Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

173

-  als  Vertreter  der  Angestelltenschaft:
Jakob  Jahn,  Ludwig  Liese  und  Echter;
-  als  Vertreter  der  Arbeiterschaft:
Karl  Breyer,  Ludwig  Manderschied,  Hochreither  und  Hahn;
-  als  Vertreter  der  Antifaschisten:
Karl  Sauer  und  Karl  Huber
Die  ZSK-Wirtschaft  begannen  erst  im  Frühsommer  1946  zu  tagen,  nachdem  die  Untersuchungsausschüsse ­
  ihre  Arbeit  weitgehend  beendet  hatten 170 .  Koch  konnte  auf
der  Präsidialdirektorenkonferenz  am  26.  April  1946  melden,  daß  die  Entnazifizierung
der  Privatwirtschaft  sehr  gut  angelaufen  sei 171 .  Er  habe  die  Untersuchungsausschüsse
angewiesen,  ihre  Sanktionsvorschläge  kurz  zu  begründen  und  die  Betroffenen  auf  ihr
Recht  auf  persönliche  Anhörung  hinzuweisen:  Ich  habe  aber  ausdrücklich  hinzugesetzt, ­
  nur  in  Sonderfällen;  denn  wenn  wir  das  allgemein  durchgehen  lassen,  so  wird
jeder  gehört  werden  wollen.  Er  berichtete  außerdem  von  einer  vertraulichen  Anweisung ­
  aus  Baden-Baden,  daß  ein  gewisser  Prozentsatz  bei  Entlassungen  nicht  überschritten ­
  werden  sollte  (man  soll  darauf  achten,  daß  das  rote  Licht  nicht  aufflammt),
damit  keine  größeren  Schwierigkeiten  technischer  Art  entstünden 172 .  Parteienvertreter ­
  bemängelten  die  fehlende  Courage  der  Betriebsräte,  gegen  Nationalsozialisten  im
eigenen  Betrieb  vorzugehen.  Kritik  kam  auch  von  Regierungspräsident  Steffan,  der
ein  schärferes  Vorgehen  gegen  Wirtschaftsführer  sowie  eine  Ausweitung  der  Maßnahmen ­
  auf  alle  Gewerbebetriebe  forderte.  Eichenlaub  schloß  die  Beratung  mit  dem
kämpferischen  Appell:  Wir  sind  nicht  gesonnen,  uns  eines  Tages  strangulieren  zu
lassen,  und  unser  Standpunkt  bei  der  Entnazifizierung  muß  nach  wie  vor  sein:  "Hart
aber  gerecht!  " 173 .

Die  Entnazifizierung  in  der  BASF,  Ludwigshafen
Das  Ludwigshafener  Werk  der  IG  Farben  AG,  die  Badische  Anilin-  und  Soda-Fabrik
(BASF),  stand  in  dem  Ruf,  eine  Hochburg  des  Nationalsozialismus  gewesen  zu  sein.
Der  neue  Betriebsrat  wehrte  sich  dagegen,  das  Werk  für  die  Politik  des  Gesamtkonzems, ­
  auf  dem  die  Anklage  auf  Verbrechen  gegen  die  Menschlichkeit  lastete 174 ,  ver170 ­

  GMPA:  Bouley,  16.5.1946;  AOFAA  DGAP  c.233  p.51.
171  Zuvor  war  die  Frage  der  Gebührenerhebung  geregelt  worden;  ORP:  Rundverfügung,  21.2.1946;  ORP:
Rechtsanordnung,  27.7.1946;  AM  Nr.  13/36  u.  52/46  (2.3.  u.  16.10.1946),  S.  69  u.  563.  Präsidialdirektorenkonferenz, ­
  26.4.1946  (Anm.  39).
172  Gümbel  vermerkte  Anfang  Oktober  1946  auf  einer  ZSK-Sitzung,  daß  im  Vergleich  zur  amerikanischen
Zone  in  der  Pfalz  die  Tendenz  bestehe,  weniger  Porzellan  (zu)  zerschlagen  und  die  Wirtschaft  nach
Möglichkeit  Weiterarbeiten  (zu)  lassen',  ORP/Abt.  Finanzen:  Vermerk,  4.10.1946;  LA  SP  H
13/473/216-218.
173  Präsidiaidirektorenkonferenz,  26.4.1946  (Anm.  39).
174  Der  Prozeß  vor  dem  US-Militärgerichtshof  in  Nürnberg  fand  1947/48  statt;  das  Urteil  wurde  am
29./30.  Juli  1948  verkündet.  Hierzu:  Borkin,  Joseph:  Die  unheilige  Allianz  der  I.G.  Farben.  Eine  Interessengemeinschaft ­
  im  Dritten  Reich.  Frankfurt/Main  1979,  S.  125ff.  u.  207ff.;  Heine,  Jens  Ulrich:  Verstand ­
  &  Schicksal.  Die  Männer  der  IG-Farbenindustrie  AG  (1925-1945)  in  161  Kurzbiographien.
Weinheim  1990,  S.  291  ff.;  Köhler,  Otto:  ...  und  heute  die  ganze  Welt.  Die  Geschichte  der  IG  Farben
und  ihrer  Väter.  Hamburg  1986,  S.  280ff.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.