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Bischöfliche Ordinariat der Militärregierung seinen Vorschlag für den Überprüfungsausschuß;
den Vorsitz sollte Dechant Jakob Menges aus Niederlahnstein einnehmen.
Roynette beauftragte den Bezirksdelegierten in Montabaur, ein Gutachten
über die Ausschußmitglieder anzufertigen 45 .
Anfang März 1947 teilte das Bischöfliche Ordinariat der Militärregierung mit, daß
der Ausschuß festgestellt habe, daß keiner der 104 im Bezirk Montabaur tätigen Priester
eine engere Verbindung zum Nationalsozialismus gehabt habe. Generalvikar Jakob
Rauch bat Hettier de Boislambert, die Entnazifizierung der Geistlichen für beendet
zu betrachten. Die Militärregierung gab sich aber mit diesem Schreiben nicht zufrieden,
sondern verlangte nachdrücklich einen genauen Arbeitsbericht. Nach ihren
eigenen Informationen lagen gegen einige Geistliche Belastungsmomente vor: Certains
pretres ont ete notes comme ayant temoigne d'un esprit qui, s'il riest pas specialement
national-socialiste, temoigne cependant d'un certain regret de l'etat de fait
passe 46 . Zwei Monate später schickte Rauch den verlangten Bericht. Keiner der
überprüften Pfarrer war Mitglied der NSDAP oder einer anderen NS-Formation gewesen;
einige hatten lediglich für die NSV Beiträge gezahlt. Er schilderte ausführlich
die Verfolgungen der Priester durch den NS-Staat und benutzte das Schreiben dazu,
die wirtschaftliche Lage in der französischen Besatzungszone zu kritisieren 47 .
7.2. Die Entnazifizierung der Geistlichen in der Pfalz
Die katholische Kirche in Speyer
Das Bischöfliche Ordinariat in Speyer verteilte im November 1945 an alle Geistlichen
der Diözese den politischen Fragebogen. Es wies die Pfarrer darauf hin, daß er
mit der notwendigen Sorgfalt auszufüllen sei, und jede Frage beantwortet werden
müsse 48 . Diese kircheninteme Untersuchung ergab, daß kein einziger Geistlicher der
Diözese NSDAP-Mitglied oder aktiver Angehöriger einer NS-Gliederung gewesen
war. Nur in zwei Fällen wurde eine politische Belastung festgestellt: Ein Pfarrer i.R.
und Studienprofessor a.D. aus Zweibrücken hatte neben seiner Mitgliedschaft im
NSLB auch der SS als förderndes Mitglied angehört. Er war bereits von den ZSK
überprüft und mit einer Pensionskürzung um 10% sanktioniert worden. Ein anderer
45 Die Kommission setzte sich aus folgenden Personen zusammen: die beiden Dekane Jakob Menges und
Wilhelm Schäfer, Priester Aloys Breidling, Graf Eduard von Walderdorff, Verwalter Wirges und Angestellter
Bender (alle aus dem Bezirk Montabaur); GMRH/EPU 761: Hettier de Boislambert an
Hilfrich, August 1946; GMRP/EPU 2484: Roynette, 19.11.1946; AOFAA RP c.901 p.9. Eine Einsichtnahme
in die Akten des Kirchenarchivs wurde nicht gestattet; Schreiben des BO Limburg, 8.8.1989.
46 GMRP/CAB 5239: Hettier de Boislambert an Hilfrich, 10.4.1947; BO Limburg: Rauch an Hettier de
Boislambert, 8.3.1947; GMRP/EPU 7437: Note Roynettes an Julitte, 16.4.1948; AOFAA RP c.901 p.9.
47 BO Limburg: Rauch an Hettier de Boislambert, 11.6.1947; AOFAA RP c.901 p.9.
48 BO Speyer an alle Pfarrer, 30.11.1945; BSTA SP 28/10. Zur Situation der katholischen Kirche unter
dem NS-Regime: Die kirchliche Lage in Bayern nach den Regierungspräsidentenberichten 1933-1945.
V: Regierungsbezirk Pfalz/bearb. von Helmut Prantl. Mainz 1978; Ders.: Zur Geschichte der katholischen
Kirche in der Pfalz unter der nationalsozialistischen Herrschaft, in: Bl.Pfälz.KG 42 (1975),
S. 99-117.