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In Rheinland-Hessen-Nassau hatte das Urteil des Internationalen Gerichtshofs in
Nürnberg, das am 1. Oktober 1946 verkündet worden war 60 , direkte Auswirkungen
auf die Entnazifizierung. Die politischen Parteien zeigten sich enttäuscht über die
milden Urteile gegen einige der Hauptverantwörtlichen des NS-Regimes. Sie äußerten
Zweifel an dem Sinn einer weiteren Entnazifizierung der politisch weniger
schwer belasteten Nationalsozialisten 61 . Die KPD forderte ihre Mitglieder auf, die
Mitarbeit bei der Entnazifizierung einzustellen. Der Militärregierung gelang es
zunächst nicht, die Gemüter zu besänftigen 62 . Die Aufforderung der KPD-Führung
wurde aber nur zum Teil befolgt. Während sich die KPD-Vertreter aus der Bereinigungskommission
Koblenz zurückzogen, arbeitete der Dreierausschuß normal weiter
63 . Junglas fragte bei der Militärregierung nach, ob die freigewordenen Plätze
durch andere Personen besetzt werden sollten. Roynette lehnte dies ab, so daß einige
Organe ihre Arbeit wegen Beschlußunfähigkeit vorübergehend einstellen mußten 64 .
Das Nürnberger Urteil hatte auch innerhalb der Militärregierung für Unruhe gesorgt.
Der Kreisdelegierte von Prüm, Chazeaux, fragte beim Service Epuration nach, ob die
bisherigen Entscheidungen revidiert werden müßten. Selbst Roynette waren Zweifel
über den Sinn weiterer Entnazifizierungsmaßnahmen gekommen 65 . Arnal reagierte
verärgert. Er erinnerte Roynette an die Ziele der französischen Entnazifizierungspolitik:
Si l'on veut que l’epuration ait un resultat positif, il importe avant tout que ceux
qui sont charges de l'executer croient ä la necessite de cette Operation qui doit
permettre la mise en place d'elements democratiques et donner ä ces demiers
l'occassion de s'affirmer aux postes dirigeants, car c'est seulement avec notre
aide que pourra se constituer l'Allemagne democratique qui doit etre le but
lointain de l'action du G.M. 66
60 Siehe das Kapitel F. 1.2.
61 Die Erklärungen der Parteien befinden sich im Anhang des Schreibens: GMRP/EPU 1265: Hettier de
Boislambert an Boden, 8.10.1946; AOFAA DG AP c.233 p.56.
62 Anfang Oktober rief de Vassoigne die drei Provinzkommissare und Präsidialdirektor Rick zu sich;
ebd.; GMRP/CAB 3593: Hettier de Boislambert an Laffon, 8.10.1946; AOFAA DGAP c.233 p.56.
63 Becker forderte am 15. Oktober 1946 einen Bericht von den Landräten an; LHA KO 502/861/26 u.
AOFAA RP c.920 p.24 d.229.
64 Die Organe der Wirtschaftssäuberung sollten ihre vorbereitenden Arbeiten weiterfiihren; Junglas an
Roynette, 21.10.1946, u. an die Entnazifizierungsorgane, 25.10.1946; AOFAA RP c.920 p.24 d.229 u.
LHA KO 502/861/27.
65 GMRP/Cercle Prüm: Chazeaux an Roynette, 2.10.1946; GMRP: "Rapport mensuel septembre 1946";
AOFAA RP c.901 p.3 u. DGAP c.233 p.56.
66 CCFA/CAB/C 7768: Amal an Roynette, 26.10.1946; AOFAA DGAP c.233 p.56.