Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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Der  Service  Epuration  in  Neustadt  hatte  inzwischen  65  Betriebe  benannt,  die  als
"Nazi-Firmen"  verdächtigt  wurden.  Von  diesen  waren  bislang  für  15  Firmen  die
ZSK-Bescheide  veröffentlicht  und  sieben  als  "Nazi-Firmen"  unter  Zwangsverwaltung ­
  gestellt  worden 203 .  Bei  diesen  sieben  Firmen  wurde  das  Koblenzer  Vorbild
nachgeahmt  und  ausführliche  Unterlagen  zusammengestellt.  Diese  enthielten  neben
der  genauen  Bezeichnung  des  Werkes  die  Umsatztabellen,  Steuererklärungen,  Bilanzen ­
  und  den  Personalstand  der  Jahre  1933  bis  1944 204 .  Ende  März  1947  erteilte  Coue
Koch  den  Auftrag,  sechs  der  Firmenakten  der  ZSK-Wirtschaft  zur  Entscheidung  vorzulegen. ­
  Diese  durfte  für  ihre  Untersuchung  Zeugen  und  Sachverständige  befragen
und  Ortstermine  anordnen.  Es  handelte  sich  um  die  Pfalzwerke  in  Ludwigshafen,  die
Firmen  Gehlen  und  Eisenwerke  in  Kaiserslautern,  Firma  Schönung,  Gebr.  Mann,
Deutsche  Metallwerke  in  Neustadt  und  Gummi  Mayer  in  Landau 205 .  Folgende  Fragen
sollten  ausführlich  untersucht  werden:
-  Waren  die  Eigentümer,  Aktionäre  oder  das  Direktionspersonal  überzeugte  Nationalsozialisten ­
  gewesen?
-  Hatten  sie  ihren  Einfluß  oder  ihre  Stellung  ausgenutzt,  um  das  ihnen  unterstellte
Personal  zum  Parteieintritt  zu  bewegen?
-  Wie  war  ihr  Verhalten  gegenüber  den  im  Unternehmen  beschäftigten  Kriegsgefangenen ­
  oder  Fremdarbeitern  gewesen?
-  Wie  hoch  war  der  Betrag  an  geldlichen  Beihilfen  oder  Spenden  an  die  NSDAP
gewesen?
-  Ist  aufgrund  der  wirtschaftlichen  Entwicklung  des  Unternehmens  nach  1933  die
Firma  als  Nutznießer  des  NS-Regimes  oder  der  Kriegswirtschaft  anzusehen?
-  War  das  Unternehmen  zum  NS-Musterbetrieb  erklärt  worden?
Im  Falle  einer  Verurteilung  sollte  die  ZSK-Wirtschaft  die  Beschlagnahmung  des  gesamten ­
  Vermögens  zugunsten  des  rheinland-pfälzischen  Staates  aussprechen 206 .
Bilanz  Anfang  1947
Die  ZSK-Wirtschaft  in  Neustadt  hatte  bis  zum  Inkrafttreten  der  LVO  die  Akten
sämtlicher  betroffener  Firmen  überprüft  und  der  Militärregierung  Sanktionsvorschläge ­
  unterbreitet.  Bei  16.800  Einzelpersonen  war  der  ZSK-Bescheid  veröffentlicht ­
  worden.  In  24  Fällen  war  die  Konfiszierung  von  Betrieben  als  juristische  Person
beantragt  worden.  Die  Militärregierung  in  Neustadt  schlug  der  Delegation  Generale
in  Koblenz  im  Juli  1947  schließlich  neun  Firmen  vor,  deren  Beschlagnahmung  sie
befürwortete 207 .

203  Brozen-Favereau,  11.3.1947  (Anm.  201).
204  GMPA/AA/INT/DEN  1281:  Brozen-Favereau  an  Koch,  5.3.1947;  LA  SP  R  18/21.
205  GMPA/AA/INT/DEN  1453  u.  1866:  Brozen-Favereau  an  Koch,  11.3.  u.  27.3.1947;  LA  SP  H
13/752/726  u.  848.
206  GMPA/AA/INT/DEN  1884:  Brozen-Favereau  an  Koch,  29.3.1947;  LA  SB  H  13/752/686f.
207  GMRP/EPU  4468:  Hettier  de  Boislambert  an  Laffon,  16.7.1947;  AOFAA  DG  AP  c.233  p.51.
            
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