Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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daß  Koch  es  vorgezogen  habe,  zu  feierlichen  Veranstaltungen  mit  weißer  Tennishose, ­
  kaffeebraunem  Sakko  und  knallroter  Krawatte  zu  erscheinen  und  auch  andere
Extravaganzen  gezeigt  habe 134 .  Die  Parteien  mißtrauten  ihm,  da  er  sich  keiner  Partei
zugehörig  fühlte  und  seine  Legitimation  allein  auf  der  Besatzungsmacht  beruhte.  Er
erregte  ihren  Unmut,  da  er  sich  nicht  in  das  Interessenspiel  der  Parteien  einspannen
ließ.  Die  Abneigung  beruhte  auf  Gegenseitigkeit:  Koch  mißtraute  dem  Willen  der
Parteien  zu  einer  entschlossenen  Entnazifizierung  und  warf  ihnen  vor,  dieses  Ziel  aus
egoistischen  Parteiinteressen  zu  verraten.  Im  Mai  1947  schrieb  er  an  Magniez:  In  allen ­
  Parteien  findet  man  die  gleichen  Beispiele  dafür,  daß  ihnen  die  völlig  farcenhafte
Lösung  der  politischen  Säuberung  willkommen  ist.  Die  Nazi-Vergangenheit  eines
Menschen  ist  für  eine  Partei  ausgelöscht,  wenn  er  sich  heute  absolut  und  enthusiastisch ­
  zu  dieser  bekennt  ...  Auf  die  politischen  Parteien  ist  überhaupt  kein  Verlaß
mehr 135 .

5.3.  Die  Situation  im  Erziehungswesen
Am  14.  August  1945  wies  der  Leiter  des  Erziehungswesens  im  Oberregierungspräsidium, ­
  Regierungsdirektor  Emst  Kilb,  alle  Stadt-  und  Kreisschulämter  an,  mit  der  systematischen ­
  Entlassung  aller  NSDAP-Mitglieder  unter  den  Lehrkräften  zu  beginnen.
Über  eine  spätere  Wiedereinstellung  werde  ein  noch  festzulegendes  Verfahren  entscheiden ­
 136 .  Angesichts  des  hohen  Anteils  an  Pgs  unter  der  Lehrerschaft  -  die  Militärregierung ­
  schätzte  ihre  Zahl  auf  75%  der  männlichen  und  25%  der  weiblichen
Lehrer  -  war  dadurch  die  Wiederaufnahme  des  Schulbetriebs  in  Frage  gestellt 137 .
Verschärfend  kam  die  restriktive  Praxis  der  Militärregierung  in  der  Frage  der  Wiedereinstellungen ­
  hinzu:  Ein  Untersuchungsbericht  der  Direction  de  l'Education  Publique ­
  stellte  Anfang  November  1945  fest,  daß  die  Baden-Badener  Direktive  vom
24.  August  n'a  pratiquement  pas  ete  applique  dans  cette  Province.  Der  Berichterund ­

  die  Putschgerüchte  auf  Anfrage  der  Militärregierung  nicht  belegen.  Der  ehemalige  Oberregierungsvizepräsident ­
  Koch  spielte  in  den  Gerüchten  eine  wichtige  Rolle  und  sah  sich  angeblich  selber  als
neuen  Regierungschef  der  Pfalz  unter  dem  neuen  Gouverneur  Magniez.  Selbst  der  stellvertretende
Landeskommissar  Gerhart  Wolf,  der  im  Gespräch  mit  Koch  über  den  verdammt  preußischen  Beamtenwind, ­
  der  aus  Koblenz  herüber  wehe,  geklagt  hatte,  wurde  durch  Kochs  Bemerkungen  über  eine  bevorstehende ­
  Loslösung  der  Pfalz  tief  verunsichert;  LK/Pfalz:  Wolf  an  Bögler  (streng  vertraulich),
11.11.1947;  LA  SP  V  52/14.  Hierzu:  Wünschet,  Hans-Jürgen:  Schicksalsjahre  der  Pfalz.  Dokumente
zur  Geschichte  von  Rheinland-Pfalz.  Neustadt  1979,  S.  76-91;  BROMMER,  S.  528-557;  Kusch,
S.  120ff.
134  Als  Oberregierungsvizepräsident  sei  Koch  in  Pullover,  Trainingshose  und  Pantoffeln  zu  den  Verhandlungen ­
  der  Entnazifizierungsorgane  erschienen.  Dies  hätten  aber  die  Pfälzer  dem  Elsässer  weniger  übel
genommen  als  die  Tatsache,  daß  er  die  treibende  Kraft  des  pfälzischen  Separatismus  gewesen  war;
"Der  Spiegel"  Nr.  46/47  (15.11.1947),  S.  3.
135  ORP/Koch  an  Magniez,  8.5.1947;  LA  SP  V  52/219.
136  ORP/Kultus:  Kilb,  14.8.1945;  StA  KL  1819.  Seit  Mitte  November  1945  mußten  alle  Lehrpersonen  eine
zusätzliche  Erklärung  zu  ihrem  Fragebogen  abgeben,  ob  sie  -  aufgrund  freiwilliger  Meldung  oder  einer
Abordnung  -  nach  1940  im  Elsaß  oder  in  Lothringen  beschäftigt  gewesen  waren;  LA  SP  R  18/341.
137  GMPA:  "Rapport  spdcial",  24.9.1945;  AOFAA  CC  POL  III  G  2  b  p.38.
            
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