Full text: Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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desirable) 4 . Auch nach Inkrafttreten des rheinland-pfälzischen Entnazifizierungsge 
setzes im April 1947 wehrten sich die Kirchen erfolgreich gegen eine Nachprüfung 
der kirchlichen Entnazifizierungsentscheidungen durch deutsche Spruchkammern. 
Landeskommissar Junglas gab sein Einverständnis zu der Regelung, alle Pfarrer als 
bereinigt anzusehen und neu auftretende Fälle auf höchster Ebene durch ihn, 
Roynette und der betreffenden Kirchenleitung abzuklären 5 . Auf einer Konferenz des 
Koblenzer Kultusministeriums mit den evangelischen Kirchenleitungen wurde be 
schlossen, daß sich nur die weltlichen Religionslehrer dem Spruchkammerverfahren 
unterwerfen mußten. Die Militärregierung gab ihre Zustimmung, machte aber die 
Erteilung des Religionsunterrichts von dem Vorhandensein eines Entnazifizierungs 
bescheides abhängig 6 . 
Die evangelische Kirche des Rheinlandes 
Die Protestanten der Regierungsbezirke Koblenz und Trier gehören der evangeli 
schen Kirche des Rheinlandes an, deren Kirchenleitung ihren Sitz in Düsseldorf hat. 
Mit der Vereinbarung zur Wiederherstellung einer bekenntnisgebundenen Ordnung 
und Leitung der Evangelischen Kirche der Rheinprovinz wurde die Reform der durch 
die nationalsozialistische Kirchenpolitik veränderten Kirchenstruktur eingeleitet. Bis 
zum Zusammentreten der Provinzialsynode übernahmen die Pfarrer Joachim Beck 
mann, Johannes Schlingensiepen und Heinrich Held die Führung der Kirchenleitung 
in Düsseldorf 7 . Zum bevollmächtigten Vertreter der Kirchenleitung in der französi 
schen Zone wurde am 10. November 1945 der Superintendent der Synode Koblenz, 
Kirchenrat Karl Sachsse aus Oberwinter, ernannt. Er hatte sich bereits zuvor bei der 
Militärregierung in Bad Ems vorgestellt 8 . 
Am 1. September 1945 erließ die Kirchenleitung in Düsseldorf eine Ordnung für das 
Verfahren bei Verletzung von Amtspflichten der Geistlichen. Diese sah vor, daß ein 
festangestellter Geistlicher aus dem Dienst der Kirche entlassen, aus seinem Amt 
entfernt oder von seiner Stelle in eine andere versetzt werden könne, 
... wenn er seine Pflicht verletzt hat, das ihm übertragene Amt gemäß den beste 
henden allgemeinen und besonderen kirchlichen Ordnungen gewissenhaft wahr 
zunehmen und sich durch sein Verhalten in und außer dem Amte der Achtung, 
des Ansehens und des Vertrauens würdig zu erzeigen, welche sein Beruf erfor- 
4 GMRH/EPU 310: Roynette an Regnault, 24.6.1946; Provinzkommissar Becker an die Landräte u. 
Oberbürgermeister, 26.6.1946; AOFAA RP c.901 p.9 u. LHA KO 502/861. 
5 Kirchenrat Sachsse an die vorläufige Leitung der ev. Kirche Nassau in Wiesbaden u. an die Kirchen 
leitung in Düsseldorf, 27.9. u. 11.10.1947; AEKRH Bf 10. 
6 Protokoll, 6.11.1947; GMRP/SG 2195: Hettier de Boislambert an Kultusminister Süsterhenn, 1.6.1948; 
AOFAA RP c.908 u. AEKRH Bf 4. 
7 Vereinbarung, 15.5.1945. Pfarrer Rudolf Hamey vertrat den Provinzialkirchenrat von 1932, Konsisto- 
rialrat Helmut Rößler das Konsistorium und Emst Stoltenhoff übernahm das Amt des Generalsuperin 
tendenten; LA SB RP 68/153-155. Siehe auch: Beckmann, Joachim: Das Wort Gottes bleibt in Ewig 
keit. Erlebte Kirchengeschichte. Neukirchen-Vluym 1986, S. 328ff. 
8 Ev. Kirche Rheinprovinz: Beckmann an Gouverneur Gouraud, 10.11.1945; AOFAA RP c.908.
	        
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