Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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Gegen  Ende  Februar  1946,  fünf  Monate  nach  dem  Erlaß  der  Entnazifizierungrichtlinien, ­
  waren  die  Arbeiten  kaum  vorangekommen.  Aus  Bad-Kreuznach  berichtete  der
Kreisdelegierte  Fabia:  Depuis  Novembre,  c'est-ä-dire  depuis  que  les  Allemands  sont
intimement  associes  ä  l'oeuvre  de  denazification,  une  confusion  regne,  tant  dans  les
esprits  allemands  que  frangais,  sur  le  processus  de  iepuration  36 .  Die  Militärregierung ­
  kritisierte  die  langsame  Arbeitsweise  der  Organe  und  ihre  zurückhaltende  Art,
wenn  es  darum  ging,  Entscheidungen  zu  treffen.  Rückblickend  bezeichnete  sie  diese
Phase  als  eine  deuxieme  periode  moins  confuse 37 .
Die  Reform  des  Verfahrens  Ende  Februar  1946
Der  unhaltbare  Zustand  der  Entnazifizierung  veranlaßte  die  Militärregierung  Ende
Februar  1946  zu  einer  deutlichen  Reform  des  bisherigen  Verfahrens:  An  die  Spitze
der  deutschen  Organe  wurde  ein  Provinzkommissar  gestellt,  dem  zwei  Beigeordnete
zugeteilt  waren  (daher  auch  "Dreierausschuß"  genannt).  Zum  leitenden  Provinzkommissar ­
  wurde  der  bisherige  Vorsitzende  der  Bereinigungskommission  Koblenz,
Präsidialdirektor  Johann  Dötsch  und  als  sein  Stellvertreter  Präsidialdirektor  Hans
Becker  ernannt  (beide  SPD).  Die  Stellen  der  Beigeordneten  wurden  mit  dem  Kaufmann ­
  Peter  Altmeier  (CDP)  und  dem  Gewerkschaftssekretär  Emst  Buschmann
(KPD)  besetzt  -  beide  hatten  bisher  im  Untersuchungsausschuß  Koblenz  gearbeitet.
Oberschulrat  Becker  (seit  1920  SPD-Mitglied)  war  1933  vom  Dienst  enthoben  worden ­
  und  hatte  1937  Unterrichtsverbot  auferlegt  bekommen.  Anfang  August  1945  als
Oberschulrat  wiedereinstellt,  war  er  zunächst  im  Regierungspräsidium  Koblenz,
dann  im  Oberpräsidium  der  Verantwortliche  für  das  Erziehungswesen 38 .  Peter  Altmeier, ­
  Mitbegründer  der  CDP  Rheinland-Hessen-Nassau  und  späterer  Ministerpräsident ­
  von  Rheinland-Pfalz,  hatte  als  Prokurist  und  Geschäftsführer  einer  Großhandelsfirma ­
  gearbeitet,  bis  er  im  Mai  1946  zum  Regierungspräsidenten  in  Montabaur
ernannt  wurde 39 .  Der  Elektriker  Emst  Buschmann  hatte  im  Spanischen  Bürgerkrieg
mitgekämpft,  war  danach  in  Frankreich  interniert  worden  und  hatte  nach  seiner
Freilassung  in  der  illegalen  KPD-Leitung  in  Lyon  mitgearbeitet.  Nach  Kriegsende
zählte  er  zu  den  Mitbegründern  der  Koblenzer  Bezirksgewerkschaft  und  arbeitete  im
Untersuchungsausschuß  Koblenz  mit 40 .  Der  Dreierausschuß  wurde  zum  Verantwortlichen ­
  für  die  Durchführung  der  Entnazifizierung.  Durch  ihn  erhielten  die  deutschen
Organe  ihre  Anweisungen,  er  überwachte  die  Effektivität,  Güte  und  Durchführung

36  GMRH/Cercle  Bad-Kreuznach:  Fabia  an  Balade,  27.2.1946;  AOFAA  RP  c.1068  p.6a.
37  CCFA/CAB:  "Rapport  General  sur  l'6puration",  31.3.1946;  AOFAA  DGAP  c.233  p.51,  u.  Rapport,
23.9.1947  (Anm.  7).
38  Die  Militärregierung  in  Bad  Ems  beurteilte  ihn  sehr  positiv:  Sa  personnalite  fait  l'objet  des  eloges  de
tous  les  gens  de  la  province.  II  jouit  de  la  Sympathie  de  tous  les  partis  car  tous  le  considerent  ä  juste
titre  comme  an  homme  d  un  integrite  absolue,  d'une  droiture  exemplaire  et  d'un  fermete  indiscutable  ...
C'est  un  technicien  tres  qualifie\  GMRH,  28.12.1945  (Anm.  26).
39  Altmeier  war  vor  1933  Mitglied  des  Stadtrates  von  Koblenz  gewesen.  Seit  Oktober  1945  arbeitete  er  im
Untersuchungsausschuß  Koblenz;  GMRH/ADM  234:  Hettier  de  Boislambert  an  Boden,  27.2.1946;
AOFAA  RPc.901  p.7.
40  Ebd.;  Lattard,  S.  85.
            
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