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Die evangelische Kirche in Hessen-Nassau
Die Kirchenleitung der evangelischen Kirche in Hessen mit Sitz in Darmstadt ernannte
den Superintendenten Reinhard Becker aus Albig (Kreis Alzey) zum Vertreter
der Kirchenleitung für das Gebiet Rheinhessen. Nach Gründung der evangelischen
Kirche Hessen-Nassau unter ihrem Präsidenten Martin Niemöller übernahm
Becker diese Funktion im März 1948 auch für den Regierungsbezirk Montabaur 32 .
Die Entnazifizierung der Pfarrer wurde in diesem Gebiet durch ein internes kirchliches
Spruchkammerverfahren vorgenommen. Die Militärregierung in Koblenz zeigte
kein Interesse, auch hier das von ihr angeordnete Verfahren durchzusetzen, zumal ihr
aus diesem Bezirk keine politisch belasteten Pfarrer bekannt waren 33 34 .
Die katholische Kirche in Trier
Gouverneur Hettier de Boislambert reiste persönlich nach Trier, um mit Bischof
Franz Rudolf Bomewasser das Problem der Entnazifizierung der katholischen Geistlichen
zu besprechen. In seinen Memoiren erinnert er an die deutschnationale Einstellung
des Trierers Bischofs, der sich nach dem 1. Weltkrieg vehement für die
Rückkehr des Saargebiets an das Deutsche Reich ausgesprochen hatte. Deshalb habe
er, so berichtet Hettier de Boislambert über das Gespräch, Bomewasser die Entnazifizierung
des katholischen Klerus überlassen, pour la bonne raison que, s'ilfallait le
faire parfaitement, il conviendrait de lui demander en entier de se retirer, vous en
tete M . Bei einem weiteren Treffen zwischen de Vassoigne und Bomewasser im März
1946 wurde das weitere Vorgehen besprochen. Für den Überprüfungsausschuß soll32
Ev. Kirche in Hessen u. Nassau/Zentralverwaltung/Zentralarchiv: Schreiben, 6.10.1989; Ev. Kirche
Hessen-Nassau: Oberkirchenrat Hahn an Hettier de Boislambert, 18.3.1948; GMRP/EPU 7437:
Roynette an Julitte, 16.4.1948; AOFAA RPc.901 p.9.
33 Die Militärregierung kontrollierte aber die Personalpolitik der Kirchenleitung; Roynette, ebd.; Vorläufige
Leitung der ev. Kirche Nassau an Sachsse, 29.9.1947; AEKRH Bf 10. Das in der amerikanischen
Zone großes Aufsehen erregende Wort an die Gemeinden Martin Niemöllers wurde auch von der französischen
Militärregierung in Baden-Baden und Koblenz aufmerksam registriert. Sie erkannte jedoch
als Hauptadressaten der Kritik die amerikanische Militärregierung und schätzte die Rückwirkungen auf
die deutsche Öffentlichkeit in ihrer Zone für gering ein. Hierzu: GMRP/EPU 6752: Roynette an Julitte,
5.2.1948; CCFA/DGAA/lNT/5.Sect. 9656: Sabatier an das SEAAA, 18.2.1948;
GMRP/DAA/CULTES 132: Hettier de Boislambert an Koenig, 23.2.1948; AOFAA RP c.901 p.9 u.
c.908, CC POL I H 3 b p.22. Niemöller hatte am 1. Februar 1948 vehement die bisherige Entnazifizierungspraxis
kritisiert. Jede weitere Mitarbeit von Pfarrern stelle ein schweres Ärgernis dar. Die evangelischen
Christen wurden aufgefordert, ihr Gewissen zu prüfen, ob eine weitere Mitarbeit bei der Entnazifizierung
möglich sei. Dieses Kanzelwort wurde in der Öffentlichkeit als Aufruf zum Boykott der
Entnazifizierung verstanden; "Wort an die Gemeinden”, 1.2.1948, u. die nachfolgende Entschließung
der Kirchenleitung der ev. Kirche Hessen-Nassau. 16.2.1948; ABl-Ev.Kirche Hessen-Nassau Nr. 2/48
(28.2.1948), S. 1 lf. u. AOFAA RP c.908. Hierzu: Vollnhals, Evangelische Kirche, S. 202f.
34 Folgendes Vorgehen sei besprochen worden: Sowohl die Militärregierung als auch das Bischöfliche
Ordinariat sollten Listen politisch belasteter Geistlicher erstellen und diese nach zwei Monaten bei einem
erneuten Treffen vergleichen. Auf diesem Treffen habe er dann seine Liste verschwinden lassen,
da Bomewasser dieselben und sogar noch weitere Namen auf seiner Sanktionsliste stehen hatte; Hettier
de Boislambert, Les fers de l'espoir. Paris 1978, S. 472f.