Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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Dr.  KOCH  a  tendance  au  laisser-aller.  II  manque  d'application;  dans  son  travail  il
est  "boheme"  et  dans  ses  methodes  quelque  peu  anarchique.  Nous  ne  lui  reprochons
rien  d'autre ,28 .
Im  Auftrag  der  Militärregierung  bat  Koch  am  18.  Mai  1947  die  ZSK-Mitglieder  um
eine  Erklärung,  inwieweit  sie  mit  dem  bisherigen  Entnazifizierungsverfahren  unzufrieden, ­
  ob  Unregelmäßigkeiten  und  Schwierigkeiten  aufgetreten  seien,  und  ob  ein
personeller  Wechsel  an  der  Spitze  des  Verfahrens  gewünscht  werde 128  129 .  Im  Gegensatz
zum  PSR,  der  bereits  eine  Loyalitätserklärung  für  Koch  abgegeben  hatte,  konnten
sich  die  ZSK  nicht  auf  eine  gemeinsame  Haltung  einigen.  Es  kam  zu  heftigen  Diskussionen ­
  über  die  Frage,  inwieweit  die  einzelnen  Mitglieder  an  Parteibeschlüsse  gebunden ­
  seien.  Letztlich  wurde  mit  Zustimmung  Kochs  beschlossen,  die  Parteivorstände ­
  zu  einer  gemeinsamen  Beratung  einzuladen.  Eine  Sonderkommission  der
ZSK,  bestehend  aus  den  Personen  Gerhart  Wolf,  Philipp  Kessler  (beide  SPD),  Valentin ­
  Kaul  (CDU)  und  Otto  Gümbel  (parteilos)  bereitete  das  Treffen  vor 130 .  Trotz
anfänglicher  Zusage  erschienen  aber  nicht  alle  Parteienvertreter,  so  daß  das  Treffen
ohne  Ergebnis  zu  Ende  ging.  Eine  Woche  später,  am  29.  Mai,  erfuhren  die  ZSK-Mitglieder
  von  der  Militärregierung,  daß  sie  mit  Inkrafttreten  der  LVO  seit  gestern  beurlaubt ­
  worden  waren 131 .
Das  Verhältnis  zwischen  Koch  und  der  pfälzischen  Öffentlichkeit
Das  Verhältnis  zwischen  Koch  und  den  politischen  Parteien  war  von  Anfang  an  sehr
gespannt  gewesen.  Es  entwickelte  sich  zu  einer  offenen  Feindschaft.  Die  Militärregierung ­
  stellte  im  Januar  1947  fest:  (Koch;  R.M.)  est  devenu  une  espece  d'ennemi
public  No  1,  non  seulement  parce  qu'il  est  le  chef  de  la  denazification,  mais  aussi
parce  qu'il  se  reconnait  publiquement  comme  francophile  l32 .  Sie  sprach  damit  eine
wichtige  Erklärung  für  die  Unbeliebtheit  Kochs  an:  Sein  offenes  Eintreten  für
frankophile,  von  den  meisten  Pfälzem  als  separatistisch  angesehene  Gruppierungen ­
 133 .  Eine  weitere  Ursache  lag  in  der  Persönlichkeit  Kochs.  "Der  Spiegel"  schrieb,

128  Die  Militärregierung  suchte  seit  Januar  1947  für  Koch  eine  neue  Beschäftigung.  Sie  verhandelte  mit
dem  zuständigen  Universitätsoffizier  im  Kabinett  Laffons,  Fritz,  um  Koch  einen  Lehrstuhl  als  Kunsthistoriker ­
  an  der  Universität  Mainz  zu  verschaffen.  Als  dies  den  Studenten  bekannt  wurde,  erklärten  sie
ihre  Streikbereitschaft.  Auch  wurde  seine  Ernennung  zum  Kunstbeauftragten  der  Pfalz  erwogen;  ebd.;
"Der  Spiegel"  Nr.  46/47  (15.11.1947),  S.  3.
129  Siehe  die  Ausführungen  Gümbels  auf  der  Sitzung  der  am  21.  Mai  1947  gewählten  ZSK-Sonderkommission
  sowie  den  streng  vertraulichen  Bericht  eines  unbekannten  ZSK-Mitglieds  an  Kuraner,  o.D.
(Mai  1947);  LA  SP  R  18/21  u.  AsD  961.
130  ORP/ZSK-Sonderkommission:  Bericht,  21.5.1947;  LA  SP  R  18/21.
131  Bericht,  Mai  1947  (Anm.  129).
132  GMPA:  Note,  31.1.1947;  AOFAA  RP  c.3181  p.  11  d.46.  Die  Militärregierung  hatte  seit  einiger  Zeit  im
Umlauf  befindliche  Gerüchte  über  Koch  gesammelt.  Man  sprach  sehr  viel  über  sein  vie  privee  un  peu
speciale  und  seinen  favoritisme  bei  der  Entnazifizierung;  ebd.  u.  GMPA,  3.1.1947;  AOFAA  RPP
c.1824.
133  Ende  1947  kam  es  zu  einem  letzten  Aufflammen  der  "separatistischen  Gefahr"  in  der  Pfalz,  was  zu  einer ­
  erregten  Landtagsdebatte  am  6.  November  1947  und  der  einstimmigen  Resolution  aller  Fraktionen
gegen  jeden  Separatismus  führte.  Oberregierungspräsident  Bögler  konnte  allerdings  seine  Vorwürfe
            
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