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Bilanz im Frühjahr 1947
Am 27. Mai 1947 bedankte sich Becker bei den Mitgliedern der Entnazifizierungsorgane
für ihre entsagungsvolle, ehrenamtliche Tätigkeit, die sie im Bewußtsein ihrer
großen Verantwortung sachlich, gerecht und gewissenhaß ausgeübt hätten 98 99 . Nach
der Statistik der Militärregierung waren in der Zeit vom Februar 1946 bis zum Inkrafttreten
der LVO Ende April 1947 von 438.000 Beamten und Angestellten der öffentlichen
Verwaltung 120.000 entnazifiziert worden; das heißt nur jeder Vierte hatte
bisher ein Verfahren durchlaufen. 90.000 Fälle waren von den Bereinigungskommissionen
entschieden und der Militärregierung zur Genehmigung vorgelegt worden.
57.412 Fälle waren veröffentlicht und damit rechtskräftig geworden. In 27.756 Fällen
hatte der Entnazifizierungsbescheid auf die Belassung oder Wiederzulassung zum
Dienst gelautet, in 51% der Fälle war eine Sanktion ausgesprochen worden: a) 8.474
schwere Sanktionen (Entlassung, Pensionierung, Berufsverbot), b) 4.406 Geldbußen
und Konfiszierungen und c) 16.776 leichtere Sanktionen. Die Militärregierung sah
ihr Ziel, die Säuberung der Führungsposten in der öffentlichen Verwaltung, zwar als
weitgehend erreicht an. Roynette kritisierte aber die Auswirkungen persönlicher Einflußnahme
und des Interessenspiels der politischen Parteien auf die Entnazifizierung:
Cependant, les lüttes entre les partis politiques allemands ainsi que le jeu des interets
personnels avaient fausse certaines decisions prises par les Commissions
d'Epuration
6.3. Die Situation im Erziehungswesen
Ab Mitte Juli 1945 wurde in Rheinland-Hessen-Nassau das Erziehungswesen entnazifiziert.
Die Militärregierung machte den Schulbeginn vom Abschluß der Maßnahmen
abhängig. Nach der Ernennung neuer Schulräte wurden zunächst die Volksschullehrer
anhand der Listen des SHAEF-Handbooks überprüft 100 101 . Schmittleins Direktive
vom 24. August 1945 wurde relativ spät befolgt: Erst der Tätigkeitsbericht
der Militärregierung in Bad Ems vom 25. Oktober 1945 sprach von vorläufigen Wiedereinstellungen,
de sorte que le Service pourra fonctionner un peu mieux ,01 . Die Direction
de l'Education Publique war trotzdem mit der allgemeinen Entwicklung zufrieden
und hatte lediglich an der Personalpolitik des Regierungspräsidiums Trier
etwas auszusetzen. Der dortige Leiter des Erziehungswesens hatte 74 ehemalige Pgs
als Schuldirektoren Weiterarbeiten lassen 102 .
98 Becker, 27.5.1947; AOFAA RP c.901 p.7.
99 Die Zahl der Einsprüche war von 3.500 im Juli auf 5.000 im September 1947 angestiegen; Rapport,
23.9.1947 (Anm. 7).
100 Hierzu: lfere Armee Fran^./GM Det. Coblence/Education: Note de Service, 20.7.1945; Reg.präs. Trier:
Vermerke Wächtlers, 8.8. u. 5.9.1945; GMRH: Bericht, 10.9.1945, u. "Rapport octobre 1945"; AOFAA
RP c.1068 p.6a, LHA KO 700,134/1/21 f. u. AOFAA CC POL III G 1 p.37.
101 Rapport octobre 1945; ebd.
102 Zur Entschuldigung hatte er angeführt, daß er die Direktive vom 24. August nicht gekannt habe;
CCFA/DGAA/EDU: "Rapport sur un voyage d'information en Hesse-Palatinat et en Rhenanie",
7.-10.11.1945; AOFAA DGAC c. 124.