Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

184

Verwaltungsangestellter  und  ein  Prokurist  berufen 20 .  Boden  forderte  die  Landräte
auf,  die  Untersuchungsausschüsse  zu  konstituieren  und  mit  der  Entnazifizierung  zu
beginnen:  Sämtliche  Betroffene  seien  von  den  neuen  Organen  in  großer  Selbständigkeit ­
  bis  Mitte  Dezember  des  laufenden  Jahres  zu  überprüfen.
Steinlein  legte  am  8.  Oktober  erste  Personalvorschläge  vor;  zwei  Wochen  später
stand  die  Zusammensetzung  der  Bereinigungskommission  und  der  drei  Untersuchungsausschüsse ­
  fest.  Als  Vorsitzender  der  Kommission  war  der  Regierungsdirektor ­
  im  Regierungspräsidium,  Philipp  Loosen,  vorgesehen;  zu  ständigen  Mitgliedern
wurden  eine  Angestellte  beim  Bischöflichen  Generalvikariat,  ein  Kaufmann  als  Vertreter ­
  der  jüdischen  Gemeinde  und  ein  KPD-Mitglied,  Angestellter  bei  der  Stadtverwaltung ­
  Trier,  ernannt.  Bereits  einen  Monat  später  bat  Regierungsdirektor  Loosen
um  Entbindung  von  seinem  Amt,  da  er  als  1.  Beigeordneter  der  Stadt  Trier  beruflich
zu  stark  belastet  sei;  zu  seinem  Nachfolger  wurde  der  Angestellte  beim  Arbeitsamt
Trier,  Bridi  (SPD),  ernannt  und  Mitte  Januar  1946  von  der  Militärregierung  bestätigt ­
 21 .
Die  neuen  Organe  nahmen  ihre  Arbeit  mit  großer  Verzögerung  auf.  Die  allgemein
schwierigen  Kommunikationsbedingungen  der  frühen  Nachkriegszeit,  die  dazu
führten,  daß  des  öfteren  Direktiven  und  amtliche  Schreiben  verloren  gingen,  verstärkten ­
  die  Anfangsschwierigkeiten 22 .  Die  große  Anzahl  der  zu  behandelnden  Fälle
machte  schnell  deutlich,  daß  der  ursprünglich  angestrebte  Termin  für  das  Ende  der
Verfahren  nicht  eingehalten  werden  konnte.  Ende  Oktober  1945  ordnete  Boden  daher
an,  daß  für  jedes  Mitglied  ein  Stellvertreter  zu  ernennen  sei,  um  die  ständige  Beschlußfähigkeit ­
  sicherzustellen 23 .  Auch  aus  Trier  wurde  Anfang  Dezember  gemeldet,
daß  mit  der  Zahl  der  bestehenden  Untersuchungsausschüsse  die  Arbeit  nicht  bewältigt ­
  werden  könne.  Der  neue  Delegue  Superieur  Hettier  de  Boislambert  ordnete  daher
am  22.  Dezember  1945  an,  daß  in  jedem  Stadt-  und  Landkreis  ein  Untersuchungsausschuß ­
  sowie  eine  dritte  Bereinigungskommission  in  Montabaur  gebildet  werden
sollten 24 .  Boden  forderte  die  Landräte  auf,  bei  dieser  Gelegenheit  auch  die  Zusammensetzung ­
  der  bereits  konstituierten  Organe  zu  überprüfen:  Ich  bitte  um  Überprüfung, ­
  ob  die  Zusammensetzung  des  dortigen  Untersuchungsausschusses  den  gegebenen ­
  Richtlinien  entspricht,  wonach  die  drei  Vertreter  der  politischen,  konfessionellen

20  Im  wichtigen  Untersuchungsausschuß  Koblenz  arbeiteten  als  ständige  Mitglieder  der  Prokurist  Peter
Altmeier  und  die  beiden  Gewerkschaftssekretäre  Josef  Brenner  und  Emst  Buschmann;  ebd.
21  Reg.präs.  Trier:  Bericht  der  Bibliothekarin  Annemarie  Lange;  LHA  KO  700/86/1.
22  Boden  wies  deshalb  die  Landräte  darauf  hin,  daß  das  Fehlen  einzelner  Vorschriften  nicht  weiter
schlimm  sei,  da  das  Wesentliche  zur  Entnazifizierung  in  den  Direktiven  der  Militärregierung  vom  19.
u.  25.  September  1945  erwähnt  sei;  Boden,  30.1.1946;  LHA  KO  502/861.
23  Boden,  27.10.1945;  LHA  KO  469/107.  Die  Militärregierung  rückte  ihrerseits,  um  das  Verfahren  zu  beschleunigen, ­
  im  Oktober  1945  von  der  ursprünglichen  Absicht  ab,  für  jeden  Betroffenen  ein  Gutachten
der  politischen  Polizei  anfertigen  zu  lassen.  Künftig  war  die  Regelanfrage  nur  noch  bei  Beamten  ab  der
Stufe  des  Regierungsinspektors  notwendig;  GMRH/ADM  69:  Note  de  Service,  19.10.1945;  LHA  KO
469/107.
24  Bericht  Lange  (Anm.  21).  GMRH/ADM  194:  Hettier  de  Boislambert:  Note  de  Service,  22.12.1945;
AOFAA  RPc.1072  p.43.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.