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ste Buschmann und Gewerkschaftssekretär Johann Junglas (CDP) den zum
Regierungspräsidenten von Montabaur ernannten Altmeier als Beigeordneten ab; der
bisherige Vertreter Becker ersetzte den schwer erkrankten Provinzkommissar
Dötsch. Der KPD-Funktionär Gräfe war 1934 ins Exil gegangen und hatte in Spanien
auf der Seite der Republikaner gekämpft; danach hatte er in der Pariser Leitung der
Exil-KPD gearbeitet und war Verbindungsmann zum Komitee Freies Deutschland in
Luxemburg gewesen. Seit Oktober 1945 arbeitete er als Gewerkschaftssekretär in der
Bereinigungskommission Koblenz und wurde im Januar 1946 zum Präsidialdirektor
für Wiederaufbau ernannt 48 . Junglas hatte als gelernter Gärtner nach einer schweren
Verwundung im 1. Weltkrieg eine Laufbahn als Sekretär bei den Christlichen Gewerkschaften
eingeschlagen. Nach 1933 entlassen, schlug er sich mit verschiedenen
Gelegenheitsarbeiten durch, bis er 1940 beim Arbeitsamt Koblenz dienstverpflichtet
wurde. Er zählte zu den Mitbegründern der CDP in Koblenz, war aktives Gewerkschaftsmitglied
und arbeitete seit Oktober 1945 in der Bereinigungskommission
Koblenz 49 .
Die Entnazifizierung kam nur sehr langsam voran. Die drei Bereinigungskommissionen
tagten dreimal in der Woche und verhandelten an jedem Sitzungstag zwischen
50 und 100 Fälle. Die Untersuchungsausschüsse leisteten sehr unterschiedliche Arbeit:
Während in sechs Kreisen bis Ende Juni 1946 fast alle Fälle verhandelt worden
waren, nahmen in anderen Kreisen die Ausschüsse ihre Arbeit erst auf. Die Militärregierung
mahnte beim Oberpräsidium eine Beschleunigung der Entnazifizierung an
und forderte die sofortige Durchführung der Sanktionsmaßnahmen. Künftig sollte
binnen vierzehn Tagen die Entlassung durchgeführt und eine Ersatzkraft bestimmt
sein 50 . Einen Monat später stellte der Service Epuration fest, daß die deutschen Organe
von 25.000 Fällen zwar 14.000 verhandelt hatten, aber bislang nur 7.000 Akten
der Militärregierung zur Genehmigung Vorlagen - die restlichen Fälle befanden sich
noch im Oberpräsidium. Der Verdacht kam auf, daß die deutsche Verwaltung der
Entnazifizierung einen passiven Widerstand entgegensetzte 51 . Am 22. Juli 1946 wurden
deshalb die Provinzkommissare Becker, Gräfe und Junglas sowie Oberpräsident
Boden und Präsidialdirektor Hüpper zu einer Besprechung bei de Vassoigne einbestellt.
Der Dreierausschuß begründete die Verzögerungen mit den materiellen Anfangsschwierigkeiten
52 . Trotzdem äußerte Becker die Erwartung, daß die Entnazifizierung
der Beschäftigten im öffentlichen Dienst bis zum Ende des Jahres beendet
48 Die Militärregierung versprach sich einiges von seiner Mitarbeit im Oberpräsidium: Ü est evident que
sa presence au sein du Gouvernement sera heureuse, car M. GRÄFE est un des elements sur lesquels
nous puissons le plus compter pour que iepuration de l'administration allemande se fasse integralement
et rapidement surtouf, GMRH, 28.12.1945 (Anm. 27).
49 GMRH/CAB 2821: Hettier de Boislambert an Boden, 23.7.1946; AOFAA DGAP c.233 p.56.
50 GMRH/EPU 328: Hettier de Boislambert an Boden, 26.6.1946; AOFAA RP c.901 p.3.
51 Das Regierungspräsidium Trier machte seinerseits die Militärregierung für das langsame Verfahren
verantwortlich: Von den 4.700 der Militärregierung vorgelegten Fällen seien bislang nur 600 genehmigt
worden; Steinlein an Boden, 14.7.1946; LHA KO 860/3777/1—10.
52 Der Dreierausschuß war zwar Ende Februar 1946 eingerichtet worden, besaß aber noch im Mai kein
eigenes Büropersonal. Das Oberpräsidium begründete dies mit den allgemeinen materiellen und personellen
Engpässen; Hettier de Boislambert, 26.6.1946 (Anm. 50).