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daß Koch es vorgezogen habe, zu feierlichen Veranstaltungen mit weißer Tennishose,
kaffeebraunem Sakko und knallroter Krawatte zu erscheinen und auch andere
Extravaganzen gezeigt habe 134 . Die Parteien mißtrauten ihm, da er sich keiner Partei
zugehörig fühlte und seine Legitimation allein auf der Besatzungsmacht beruhte. Er
erregte ihren Unmut, da er sich nicht in das Interessenspiel der Parteien einspannen
ließ. Die Abneigung beruhte auf Gegenseitigkeit: Koch mißtraute dem Willen der
Parteien zu einer entschlossenen Entnazifizierung und warf ihnen vor, dieses Ziel aus
egoistischen Parteiinteressen zu verraten. Im Mai 1947 schrieb er an Magniez: In allen
Parteien findet man die gleichen Beispiele dafür, daß ihnen die völlig farcenhafte
Lösung der politischen Säuberung willkommen ist. Die Nazi-Vergangenheit eines
Menschen ist für eine Partei ausgelöscht, wenn er sich heute absolut und enthusiastisch
zu dieser bekennt ... Auf die politischen Parteien ist überhaupt kein Verlaß
mehr 135 .
5.3. Die Situation im Erziehungswesen
Am 14. August 1945 wies der Leiter des Erziehungswesens im Oberregierungspräsidium,
Regierungsdirektor Emst Kilb, alle Stadt- und Kreisschulämter an, mit der systematischen
Entlassung aller NSDAP-Mitglieder unter den Lehrkräften zu beginnen.
Über eine spätere Wiedereinstellung werde ein noch festzulegendes Verfahren entscheiden
136 . Angesichts des hohen Anteils an Pgs unter der Lehrerschaft - die Militärregierung
schätzte ihre Zahl auf 75% der männlichen und 25% der weiblichen
Lehrer - war dadurch die Wiederaufnahme des Schulbetriebs in Frage gestellt 137 .
Verschärfend kam die restriktive Praxis der Militärregierung in der Frage der Wiedereinstellungen
hinzu: Ein Untersuchungsbericht der Direction de l'Education Publique
stellte Anfang November 1945 fest, daß die Baden-Badener Direktive vom
24. August n'a pratiquement pas ete applique dans cette Province. Der Berichterund
die Putschgerüchte auf Anfrage der Militärregierung nicht belegen. Der ehemalige Oberregierungsvizepräsident
Koch spielte in den Gerüchten eine wichtige Rolle und sah sich angeblich selber als
neuen Regierungschef der Pfalz unter dem neuen Gouverneur Magniez. Selbst der stellvertretende
Landeskommissar Gerhart Wolf, der im Gespräch mit Koch über den verdammt preußischen Beamtenwind,
der aus Koblenz herüber wehe, geklagt hatte, wurde durch Kochs Bemerkungen über eine bevorstehende
Loslösung der Pfalz tief verunsichert; LK/Pfalz: Wolf an Bögler (streng vertraulich),
11.11.1947; LA SP V 52/14. Hierzu: Wünschet, Hans-Jürgen: Schicksalsjahre der Pfalz. Dokumente
zur Geschichte von Rheinland-Pfalz. Neustadt 1979, S. 76-91; BROMMER, S. 528-557; Kusch,
S. 120ff.
134 Als Oberregierungsvizepräsident sei Koch in Pullover, Trainingshose und Pantoffeln zu den Verhandlungen
der Entnazifizierungsorgane erschienen. Dies hätten aber die Pfälzer dem Elsässer weniger übel
genommen als die Tatsache, daß er die treibende Kraft des pfälzischen Separatismus gewesen war;
"Der Spiegel" Nr. 46/47 (15.11.1947), S. 3.
135 ORP/Koch an Magniez, 8.5.1947; LA SP V 52/219.
136 ORP/Kultus: Kilb, 14.8.1945; StA KL 1819. Seit Mitte November 1945 mußten alle Lehrpersonen eine
zusätzliche Erklärung zu ihrem Fragebogen abgeben, ob sie - aufgrund freiwilliger Meldung oder einer
Abordnung - nach 1940 im Elsaß oder in Lothringen beschäftigt gewesen waren; LA SP R 18/341.
137 GMPA: "Rapport spdcial", 24.9.1945; AOFAA CC POL III G 2 b p.38.