Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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nichts  an  der  harten  Haltung  Brozen-Favereaus 70 .  Am  16.  August  1946  gab  der  Landeskirchenrat ­
  folgenden  Beschluß  bekannt:  Auf  eigenen  Wunsch  wurde  sowohl  Bischof ­
  Stichter  zum  1.  September  1946  in  den  Ruhestand  versetzt  als  auch  Oberkirchenrat ­
  Roland  von  seinem  Amt  enthoben;  bis  zur  Neuwahl  des  Landeskirchenrates
führte  Pfarrer  Stempel  die  Geschäfte  alleine  weiter 71 .  Die  "Vorläufige  Landessynode
der  Protestantisch-Evangelisch-Christlichen  Kirche  der  Pfalz"  fand  vom  29.  bis
31.  August  1946  in  Speyer  statt.  Stempel  wurde  zum  neuen  Präsidenten  der  pfälzischen ­
  Landeskirche  gewählt 72 .
Das  Oberregierungspräsidium  hatte  von  Anfang  an  eine  entschlossene  Entnazifizierung ­
  der  evangelischen  Pfarrer  der  Pfalz  gefordert.  Regierungsdirektor  Emst  Kilb,
zuständig  für  Kultus  und  Erziehung,  drohte  Mitte  August  1945  den  beiden  Oberkirchenräten ­
  Stichter  und  Roland  mit  dem  Eingreifen  der  Zivilbehörde,  falls  die  Kirche
nicht  endlich  Initiative  zeige.  Jeder  Pfarrer,  der  NSDAP-Mitglied  gewesen  sei,  müsse
zumindest  vorübergehend  suspendiert  werden.  Das  Oberregierungspräsidium  werde
sonst  nicht  zögern,  in  Einzelfällen  mittels  polizeilichem  Kanzelverbot  und  Kürzung
der  finanziellen  Überweisungen  einzugreifen 73 .  Im  Herbst  1945  begann  die  kirchliche ­
  Entnazifizierung:  Zuerst  mußten  alle  evangelischen  Pfarrer  sowohl  den  normalen
politischen  als  auch  einen  kirchlichen  Fragebogen  ausfüllen.  Vier  Pfarrer  wurden
entlassen  und  zwei  weitere  in  den  Ruhestand  versetzt.  Am  15.  September  1945
wurde  ein  Gesetz  erlassen,  welches  die  Entnazifizierung  der  Presbyterien  vorschrieb ­
 74 .  Pfarrer  Karl  Köhler  (ZSK-Mitglied 75 )  wurde  zum  Ansprechpartner  des
Oberregierungspräsidiums  in  allen  Fragen  der  Entnazifizierung;  er  besaß  aber  keinen
offiziellen  Auftrag  der  Kirchenleitung 76 .  Mitte  November  1945  unterbreitete  er  dem
Oberregierungspräsidium  seine  Vorschläge  zur  Entnazifizierung  der  Geistlichen:  Politisch ­
  belastete  Pfarrer  und  Vertreter  der  extremen  Richtung  der  Deutschen  Christen
sollten  aus  leitenden  kirchlichen  Positionen  entfernt  werden.  Eine  Entlassung  käme
nur  dann  in  Betracht,  wenn  sie  in  ihrer  Tätigkeit  gegen  das  kirchliche  Recht  verstoßen ­
  hätten,  was  zutrifft  bei  den  Pfarrern,  die  die  nat.  soz■  Weltanschauung  ausschließlich ­
  oder  mit  christlichen  Elementen  vermischt  in  Predigt,  Unterweisung  und

70  An  der  Konferenz  nahmen  auf  deutscher  Seite  teil:  die  Pfarrer  Stempel,  Wien,  Schaller,  Köhler  und
Bergmann  sowie  die  Herren  Borchers,  Eicher,  Stubinger  und  Kuhn;  GMPA/AA/INT  5341:  Brozen-Favereau
  an  Laffon,  13.8.1946;  AOFAA  DGAP  c.3303  p.94  d.5.
71  Prot.  Landeskirchenrat  der  Pfalz:  Stempel  an  Brozen-Favereau,  16.8.1946.  Siehe  auch  das  Schreiben
Stempels  an  die  Kanzlei  der  EKiD,  19.8.1946;  AOFAA  DGAP  c.3303  p.94  d.5  u.  EZA  2/137.
72  Bergmann  (Anm.  58).
73  ORP,  11.6.1945  (Anm.  59);  ORP/Kultus:  Aktennotiz  über  die  Besprechung  zwischen  Kilb  und  den
Oberkirchenräten  Stichter  u.  Roland,  14.8.1945;  LA  SP  V  52/240.
74  Unter  anderem  wurde  der  ehemalige  Landesbischof  Diehl  jetzt  auch  von  seinem  Pfarramt  suspendiert;
Stempel,  16.8.1946  (Anm.  71).
75  Neben  Pfarrer  Köhler  arbeiteten  als  evangelische  Geistliche  Pfarrer  Bergmann  und  Dekan  Wien  in  den
ZSK  mit;  Bergmann  (Anm.  58),  S.  27.
76  Landesbischof  Stichter  sah  in  den  Aktivitäten  Köhlers  einen  Eingriff  des  Staates  in  die  kirchliche  Autonomie; ­
  ORP/Abt.Kultus:  Vermerk  Präsidialdirektors  Kroneberger,  12.  u.  19.11.1945;  LA  SP  V
52/240.
            
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