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und Gewerkschaftskreise im Benehmen mit den Führern der genannten Bevölkerungskreise
auszuwählen sind, wobei eine Einigung möglichst anzustreben ist 25 .
Am 2. Januar 1946 wurde für die Regierungsbezirke Koblenz und Trier sowie für die
vier nassauischen Kreise das Oberpräsidium Rheinland-Hessen-Nassau in Koblenz
eingerichtet. Wilhelm Boden betonte bei seiner Amtseinführung als Oberpräsident
die Notwendigkeit einer entschlossenen Entnazifizierung: Jeder NS-Aktivist müsse
aus Verwaltung und Wirtschaft entfernt werden 26 . Boden selber war 1933 als Landrat
von Altenkirchen abgesetzt worden und hatte die Zeit des NS-Regimes mit verschiedenen
juristischen Tätigkeiten verbracht. Nachdem er im April 1945 wieder in seine
alte Stelle als Landrat eingesetzt worden war, wurde er Anfang Juni 1945 von der
US-Militärregierung zum Regierungspräsidenten in Koblenz ernannt 27 . Die Präsidialdirektoren
hatten - bis auf den für die Abteilung des Innern vorgesehenen Hans
Globke - eine einwandfreie politische Vergangenheit vorzuweisen. Neben dem
KPD-Mitglied und Spanienkämpfer Willi Gräfe (Wiederaufbau), den Sozialdemokraten
Johann Dötsch (Arbeit und Gesundheit) und Hans Becker (Unterricht und
Kultus) - zu diesen Personen siehe weiter unten - wurden die Christdemokraten Karl
Haupt (Justiz) und Heinrich Hüpper (Finanzen) berufen. Letztere hatten wegen der
fehlenden NSDAP-Mitgliedschaft berufliche Nachteile hinnehmen müssen 28 . Auch
die beiden Parteilosen Gerhard Lichter (Ernährung und Landwirtschaft) und Hans-Jörg
Schultze-Rhonhof (Wirtschaft) waren ausgewiesene Gegner des NS-Regimes
gewesen 29 . Die Absicht der Militärregierung in Bad Ems, den Juristen Hans Globke
für die Abteilung Inneres zu berufen, scheiterte daran, daß die britische Besatzungsmacht
ihn nicht freigab. Nach ihren Informationen galt er - trotz seiner Tätigkeit im
Reichsinnenministerium während des "Dritten Reiches" - als ein Gegner des NS-Regimes;
außerdem hatten ihn die amerikanischen Behörden für tragbar erklärt. Baden-Baden
meldete aufgrund anderer vorliegender Informationen Bedenken gegen
Globke an und forderte Hettier de Boislambert auf, eine erneute Überprüfung vorzunehmen.
Nachdem Globke seine Stelle im April 1946 noch nicht angetreten hatte,
25 Boden, 3.1.1946; LHA KO 502/861.
26 Als seine Maxime wiederholte Boden den Satz, den er bereits anläßlich seiner Ernennung zum Regierungspräsidenten
am 13. Juni 1945 gesagt hatte: Sans haine, ni rancune, mais aussi sans pitie, strictement
selon les regles de la Justice (nach dem französischen Text seiner Ansprache, 3.1.1946); AOFAA
CC POL III G 1 a p.37.
27 Die Militärregierung in Bad Ems war mit der bisherigen Leistung und dem Verhalten Bodens sehr zufrieden:
C'est un homme qui a des qualites incontestables d'administration et de chef II a fait preuve
jusqu'ä ce jour d'une entiere soumission ä l'egard de l'autorite frangaise d'occupation et s'est toujours
declare pret ä travailler loyalement avec nous\ GMRH/CAB: Note, 28.12.1945; AOFAA CC POL III
G 1 p.37.
28 Landgerichtsrat Haupt war Anfang Juni 1945, nachdem er seit 1933 nicht mehr befördert worden war,
zum Landgerichtsdirektor ernannt worden. Hiipper war vor 1933 Oberbürgermeister von Krefeld gewesen;
im April 1945 wurde er zum Landrat in Saarburg ernannt; ebd.
29 Lichter war 1933 als Oberregierungsrat entlassen und nach Kriegsende in Berlin-Wilmersdorf als Bürgermeister
eingesetzt worden. Schultze-Rhonhof war nach 1933 zunächst nach Lateinamerika emigriert
und als führender Mitarbeiter des Klöckner-Konzems nach seiner Rückkehr nach Deutschland in Kontakt
mit der Widerstandsgruppe um Goerdeler gekommen; die letzten Monate des NS-Regimes hatte er
sich vor der Gestapo verstecken müssen. Seit Oktober 1945 arbeitete er in der Bereinigungskommission
Koblenz mit; ebd.