Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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und  Gewerkschaftskreise  im  Benehmen  mit  den  Führern  der  genannten  Bevölkerungskreise ­
  auszuwählen  sind,  wobei  eine  Einigung  möglichst  anzustreben  ist 25 .
Am  2.  Januar  1946  wurde  für  die  Regierungsbezirke  Koblenz  und  Trier  sowie  für  die
vier  nassauischen  Kreise  das  Oberpräsidium  Rheinland-Hessen-Nassau  in  Koblenz
eingerichtet.  Wilhelm  Boden  betonte  bei  seiner  Amtseinführung  als  Oberpräsident
die  Notwendigkeit  einer  entschlossenen  Entnazifizierung:  Jeder  NS-Aktivist  müsse
aus  Verwaltung  und  Wirtschaft  entfernt  werden 26 .  Boden  selber  war  1933  als  Landrat
von  Altenkirchen  abgesetzt  worden  und  hatte  die  Zeit  des  NS-Regimes  mit  verschiedenen ­
  juristischen  Tätigkeiten  verbracht.  Nachdem  er  im  April  1945  wieder  in  seine
alte  Stelle  als  Landrat  eingesetzt  worden  war,  wurde  er  Anfang  Juni  1945  von  der
US-Militärregierung  zum  Regierungspräsidenten  in  Koblenz  ernannt 27 .  Die  Präsidialdirektoren ­
  hatten  -  bis  auf  den  für  die  Abteilung  des  Innern  vorgesehenen  Hans
Globke  -  eine  einwandfreie  politische  Vergangenheit  vorzuweisen.  Neben  dem
KPD-Mitglied  und  Spanienkämpfer  Willi  Gräfe  (Wiederaufbau),  den  Sozialdemokraten ­
  Johann  Dötsch  (Arbeit  und  Gesundheit)  und  Hans  Becker  (Unterricht  und
Kultus)  -  zu  diesen  Personen  siehe  weiter  unten  -  wurden  die  Christdemokraten  Karl
Haupt  (Justiz)  und  Heinrich  Hüpper  (Finanzen)  berufen.  Letztere  hatten  wegen  der
fehlenden  NSDAP-Mitgliedschaft  berufliche  Nachteile  hinnehmen  müssen 28 .  Auch
die  beiden  Parteilosen  Gerhard  Lichter  (Ernährung  und  Landwirtschaft)  und  Hans-Jörg
  Schultze-Rhonhof  (Wirtschaft)  waren  ausgewiesene  Gegner  des  NS-Regimes
gewesen 29 .  Die  Absicht  der  Militärregierung  in  Bad  Ems,  den  Juristen  Hans  Globke
für  die  Abteilung  Inneres  zu  berufen,  scheiterte  daran,  daß  die  britische  Besatzungsmacht ­
  ihn  nicht  freigab.  Nach  ihren  Informationen  galt  er  -  trotz  seiner  Tätigkeit  im
Reichsinnenministerium  während  des  "Dritten  Reiches"  -  als  ein  Gegner  des  NS-Regimes; ­
  außerdem  hatten  ihn  die  amerikanischen  Behörden  für  tragbar  erklärt.  Baden-Baden
  meldete  aufgrund  anderer  vorliegender  Informationen  Bedenken  gegen
Globke  an  und  forderte  Hettier  de  Boislambert  auf,  eine  erneute  Überprüfung  vorzunehmen. ­
  Nachdem  Globke  seine  Stelle  im  April  1946  noch  nicht  angetreten  hatte,

25  Boden,  3.1.1946;  LHA  KO  502/861.
26  Als  seine  Maxime  wiederholte  Boden  den  Satz,  den  er  bereits  anläßlich  seiner  Ernennung  zum  Regierungspräsidenten ­
  am  13.  Juni  1945  gesagt  hatte:  Sans  haine,  ni  rancune,  mais  aussi  sans  pitie,  strictement
  selon  les  regles  de  la  Justice  (nach  dem  französischen  Text  seiner  Ansprache,  3.1.1946);  AOFAA
CC  POL  III  G  1  a  p.37.
27  Die  Militärregierung  in  Bad  Ems  war  mit  der  bisherigen  Leistung  und  dem  Verhalten  Bodens  sehr  zufrieden: ­
  C'est  un  homme  qui  a  des  qualites  incontestables  d'administration  et  de  chef  II  a  fait  preuve
jusqu'ä  ce  jour  d'une  entiere  soumission  ä  l'egard  de  l'autorite  frangaise  d'occupation  et  s'est  toujours
declare  pret  ä  travailler  loyalement  avec  nous\  GMRH/CAB:  Note,  28.12.1945;  AOFAA  CC  POL  III
G  1  p.37.
28  Landgerichtsrat  Haupt  war  Anfang  Juni  1945,  nachdem  er  seit  1933  nicht  mehr  befördert  worden  war,
zum  Landgerichtsdirektor  ernannt  worden.  Hiipper  war  vor  1933  Oberbürgermeister  von  Krefeld  gewesen; ­
  im  April  1945  wurde  er  zum  Landrat  in  Saarburg  ernannt;  ebd.
29  Lichter  war  1933  als  Oberregierungsrat  entlassen  und  nach  Kriegsende  in  Berlin-Wilmersdorf  als  Bürgermeister ­
  eingesetzt  worden.  Schultze-Rhonhof  war  nach  1933  zunächst  nach  Lateinamerika  emigriert
und  als  führender  Mitarbeiter  des  Klöckner-Konzems  nach  seiner  Rückkehr  nach  Deutschland  in  Kontakt ­
  mit  der  Widerstandsgruppe  um  Goerdeler  gekommen;  die  letzten  Monate  des  NS-Regimes  hatte  er
sich  vor  der  Gestapo  verstecken  müssen.  Seit  Oktober  1945  arbeitete  er  in  der  Bereinigungskommission ­
  Koblenz  mit;  ebd.
            
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