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der Dunkelkammer. Er forderte die Entlassung Kochs und kündigte an: Meine Partei
würde sich andernfalls gezwungen sehen, bei der durch die Verordnung vorgesehenen
verantwortlichen Beteiligung der politischen Parteien eine Mitarbeit abzulehnen.
Koch habe sich durch sein Reden und Handeln als untragbar erwiesen 123 . Ein erster
Versuch der pfälzischen Parteien Ende Mai 1946, seine Absetzung zu erzwingen,
sei trotz der Unterstützung durch die Präsidialdirektoren fehlgeschlagen. Bögler forderte
die Landesregierung auf, Koch aus der deutschen Verwaltung zu entfernen 124 .
Fritz Neumayer (SV) und Hermans schlossen sich im Namen ihrer Fraktionen der
Erklärung der SPD an. Nur die KPD äußerte Bedenken: Sie wollte die positive Mitarbeit
ihrer Mitglieder in den Organen nicht durch die berechtigte Kritik an Koch geschmälert
wissen. Als Reaktion auf die einmütige Haltung der Fraktionen sagte ihnen
Innenminister Jakob Steffan (SPD) im Namen der Landesregierung zu, all die Maßnahmen
zu ergreifen, die notwendig sind, um Ihrem Willen mit stärkstem Nachdruck
zum Siege zu verhelfen (Allgemeines Bravo und Händeklatschen) 125 .
Magniez berichtete wenige Tage später Brozen-Favereau ausführlich über die Landtagsdebatte
126 . Er vermutete hinter der Kritik an Koch einen versteckten Angriff auf
die Militärregierung. Weder hätten die Vorwürfe gegen Koch konkretisiert werden
können, noch hätten die pfälzischen Parteien bislang aus Protest ihre Mitarbeit in den
Organen eingestellt. Magniez unterstellte, daß das Verhalten der Parteien bereits Bestandteil
des Wahlkampfes sei. Auf Kosten der Entnazifizierung werde um die Gunst
der ehemaligen Pgs gebuhlt. Die Deutschen hätten ihre Maske fallen lassen und ihr
wahres Gesicht gezeigt:
On condamne le Systeme en vigueur et n'importe quel autre homme qui l'eut dirige
eut ete designe comme bouc emissaire ... Nous sommes en presence de lüttes
d'interets partisans. Les nazis representent un trop important pourcentage de la
masse des electeurs. Les partis se sont engages sur une voie tres glissante d'une
nefaste demagogie 127 .
Die Kritik der Parteien durchkreuzte die Pläne der Militärregierung: Sie selber hatte
seit längerem eine distanzierte Haltung zu Koch eingenommen und seine Ablösung
als Entnazifizierungschef geplant. Der Grund dafür war nicht Kritik am bestehenden
Verfahren, sondern lag allein in der Persönlichkeit Kochs: II est vrai que le
123 So habe Koch gesagt: Solange er nicht gezwungen sei, im Panzerwagen durchs Land zu fahren, sei es
ja noch gar nicht schlimm. Auf eine ungerechte Maßnahme hingewiesen, habe er geantwortet, daß es
ihm auf etwas mehr oder weniger Unrecht nicht ankomme. Koch sei auch kein unbedingter Nazigegner,
da belastete Personen - bei Wohlgefallen - in jede Stellung in der Pfalz aufrücken könnten. Zudem
sei er fachlich nicht geeignet, was zur Folge habe, daß Hunderte von Verfahren nicht abgeschlossen
werden könnten, da die Unterlagen abhanden gekommen seien; BLV Drs. Nr. 10: Sitzungsprotokoll,
27./28.2.1947, S. 18.
124 Ebd.
125 Ebd., S. 18f. Der Wochenbericht des Büroleiters der BLV, Wilhelm Froitzheim, erwähnte die parteienübergreifende
deutliche Absage an das bisher, besonders in der Pfalz herrschende System der Willkür.
Ministerpräsident Boden ließ die Worte "der Willkür" vor der Weitergabe an die Militärregierung aus
dem Bericht streichen; LHA KO 860/21/893-5 u. 901-3.
126 Der Militärregierung lagen die Redebeiträge und einzelne Augenzeugenberichte, unter anderem von
Eichenlaub, vor; GMPA/DAA 184: Bericht für Brozen-Faverau, 6.3.1947; AOFAA RPP c.2318 p.6.
127 Ebd.