Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

212

1933:  28,  seit  1934:  6  sowie  Anwärter:  7);  fünf  der  46  NSDAP-Mitglieder  waren  vor
1945  wieder  aus  der  Partei  ausgetreten.  Fünf  Pfarrer  waren  zusätzlich  Mitglied  der
SA  gewesen.  Nur  SA-Mitglied  waren  33  Pfarrer  gewesen,  davon  einer  bereits  vor
1933.  13  der  NSDAP-Mitglieder  waren  ebenfalls  Mitglied  bei  den  Deutschen  Christen ­
  gewesen.  Insgesamt  befanden  sich  27  DC-Pfarrer  unter  den  untersuchten  Personen, ­
  von  denen  21  nur  kurze  Zeit  Mitglied  gewesen  waren.  Drei  der  DC-Pfarrer  und
fünf  der  NSDAP-Mitglieder  waren  später  Mitglieder  der  Bekennenden  Kirche  geworden ­
 25  26 .
Die  Militärregierung  forderte  nähere  Auskünfte  über  die  Fälle  der  Entlassenen,  der
zwei  Superintendenten  und  der  35  entlasteten  Pfarrer  an 27 .  Die  Nachprüfung  dieser
Fälle  dauerte  bis  Anfang  März  1948.  Die  Militärregierung  besprach  in  zwei  Sitzungen ­
  am  26.  Januar  und  5.  März  1948  die  Fälle  der  Pfarrer,  die  trotz  ihrer  politischen
Belastung  von  der  Kirchenleitung  für  "entlastet"  erklärt  worden  waren.  Roynette  erklärte ­
  sich  -  bis  auf  vier  Fälle,  über  die  der  Gouverneur  entscheiden  sollte  -  mit  den
Vorschlägen  der  Kirchenleitung  einverstanden 28 .  Für  drei  der  strittigen  Fälle  konnte
mit  der  Versetzung  des  Betreffenden  an  eine  andere  Pfarrstelle  eine  Lösung  gefunden
werden.  Der  vierte  Fall  blieb  weiterhin  strittig 29 .  Die  Militärregierung  wünschte
nicht,  daß  ein  ehemaliger  DC-Pfarrer,  NSDAP-Mitglied  seit  1933  und  NSKK-Sturmführer,
  in  Koblenz,  dem  Regierungssitz  von  Rheinland-Pfalz,  sein  Amt  ausübe.  Die
Kirchenleitung  rechtfertigte  ihre  Entscheidung  damit,  daß  sie  keine  schwerwiegenden ­
  Vorwürfe  in  Bezug  auf  seine  geistliche  Haltung  ausmachen  könne.  Er  habe  nur
vorübergehend  einer  gemäßigten  Richtung  innerhalb  der  Deutschen  Christen  angehört ­
  und  außerdem  zum  Sturz  des  radikalen  nationalkirchlichen  Pfarrers  W.  beigetragen. ­
  Seine  bürgerliche  Tätigkeit  unter  dem  NS-Regime  sei  dagegen  nicht  zu  entschuldigen. ­
  Daher  wollte  die  Kirchenleitung  ihm  alle  Rechte  nehmen,  die  über  das
eigentliche  geistliche  Amt  hinausgingen.  Der  Militärregierung  genügte  dies  aber
nicht,  und  sie  erreichte  letztendlich  seine  Versetzung 30 .  Die  Entnazifizierung  der
evangelischen  Kirche  war  damit  fürs  erste  beendet.  Noch  Anfang  1949  unterlagen
neue  Entnazifizierungsfälle  der  Kontrolle  der  Militärregierung 31 .

25  Sachsse  an  die  vorläufige  Leitung  der  ev.  Kirche  Nassau,  27.9.1947;  AEKRH  Bf  10.
26  AEKRH  Bf  1.
27  Sachsse  an  de  Vassoigne,  26.4.1946;  GMRP/CAB  5366:  Hettier  de  Boislambert  an  Sachsse,  2.5.1946;
AEKRH  Bf  2  u.  AOFAA  RP  c.901  p.9.
28  Sachsse  an  den  Überprüfungsausschuß  der  Kirchenleitung,  26.1.  u.  9.3.1948;  GMRP/EPU  6918:
Roynette  an  Sachsse,  26.2.1948;  GMRP/EPU  7437:  Roynette  an  Julitte,  16.4.1948;  AEKRH  Bf  2,  11
u.  AOFAA  RP  c.901  p.9.
29  Bei  den  ersten  drei  Fällen  handelte  es  sich  um:  a)ein  NSDAP-Mitglied  von  1923-1927  und
1934-1945,  b)ein  NSDAP-Mitglied  ab  Dezember  1932  und  SA-Rottenführer  von  1933  bis  1935,
c)  ein  NSDAP-Mitglied  ab  1932,  SA-Rottenführer  1933/34,  HJ  1934-1936,  NSDStB  1934-39,  beim
vierten  Fall  um  ein  NSDAP-Mitglied  seit  Mai  1933,  NSKK-Mitglied  seit  1933  (Sturmführer  seit  1938)
und  DC-Pfarrer  von  1933-1934;  AEKRH  Bf  1.
30  GMRP/CAB  7419  u.  7749:  Hettier  de  Boislambert  an  Sachsse,  3.5.  u.  30,5.1948;  Sachsse  an  Roynette,
33.5.1948  u.  Ende  1948;  AOFAA  RP  c.901  p.9  u.  AEKRH  Bf  2.
31  GMRP/EPU:  Roynette  an  Sachsse,  17.1.1949;  AEKRH  Bf  2.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.