Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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personal  angesehen  und  waren  jederzeit  kündbar 145 .  Zwei  Monate  später  aber  wuchs
die  Kritik  an  der  Entnazifizierung:  Einzelne  Sanktionen  wurden  als  entschieden  zu
hart  empfunden.  Die  Militärregierung  beklagte  gegenüber  Baden-Baden  ihr  Dilemma: ­
  D'une  part  le  besoin  d'une  denazification  qui  ne  saurait  etre  assez  energique,
d'autre  part  le  besoin  de  donner  un  enseignement  normal  ä  une  population  scolaire
tres  nombreuse  menent  ä  une  Situation  quasi  inextricable  l46 .  Die  Durchführung  der
Sanktionen  stieß  oft  auf  den  hinhaltenden  Widerstand  der  Schulverwaltung.  Die  Anordnung ­
  der  Militärregierung,  jede  Wiedereinstellung  mit  einer  Versetzung  des  Betroffenen ­
  zu  verbinden,  wurde  vielerorts  nicht  durchgeführt.  Selbst  ausdrücklich  angeordnete ­
  Versetzungen  mußten  angemahnt  werden 147 .  Im  Dezember  1946  mußte  die
Militärregierung  sich  gegen  die  Praxis  der  Schulbehörde  wehren,  zwangsversetzte
Lehrer  durch  gleichrangige  oder  sogar  höhere  Stellen  gleichsam  zu  entschädigen 148 .
Im  November  1946  stellte  die  Direction  de  l'Education  Publique  in  Baden-Baden
fest,  daß  die  Entnazifizierung  des  Erziehungswesens  in  der  Pfalz  kurz  vor  ihrem  Abschluß ­
  stehe:  Von  6.993  untersuchten  Lehrern  waren  23%  entlassen  worden,  bei
weiteren  11%  war  der  ZSK-Bescheid  noch  nicht  rechtskräftig.  1.289  Lehrer  waren
ohne  Pension,  47  mit  Pension  und  142  mit  reduzierter  Pension  entlassen  worden.
1.706  Lehrer  waren  mit  einer  Sanktion  und  2.907  ohne  jede  Sanktion  für  den  Schuldienst ­
  wieder  zugelassen  worden 149 .
Die  Entnazifizierung  der  Universität  Mainz  (Teil  l) 150
In  seiner  Rede  anläßlich  der  Eröffnungsfeier  der  Johannes-Gutenberg-Universität
Mainz  am  22.  Mai  1946  betonte  Rektor  Josef  Schmid  die  Notwendigkeit,  die  nationalsozialistische ­
  Ideologie  und  den  preußischen  Militarismus  durch  das  neue  Unterrichts- ­
  und  Erziehungswesen  zu  überwinden 151 .  Die  Mainzer  Universität  bekam  aber
sehr  rasch  den  Ruf  als  Zufluchtsstätte  politisch  belasteter  Professoren.  Auf  der  Präsidialdirektorenkonferenz ­
  in  Neustadt  am  9.  August  1946  nannten  die  Sozialdemokraten ­
  Kuraner  und  Bögler  Namen  von  Nationalsozialisten,  die  als  Angestellte  oder  Professoren ­
  in  Mainz  wieder  Arbeit  gefunden  hatten.  Eichenlaub  und  Koch  betonten
ihre  Machtlosigkeit  in  den  erwähnten  Fällen,  da  sich  die  Militärregierung  die  Emen-145

  Renard  gab  die  Anweisung  Schmittleins  vom  25.  Juni  1946  fast  wörtlich  an  das  Oberregierungspräsidium ­
  weiter;  GMPA/AA/EDU  1302  u.  1665:  Renard,  4.6.  u.  11.7.1946;  LA  SP  H  13/744/957  u.
746/606f.
146  GMPA:  "Rapport  mensuel"  Februar,  April  u.  Oktober  1946;  AOFAA  DGAP  c.233  p.51.
147  GMPA:  "Rapport  mensuel  mars  1946";  ORP/Kultus:  Kroneberger,  12.3.1946;  AOFAA  DGAP  c.233
p.51  u.  LA  SP  H  13/236/61.
148  GMPA/AA/EDU  3319:  Renard  an  Kroneberger,  30.12.1946;  LA  SP  H  13/751/446.
149  CCFA/DGAA/DOC:  "Etudes  Generales"  November  1946;  AOFAA  GFCC  c.108.
150  Teil  II  im  Kapitel  E.3.3.
151  Zitiert  nach  dem  Bericht  des  Mitarbeiters  Laffons,  Fritz:  CCFA/DGAA/INT  et  CULTES:  "Synthese
generale  sur  les  Universitas  de  la  zone  fran^aise",  März  1947;  AOFAA  DGAP  c.232  p.49.  Durch  die
Verordnung  Nr.  44  vom  27.  Februar  1946  hatte  Koenig  die  Gründung  der  Universität  Mainz  zugelassen; ­
  JO-CCFA  Nr.  17/46  (8.3.1946),  S.  136.
            
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