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wurde der Regierungsvizepräsident von Würzburg, Anton Rick, zum Präsidialdirektor
des Innern ernannt 30 .
Auch an der Spitze der Entnazifizierungsorgane gab es einen personellen Wechsel:
Zum Vorsitzenden der Bereinigungskommission Koblenz wurde der Präsidialdirektor
für Arbeit und Gesundheit, Johann Dötsch, ernannt. Dötsch war gelernter Maurer
und hatte seit 1927 zuerst als hauptamtlicher Sekretär, später dann als Vorsitzender
der SPD in Koblenz gearbeitet. 1933 verbrachte er einige Wochen in Schutzhaft und
war danach gewerblich tätig, bis er am 1. September 1939 erneut verhaftet wurde
und bis Kriegsende im KZ Sachsenhausen inhaftiert war. Gesundheitlich angeschlagen,
starb er bereits am 2. Oktober 1946 31 . Erst im Februar 1946 begannen die Untersuchungsausschüsse
mit ihrer Arbeit 32 . Der Untersuchungsausschuß in St. Goarshausen
kam am 6. Februar zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Nach der
eindrucksvollen Ansprache des Landrates - so das Protokoll der 1. Sitzung 33 -
machte ein Mitglied den Vorschlag, ein bei der Reichsbahn angewandtes Punktesystem
auch hier zu benutzen. Je nach formaler Belastung sollte der Betroffene zurückversetzt
oder entlassen werden 34 . Dötsch reagierte verärgert auf diesen Vorschlag. Er
wies den Landrat darauf hin, daß für die Beurteilung eines Betroffenen nicht die
Vielfalt seiner NS-Mitgliedschaften, sondern der Grad seiner Aktivität für das NS-Regime
entscheidend sei. Demzufolge müsse ein einfacher Pg, der aber zugleich
Aktivist oder SD-Mann gewesen war, aus dem Dienst entlassen werden, während ein
Mitglied zahlreicher NS-Organisationen, das sich aber stets passiv verhalten hatte,
mit einer entsprechenden Gehaltsminderung im Amt belassen werden könne. Nach
diesen Grundsätzen arbeite die Bereinigungskommission und entscheide fast stets
einstimmig 35 .
30 Hierzu: ebd.; CCFA/DGAA/INT/l.Sect.: Laffon an Hettier de Boislambert, 1.2.1946; GMRH/CAB
1766: Hettier de Boislambert an Boden, 12.4,1946; AOFAA LAFFON c.13 u. LHA KO 860/1005/429.
Zur Person Globkes; Kleßmann, S. 253.
31 Die Militärregierung sah Dötsch als Antifaschisten an, der außerdem durch seine Persönlichkeit das
konservative Übergewicht im Oberpräsidium verringern könne: Les six annees que M. DÖTSCH a passees
au camp de concentration garantissent sa ligne de conduite future. II est evident que M. DÖTSCH
travaille dans un esprit anti-nazi indiscutable ... Sa presence ä TOberpräsidium contrebalancera heureusement
la tendance trop democrate-chretienne; ebd.
32 Im Kreis Zell genehmigte der Kreisdelegierte am 7. Januar 1946 den Personal Vorschlag des Landrates.
Im Kreis St. Goarshausen wurden zu diesem Zeitpunkt erst die Personalvorschläge bei der Militärregierung
eingereicht; AOFAA RP c.976 p. 15 u. LHA KO 502/861. Siehe auch; Bericht Lange (Anm. 21).
33 Es gehört zu den Quellenproblemen der Arbeit, daß dieses Protokoll eine absolute Ausnahme in der
Überlieferung darstellt. Es sind sonst keinerlei schriftliche Unterlagen über die konkrete Arbeitsweise
der Organe in den Archiven vorhanden.
34 Folgende Bewertungsmaßstäbe sollten angewandt werden: Pg nach dem l.Mai 1937: 2 Punkte; Pg
nach dem 1. Mai 1933: 3; SS, SA, NSKK, NSFK nach dem 1. April 1933: 2; Ehefrau Mitglied in der
NSF: 1; Austritt aus der Kirche als NSDAP-Mitglied: 1; Amt in einer Gliederung: 1 Punkt; Kreis
St. Goarshausen: Niederschrift über die 1. Sitzung des Untersuchungsausschusses, 6.2.1946; LHA KO
502/861 u. 862.
35 Dötsch an den Landrat von St. Goarshausen, 22.2.1946; LHA KO 502/861. Auch Becker betonte auf
einer SPD-Veranstaltung Anfang Mai 1946, daß 90% der bisherigen Entscheidungen einstimmig getroffen
worden seien; "Rheinischer Merkur", 7.5.1946; LHA KO 713/54.