Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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Genehmigung  vorlegen  müsse 15 .  Die  Kirchenleitung  in  Düsseldorf  ernannte  daraufhin ­
  auf  ihrer  Sitzung  am  15.  März  1946  den  Überprüfungsausschuß,  der  sich  aus  den
Mitgliedern  der  Kirchenleitung  Pfarrer  Joachim  Beckmann,  dem  Konsistorialrat
Helmut  Rößler,  den  beiden  Superintendenten  Heinrich  Held  und  Johannes  Schlingensiepen
  sowie  den  drei  Juristen  Konsistorialkirchenrat  Hans  Ulrich,  Paul  Schulze
zur  Wiesche  und  Regierungsdirektor  Luyken  zusammensetzte.  Die  Militärregierung
akzeptierte  die  Personen  und  begrüßte  die  schnelle  Reaktion  der  Kirchenleitung,  die
damit  dazu  beitrage,  diese  täche  delicate  schnell  zu  beenden.  Ziel  der  Entnazifizierung ­
  der  Kirche  müsse  es  sein,  diejenigen  herauszufinden,  qui,  par  leur  attitude  ou
leur  convictions  personnelies,  avaient  pu  contribuer  ä  developper  les  idees  nationalsocialistes
  contre  lesquelles  les  Nations  alliees  ont  du  combattre.  Beide  Seiten  äußerten ­
  die  Hoffnung,  daß  ein  gegenseitiges  Einvernehmen  über  die  erforderlichen
Säuberungsmaßnahmen  hergestellt  werden  könne 16 .  Die  Kirchenleitung  beschloß,
den  normalen  politischen  Fragebogen  zu  verteilen,  da  man,  so  Sachsse  in  einem
Schreiben  an  die  Superintendenten,  daraus  am  besten  ersehen  könne,  worauf  es  der
Militärregierung  ankomme.  Die  ausgefüllten  Fragebögen  wurden  der  Kirchenleitung
und  dem  Überprüfungsausschuß  vorgelegt,  während  an  die  Militärregierung  nur  ein
knapper  Abschlußbericht  ging.  Sie  hatte  sich  das  Recht  Vorbehalten,  in  Ausnahmefallen ­
  nähere  Auskünfte  zu  verlangen 17 .  Auf  der  Superintendentenbesprechung  Anfang ­
  Mai  in  Bad-Kreuznach  wurden  Bedenken  gegen  die  Verwendung  der  Fragebögen ­
  laut.  Sachsse  sagte  den  Pfarrern  zu,  daß  auf  die  Beantwortung  der  Fragen,  die
Gewissenskonflikte  hervorrufen  könnten  (zum  Beispiel:  NS-Tätigkeit  von  Verwandten), ­
  verzichtet  werden  könne 18 .  Die  Abgabe  der  Fragebögen  verzögerte  sich,
obwohl  die  Kirchenleitung  auf  ein  beschleunigtes  Verfahren  drängte:  Bis  Ende  Juni
1946  hatten  erst  fünf  der  elf  Synoden  sämtliche  Fragebögen  abgegeben 19 .  Hettier  de
Boislambert  erkundigte  sich  Ende  Juli  nach  dem  Stand  der  Arbeiten.  Sachsse  befürchtete, ­
  daß  weitere  Verzögerungen  ein  schlechtes  Bild  auf  die  evangelische  Kirche ­
  werfen  würden,  zumal  nach  Zeitungsberichten  die  Entnazifizierung  der  katholischen ­
  Pfarrer  bereits  beendet  war 20 .
Beckmann  konnte  aber  erst  im  September  der  Militärregierung  über  die  erste  Sitzung
des  Überprüfungsausschusses  berichten,  auf  dem  die  Fälle  von  141  Pfarrern  behandelt ­
  worden  waren:  Vier  Pfarrer  waren  wegen  ihrer  Tätigkeit  bei  den  Deutschen

15  Sachsse  an  die  Superintendenten,  21.5.1946;  Beckmann  an  Hettier  de  Boislambert,  15.6.1946;  AEKRH
Bf  15  u.  AOFAA  RPc.901  p.9.
16  Beckmann  an  Hettier  de  Boislambert,  4.4.1946;  GMRP/CAB  2188:  Hettier  de  Boislambert  an  Beckmann, ­
  21.5.1946;  AOFAA  RPc.901  p.9.
17  Sachsse,  21.5.1946  (Anm.  15);  GMRP/EPU  107:  Hettier  de  Boislambert  an  Laffon,  24.4.1946;  AOFAA ­
  RPc.  901  p.9.
18  Sachsse  an  die  Superintendenten,  20.  u.  21.5.1946;  EZA  2/318/231  u.  AEKRH  Bf  15.
19  Beckmann  u.  Sachsse  an  die  Superintendenten,  19.,  20.6.  u.  5.8.1946;  EZA  2/319/159  u.  AEKRH  Bf
15.
20  GMRP/EPU  479:  Hettier  de  Boislambert  an  Beckmann,  22.7.1946;  Sachsse  an  Beckmann,  1.10.1946;
AOFAA  RP  c.901  p.9  u.  AEKRH  Bf  10.
            
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