211
Christen entlassen worden; bei 48 lag eine nur geringe politische Belastung vor 21 und
89 waren für politisch unbelastet erklärt worden. 50 weitere Fälle waren noch zu behandeln.
Roy nette beauftragte die Kreisdelegierten mit der Überprüfung der Ergebnisse
anhand ihrer eigenen Unterlagen 22 . Auf der zweiten Sitzung am 4. November
1946 in Düsseldorf wurde unter anderem der Fall des Superintendenten von Trier
verhandelt, der NSDAP-Mitglied und DC-Pfarrer gewesen war. Bereits Ende Februar
1946 hatte Sachsse versucht, ihn zum freiwilligen Rücktritt zu bewegen. B. wurde als
Superintendent abgesetzt, durfte aber weiterhin als Pfarrer tätig sein 23 . Er rechtfertigte
sein Verhalten - er war von 1933 bis 1936 DC-Pfarrer gewesen und 1943 in die
NSDAP eingetreten - mit folgendem Argument:
Gewiß, ich habe es einsehen müssen, daß der Weg, den ich gegangen war, sich
als falsch erwiesen hat. Aber soll mir daraus heute noch ein Vorwurf gemacht
werden, so daß ich nicht mehr Superintendent sein könnte? So wenn ich einen
noch falscheren Weg gegangen wäre, kann nicht Gott einen dann doch noch zu
seinem Werkzeug machen? Ist nicht der Mann, der der Apostel der Völker geworden
ist, vorher sogar der haßerfüllte Bekämpfer Jesu Christi gewesen? 24
Erst im April 1947 konnte die Kirchenleitung der Militärregierung ihren vorläufigen
Abschlußbericht vorlegen: Bislang waren 196 Pfarrer überprüft und davon 104 als
politisch unbelastet, 47 als zwar gering politisch belastet, aber politisch tragbar erklärt
worden. 35 Pfarrer hatten zu ihrer Entlastung Beweismaterial vorgelegt, das den
Ausschuß überzeugt hatte. Zwei Superintendenten waren zu einfachen Pfarrern zurückgestuft
und acht Pfarrer ihres Amtes enthoben worden. Sachsse legte in einem
Schreiben an die Kirchenleitung in Nassau Wert darauf festzustellen, daß diese Maßregelungen
allein aufgrund der kirchlichen Einstellung (als DC-Pfarrer) der Betroffenen
erfolgt waren; daneben würden die kirchlich Belasteten aber auch alle eine politische
Belastung vorweisen 25 .
Im Archiv der evangelischen Kirche des Rheinlandes in Düsseldorf konnten insgesamt
214 politische Fragebögen von Pfarrern der Regierungsbezirke Koblenz und
Trier eingesehen werden. Es handelte sich dabei um die Fälle, die vor dem Überprüfungsausschuß
verhandelt und der Militärregierung zur Genehmigung vorgelegt
worden waren. Darunter befanden sich nicht die Fälle derjenigen Pfarrer, die als aktive
DC-Pfarrer bereits 1945 von der innerkirchlichen Spruchkammer entlassen worden
waren. Von diesen 214 Pfarrern waren nur 13 in keiner NS-Organisation gewesen,
weitere 69 waren nur Mitglied in der NSV, im Luftschutzbund, beim VDA oder
der Reichsmusikkammer gewesen. 89 Pfarrer hatten eine stärkere politische Belastung
vorzuweisen: 46 Pfarrer waren NSDAP-Mitglied gewesen (vor 1933: 5,
21 Zum Beispiel wurde der Pfarrer C. aus dem Hunsrück (NSDAP- und NSV-Mitglied seit dem 1. Mai
1933) für entlastet erklärt, da er nur nominelles Mitglied gewesen war und seit November 1934 dem
Pfarremotbund der Bekennenden Kirche angehört hatte; GMRP/EPU 1832: Roynette an Regnault,
10.11.1946; Fragebogen - Arbeitsblatt; AOFAA RP c.901 p.9 u. AEKRH Bf 2.
22 Ebd.; GMRP/EPU 70 u. 75: Roynette an die Kreisdelegierten von Wittlich u. Ahrweiler, 8.1.1947;
AOFAA RP c.901 p.9, c.943 p.26 u. c.l 104; Beckmann an Sachsse, 7.1.1947; AEKRH Bf 10.
23 Ev. Kirche Rheinprovinz: 2. Sitzung des Überprüfungsausschusses, 4.11.1946; AOFAA RP c.901 p.9.
24 AEKRH Bf 15.