Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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In  Rheinland-Hessen-Nassau  hatte  das  Urteil  des  Internationalen  Gerichtshofs  in
Nürnberg,  das  am  1.  Oktober  1946  verkündet  worden  war 60 ,  direkte  Auswirkungen
auf  die  Entnazifizierung.  Die  politischen  Parteien  zeigten  sich  enttäuscht  über  die
milden  Urteile  gegen  einige  der  Hauptverantwörtlichen  des  NS-Regimes.  Sie  äußerten ­
  Zweifel  an  dem  Sinn  einer  weiteren  Entnazifizierung  der  politisch  weniger
schwer  belasteten  Nationalsozialisten 61 .  Die  KPD  forderte  ihre  Mitglieder  auf,  die
Mitarbeit  bei  der  Entnazifizierung  einzustellen.  Der  Militärregierung  gelang  es
zunächst  nicht,  die  Gemüter  zu  besänftigen 62 .  Die  Aufforderung  der  KPD-Führung
wurde  aber  nur  zum  Teil  befolgt.  Während  sich  die  KPD-Vertreter  aus  der  Bereinigungskommission ­
  Koblenz  zurückzogen,  arbeitete  der  Dreierausschuß  normal  weiter ­
 63 .  Junglas  fragte  bei  der  Militärregierung  nach,  ob  die  freigewordenen  Plätze
durch  andere  Personen  besetzt  werden  sollten.  Roynette  lehnte  dies  ab,  so  daß  einige
Organe  ihre  Arbeit  wegen  Beschlußunfähigkeit  vorübergehend  einstellen  mußten 64 .
Das  Nürnberger  Urteil  hatte  auch  innerhalb  der  Militärregierung  für  Unruhe  gesorgt.
Der  Kreisdelegierte  von  Prüm,  Chazeaux,  fragte  beim  Service  Epuration  nach,  ob  die
bisherigen  Entscheidungen  revidiert  werden  müßten.  Selbst  Roynette  waren  Zweifel
über  den  Sinn  weiterer  Entnazifizierungsmaßnahmen  gekommen 65 .  Arnal  reagierte
verärgert.  Er  erinnerte  Roynette  an  die  Ziele  der  französischen  Entnazifizierungspolitik: ­

Si  l'on  veut  que  l’epuration  ait  un  resultat  positif,  il  importe  avant  tout  que  ceux
qui  sont  charges  de  l'executer  croient  ä  la  necessite  de  cette  Operation  qui  doit
permettre  la  mise  en  place  d'elements  democratiques  et  donner  ä  ces  demiers
l'occassion  de  s'affirmer  aux  postes  dirigeants,  car  c'est  seulement  avec  notre
aide  que  pourra  se  constituer  l'Allemagne  democratique  qui  doit  etre  le  but
lointain  de  l'action  du  G.M. 66

60  Siehe  das  Kapitel  F.  1.2.
61  Die  Erklärungen  der  Parteien  befinden  sich  im  Anhang  des  Schreibens:  GMRP/EPU  1265:  Hettier  de
Boislambert  an  Boden,  8.10.1946;  AOFAA  DG  AP  c.233  p.56.
62  Anfang  Oktober  rief  de  Vassoigne  die  drei  Provinzkommissare  und  Präsidialdirektor  Rick  zu  sich;
ebd.;  GMRP/CAB  3593:  Hettier  de  Boislambert  an  Laffon,  8.10.1946;  AOFAA  DGAP  c.233  p.56.
63  Becker  forderte  am  15.  Oktober  1946  einen  Bericht  von  den  Landräten  an;  LHA  KO  502/861/26  u.
AOFAA  RP  c.920  p.24  d.229.
64  Die  Organe  der  Wirtschaftssäuberung  sollten  ihre  vorbereitenden  Arbeiten  weiterfiihren;  Junglas  an
Roynette,  21.10.1946,  u.  an  die  Entnazifizierungsorgane,  25.10.1946;  AOFAA  RP  c.920  p.24  d.229  u.
LHA  KO  502/861/27.
65  GMRP/Cercle  Prüm:  Chazeaux  an  Roynette,  2.10.1946;  GMRP:  "Rapport  mensuel  septembre  1946";
AOFAA  RP  c.901  p.3  u.  DGAP  c.233  p.56.
66  CCFA/CAB/C  7768:  Amal  an  Roynette,  26.10.1946;  AOFAA  DGAP  c.233  p.56.
            
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