Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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Bischöfliche  Ordinariat  der  Militärregierung  seinen  Vorschlag  für  den  Überprüfungsausschuß; ­
  den  Vorsitz  sollte  Dechant  Jakob  Menges  aus  Niederlahnstein  einnehmen. ­
  Roynette  beauftragte  den  Bezirksdelegierten  in  Montabaur,  ein  Gutachten
über  die  Ausschußmitglieder  anzufertigen 45 .
Anfang  März  1947  teilte  das  Bischöfliche  Ordinariat  der  Militärregierung  mit,  daß
der  Ausschuß  festgestellt  habe,  daß  keiner  der  104  im  Bezirk  Montabaur  tätigen  Priester ­
  eine  engere  Verbindung  zum  Nationalsozialismus  gehabt  habe.  Generalvikar  Jakob ­
  Rauch  bat  Hettier  de  Boislambert,  die  Entnazifizierung  der  Geistlichen  für  beendet ­
  zu  betrachten.  Die  Militärregierung  gab  sich  aber  mit  diesem  Schreiben  nicht  zufrieden, ­
  sondern  verlangte  nachdrücklich  einen  genauen  Arbeitsbericht.  Nach  ihren
eigenen  Informationen  lagen  gegen  einige  Geistliche  Belastungsmomente  vor:  Certains
  pretres  ont  ete  notes  comme  ayant  temoigne  d'un  esprit  qui,  s'il  riest  pas  specialement
  national-socialiste,  temoigne  cependant  d'un  certain  regret  de  l'etat  de  fait
passe 46 .  Zwei  Monate  später  schickte  Rauch  den  verlangten  Bericht.  Keiner  der
überprüften  Pfarrer  war  Mitglied  der  NSDAP  oder  einer  anderen  NS-Formation  gewesen; ­
  einige  hatten  lediglich  für  die  NSV  Beiträge  gezahlt.  Er  schilderte  ausführlich
die  Verfolgungen  der  Priester  durch  den  NS-Staat  und  benutzte  das  Schreiben  dazu,
die  wirtschaftliche  Lage  in  der  französischen  Besatzungszone  zu  kritisieren 47 .
7.2.  Die  Entnazifizierung  der  Geistlichen  in  der  Pfalz
Die  katholische  Kirche  in  Speyer
Das  Bischöfliche  Ordinariat  in  Speyer  verteilte  im  November  1945  an  alle  Geistlichen ­
  der  Diözese  den  politischen  Fragebogen.  Es  wies  die  Pfarrer  darauf  hin,  daß  er
mit  der  notwendigen  Sorgfalt  auszufüllen  sei,  und  jede  Frage  beantwortet  werden
müsse 48 .  Diese  kircheninteme  Untersuchung  ergab,  daß  kein  einziger  Geistlicher  der
Diözese  NSDAP-Mitglied  oder  aktiver  Angehöriger  einer  NS-Gliederung  gewesen
war.  Nur  in  zwei  Fällen  wurde  eine  politische  Belastung  festgestellt:  Ein  Pfarrer  i.R.
und  Studienprofessor  a.D.  aus  Zweibrücken  hatte  neben  seiner  Mitgliedschaft  im
NSLB  auch  der  SS  als  förderndes  Mitglied  angehört.  Er  war  bereits  von  den  ZSK
überprüft  und  mit  einer  Pensionskürzung  um  10%  sanktioniert  worden.  Ein  anderer

45  Die  Kommission  setzte  sich  aus  folgenden  Personen  zusammen:  die  beiden  Dekane  Jakob  Menges  und
Wilhelm  Schäfer,  Priester  Aloys  Breidling,  Graf  Eduard  von  Walderdorff,  Verwalter  Wirges  und  Angestellter ­
  Bender  (alle  aus  dem  Bezirk  Montabaur);  GMRH/EPU  761:  Hettier  de  Boislambert  an
Hilfrich,  August  1946;  GMRP/EPU  2484:  Roynette,  19.11.1946;  AOFAA  RP  c.901  p.9.  Eine  Einsichtnahme ­
  in  die  Akten  des  Kirchenarchivs  wurde  nicht  gestattet;  Schreiben  des  BO  Limburg,  8.8.1989.
46  GMRP/CAB  5239:  Hettier  de  Boislambert  an  Hilfrich,  10.4.1947;  BO  Limburg:  Rauch  an  Hettier  de
Boislambert,  8.3.1947;  GMRP/EPU  7437:  Note  Roynettes  an  Julitte,  16.4.1948;  AOFAA  RP  c.901  p.9.
47  BO  Limburg:  Rauch  an  Hettier  de  Boislambert,  11.6.1947;  AOFAA  RP  c.901  p.9.
48  BO  Speyer  an  alle  Pfarrer,  30.11.1945;  BSTA  SP  28/10.  Zur  Situation  der  katholischen  Kirche  unter
dem  NS-Regime:  Die  kirchliche  Lage  in  Bayern  nach  den  Regierungspräsidentenberichten  1933-1945.
V:  Regierungsbezirk  Pfalz/bearb.  von  Helmut  Prantl.  Mainz  1978;  Ders.:  Zur  Geschichte  der  katholischen ­
  Kirche  in  der  Pfalz  unter  der  nationalsozialistischen  Herrschaft,  in:  Bl.Pfälz.KG  42  (1975),
S.  99-117.
            
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