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Der Service Epuration in Neustadt hatte inzwischen 65 Betriebe benannt, die als
"Nazi-Firmen" verdächtigt wurden. Von diesen waren bislang für 15 Firmen die
ZSK-Bescheide veröffentlicht und sieben als "Nazi-Firmen" unter Zwangsverwaltung
gestellt worden 203 . Bei diesen sieben Firmen wurde das Koblenzer Vorbild
nachgeahmt und ausführliche Unterlagen zusammengestellt. Diese enthielten neben
der genauen Bezeichnung des Werkes die Umsatztabellen, Steuererklärungen, Bilanzen
und den Personalstand der Jahre 1933 bis 1944 204 . Ende März 1947 erteilte Coue
Koch den Auftrag, sechs der Firmenakten der ZSK-Wirtschaft zur Entscheidung vorzulegen.
Diese durfte für ihre Untersuchung Zeugen und Sachverständige befragen
und Ortstermine anordnen. Es handelte sich um die Pfalzwerke in Ludwigshafen, die
Firmen Gehlen und Eisenwerke in Kaiserslautern, Firma Schönung, Gebr. Mann,
Deutsche Metallwerke in Neustadt und Gummi Mayer in Landau 205 . Folgende Fragen
sollten ausführlich untersucht werden:
- Waren die Eigentümer, Aktionäre oder das Direktionspersonal überzeugte Nationalsozialisten
gewesen?
- Hatten sie ihren Einfluß oder ihre Stellung ausgenutzt, um das ihnen unterstellte
Personal zum Parteieintritt zu bewegen?
- Wie war ihr Verhalten gegenüber den im Unternehmen beschäftigten Kriegsgefangenen
oder Fremdarbeitern gewesen?
- Wie hoch war der Betrag an geldlichen Beihilfen oder Spenden an die NSDAP
gewesen?
- Ist aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens nach 1933 die
Firma als Nutznießer des NS-Regimes oder der Kriegswirtschaft anzusehen?
- War das Unternehmen zum NS-Musterbetrieb erklärt worden?
Im Falle einer Verurteilung sollte die ZSK-Wirtschaft die Beschlagnahmung des gesamten
Vermögens zugunsten des rheinland-pfälzischen Staates aussprechen 206 .
Bilanz Anfang 1947
Die ZSK-Wirtschaft in Neustadt hatte bis zum Inkrafttreten der LVO die Akten
sämtlicher betroffener Firmen überprüft und der Militärregierung Sanktionsvorschläge
unterbreitet. Bei 16.800 Einzelpersonen war der ZSK-Bescheid veröffentlicht
worden. In 24 Fällen war die Konfiszierung von Betrieben als juristische Person
beantragt worden. Die Militärregierung in Neustadt schlug der Delegation Generale
in Koblenz im Juli 1947 schließlich neun Firmen vor, deren Beschlagnahmung sie
befürwortete 207 .
203 Brozen-Favereau, 11.3.1947 (Anm. 201).
204 GMPA/AA/INT/DEN 1281: Brozen-Favereau an Koch, 5.3.1947; LA SP R 18/21.
205 GMPA/AA/INT/DEN 1453 u. 1866: Brozen-Favereau an Koch, 11.3. u. 27.3.1947; LA SP H
13/752/726 u. 848.
206 GMPA/AA/INT/DEN 1884: Brozen-Favereau an Koch, 29.3.1947; LA SB H 13/752/686f.
207 GMRP/EPU 4468: Hettier de Boislambert an Laffon, 16.7.1947; AOFAA DG AP c.233 p.51.