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Amerikanern einem längeren Verhör unterziehen müssen und unter den Ereignissen,
obwohl erst 51 Jahre alt, körperlich und seelisch stark gelitten 61 . Am 6. Juni 1945
teilte Landeskirchenrat Hans Stichter, der seit 1928 ununterbrochen als geistlicher
Oberkirchenrat in Speyer tätig war, den Pfarrern mit, daß er als Stellvertreter Diehls
die Leitung der Landeskirche übernommen habe. Für den nächsten Tag wurden Vertreter
des pfälzischen Pfarrvereins zu einer Konferenz nach Gommersheim eingeladen:
Das Ergebnis der Beratungen war die Übernahme der landeskirchlichen Befugnisse
durch Stichter, der diese auf den bestehenden Landeskirchenrat übertrug und
die Bildung einer vorläufigen Kirchenleitung ankündigte. Am 18. August 1945
wurde die Kirchenleitung aus den vier geistlichen Mitgliedern, den Pfarrern Richard
Bergmann, Theodor Schalter, Wilhelm Siebert und Hans Stempel und den drei weltlichen
Mitgliedern, Amtmann Eicher, Lehrer Graf und Justizrat Müller-Mattil gebildet.
Zwei Monate später ernannten sie Oberkirchenrat Stichter zum Landesbischof
und den bisherigen Oberkirchenrat Eugen Roland zu dessen Stellvertreter; Pfarrer
Hans Stempel wurde erst am 22. Januar 1946 als ständiges Mitglied in den Landeskirchenrat
berufen 62 .
Der Landeskirchenrat bewahrte durch die Weiterarbeit Stichters und Rolands Kontinuität
über das Ende des NS-Regimes und die Ablösung des DC-Bischofs Diehl hinaus.
Unter der pfälzischen Pfarrerschaft machte sich aber Unmut über die ausgebliebene
personelle Säuberung an der Spitze der Landeskirche breit. Nachdem General
Bouley im Oktober 1945 Baden-Baden davon unterrichtet hatte, verlangte Kabinettsdirektor
Grimaud nähere Informationen 63 . Religionsoffizier Stenger aus Neustadt
stellte auf der Baden-Badener Konferenz am 22. Februar 1946 fest, daß in der Pfalz
als erstes der Landeskirchenrat entnazifiziert werden müsse; die Kirchenleitung sei
weder von der amerikanischen noch von der französischen Militärregierung anerkannt
worden. Die derzeitige Rechtslage sehe aber für staatliche Stellen keine Möglichkeit
vor, in die Bischofswahl einzugreifen. Stenger war daher der Meinung, daß
die Militärregierung nur durch die Unterstützung der demokratischen Gruppierungen
innerhalb der Landeskirche eine personelle Veränderung herbeiführen könne, chercher
le moyen de remplacer les membres actuels de lOberkirchenrat par des personnalites
prises dans la partie saine du clerge Protestant du Palatinat 64 . Baden-Baden
forderte in den folgenden Monaten von der Militärregierung in Neustadt eine fe61
Auf seinem Schreibtisch sollen neben dem Christusbild längere Zeit die Bilder von Hitler und Reichsbischof
Müller gestanden haben; ORP/Kultus, 11.6.1945 (Anm. 59); Stempel, 20.5.1945; EZA 2/137.
Siehe auch: Faber, S. 34.
62 Hierzu: Bergmann (Anm. 58), S. 25ff.; ABl-Protestantische Kirche Pfalz Nr. 3/45 (28.11.1945). Pfarrer
Schaller war ab Anfang 1946 Leiter des Predigerseminars und Vorsitzender der Pfälzischen Pfarrbruderschaft,
Pfarrer Bergmann Vorsitzender des Pfarrvereins.
63 CCFA/DGAA/lNT/5.Sect. 647: Grimaud an Bouley, November 1945; AOFAA LAFFON c.19
DG A A/INT 1945.
64 CCFA/DGAA/INT: "Compte-rendu de la rdunion ... au sujet de l'dpuration dans les milieux 6cc!£siastiques",
22.2.1946 in Baden-Baden; AOFAA RP Consul Mayence p.30 d.3014. Zum Konflikt der Militärregierung
mit dem pfälzischen Landeskirchenrat siehe auch: Thierfelder, Jörg: Die Besatzungsmacht
Frankreich und die evangelischen Kirchen in der französischen Zone. Fälle und Konflikte, in: Revue
d’Allemagne 21 (1989), S. 557-566; Ders., Die Kirchenpolitik, S. 232ff.