamt  320  Pfarrern  waren  260  entnazifiziert  worden  -  der  Rest  befand  sich  noch  in  Kriegsgefangenschaft ­
  oder  wurde  vermißt;  GMPA:  Brozen-Favereau  an  Laffon,  3.1.1947;  AOFAA  DGAP
c.232  p.49.
85  Köhler,  8.11.1948  (Anm.  81).  Aufgrund  personenschutzrechtlicher  Bestimmungen  konnten  keine
kirchlichen  Unterlagen  zur  Entnazifizierung  eingesehen  werden;  Ev.  Kirche  der  Pfalz/Zentralarchiv,
31.7.1989.
            
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