Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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ste  Buschmann  und  Gewerkschaftssekretär  Johann  Junglas  (CDP)  den  zum
Regierungspräsidenten  von  Montabaur  ernannten  Altmeier  als  Beigeordneten  ab;  der
bisherige  Vertreter  Becker  ersetzte  den  schwer  erkrankten  Provinzkommissar
Dötsch.  Der  KPD-Funktionär  Gräfe  war  1934  ins  Exil  gegangen  und  hatte  in  Spanien
auf  der  Seite  der  Republikaner  gekämpft;  danach  hatte  er  in  der  Pariser  Leitung  der
Exil-KPD  gearbeitet  und  war  Verbindungsmann  zum  Komitee  Freies  Deutschland  in
Luxemburg  gewesen.  Seit  Oktober  1945  arbeitete  er  als  Gewerkschaftssekretär  in  der
Bereinigungskommission  Koblenz  und  wurde  im  Januar  1946  zum  Präsidialdirektor
für  Wiederaufbau  ernannt 48 .  Junglas  hatte  als  gelernter  Gärtner  nach  einer  schweren
Verwundung  im  1.  Weltkrieg  eine  Laufbahn  als  Sekretär  bei  den  Christlichen  Gewerkschaften ­
  eingeschlagen.  Nach  1933  entlassen,  schlug  er  sich  mit  verschiedenen
Gelegenheitsarbeiten  durch,  bis  er  1940  beim  Arbeitsamt  Koblenz  dienstverpflichtet
wurde.  Er  zählte  zu  den  Mitbegründern  der  CDP  in  Koblenz,  war  aktives  Gewerkschaftsmitglied ­
  und  arbeitete  seit  Oktober  1945  in  der  Bereinigungskommission
Koblenz 49 .
Die  Entnazifizierung  kam  nur  sehr  langsam  voran.  Die  drei  Bereinigungskommissionen ­
  tagten  dreimal  in  der  Woche  und  verhandelten  an  jedem  Sitzungstag  zwischen
50  und  100  Fälle.  Die  Untersuchungsausschüsse  leisteten  sehr  unterschiedliche  Arbeit: ­
  Während  in  sechs  Kreisen  bis  Ende  Juni  1946  fast  alle  Fälle  verhandelt  worden
waren,  nahmen  in  anderen  Kreisen  die  Ausschüsse  ihre  Arbeit  erst  auf.  Die  Militärregierung ­
  mahnte  beim  Oberpräsidium  eine  Beschleunigung  der  Entnazifizierung  an
und  forderte  die  sofortige  Durchführung  der  Sanktionsmaßnahmen.  Künftig  sollte
binnen  vierzehn  Tagen  die  Entlassung  durchgeführt  und  eine  Ersatzkraft  bestimmt
sein 50 .  Einen  Monat  später  stellte  der  Service  Epuration  fest,  daß  die  deutschen  Organe ­
  von  25.000  Fällen  zwar  14.000  verhandelt  hatten,  aber  bislang  nur  7.000  Akten
der  Militärregierung  zur  Genehmigung  Vorlagen  -  die  restlichen  Fälle  befanden  sich
noch  im  Oberpräsidium.  Der  Verdacht  kam  auf,  daß  die  deutsche  Verwaltung  der
Entnazifizierung  einen  passiven  Widerstand  entgegensetzte 51 .  Am  22.  Juli  1946  wurden ­
  deshalb  die  Provinzkommissare  Becker,  Gräfe  und  Junglas  sowie  Oberpräsident
Boden  und  Präsidialdirektor  Hüpper  zu  einer  Besprechung  bei  de  Vassoigne  einbestellt. ­
  Der  Dreierausschuß  begründete  die  Verzögerungen  mit  den  materiellen  Anfangsschwierigkeiten ­
 52 .  Trotzdem  äußerte  Becker  die  Erwartung,  daß  die  Entnazifizierung ­
  der  Beschäftigten  im  öffentlichen  Dienst  bis  zum  Ende  des  Jahres  beendet

48  Die  Militärregierung  versprach  sich  einiges  von  seiner  Mitarbeit  im  Oberpräsidium:  Ü  est  evident  que
sa  presence  au  sein  du  Gouvernement  sera  heureuse,  car  M.  GRÄFE  est  un  des  elements  sur  lesquels
nous  puissons  le  plus  compter  pour  que  iepuration  de  l'administration  allemande  se  fasse  integralement
  et  rapidement  surtouf,  GMRH,  28.12.1945  (Anm.  27).
49  GMRH/CAB  2821:  Hettier  de  Boislambert  an  Boden,  23.7.1946;  AOFAA  DGAP  c.233  p.56.
50  GMRH/EPU  328:  Hettier  de  Boislambert  an  Boden,  26.6.1946;  AOFAA  RP  c.901  p.3.
51  Das  Regierungspräsidium  Trier  machte  seinerseits  die  Militärregierung  für  das  langsame  Verfahren
verantwortlich:  Von  den  4.700  der  Militärregierung  vorgelegten  Fällen  seien  bislang  nur  600  genehmigt ­
  worden;  Steinlein  an  Boden,  14.7.1946;  LHA  KO  860/3777/1—10.
52  Der  Dreierausschuß  war  zwar  Ende  Februar  1946  eingerichtet  worden,  besaß  aber  noch  im  Mai  kein
eigenes  Büropersonal.  Das  Oberpräsidium  begründete  dies  mit  den  allgemeinen  materiellen  und  personellen ­
  Engpässen;  Hettier  de  Boislambert,  26.6.1946  (Anm.  50).
            
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