Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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der  Dunkelkammer.  Er  forderte  die  Entlassung  Kochs  und  kündigte  an:  Meine  Partei
würde  sich  andernfalls  gezwungen  sehen,  bei  der  durch  die  Verordnung  vorgesehenen ­
  verantwortlichen  Beteiligung  der  politischen  Parteien  eine  Mitarbeit  abzulehnen. ­
  Koch  habe  sich  durch  sein  Reden  und  Handeln  als  untragbar  erwiesen 123 .  Ein  erster ­
  Versuch  der  pfälzischen  Parteien  Ende  Mai  1946,  seine  Absetzung  zu  erzwingen,
sei  trotz  der  Unterstützung  durch  die  Präsidialdirektoren  fehlgeschlagen.  Bögler  forderte ­
  die  Landesregierung  auf,  Koch  aus  der  deutschen  Verwaltung  zu  entfernen 124 .
Fritz  Neumayer  (SV)  und  Hermans  schlossen  sich  im  Namen  ihrer  Fraktionen  der
Erklärung  der  SPD  an.  Nur  die  KPD  äußerte  Bedenken:  Sie  wollte  die  positive  Mitarbeit ­
  ihrer  Mitglieder  in  den  Organen  nicht  durch  die  berechtigte  Kritik  an  Koch  geschmälert ­
  wissen.  Als  Reaktion  auf  die  einmütige  Haltung  der  Fraktionen  sagte  ihnen
Innenminister  Jakob  Steffan  (SPD)  im  Namen  der  Landesregierung  zu,  all  die  Maßnahmen ­
  zu  ergreifen,  die  notwendig  sind,  um  Ihrem  Willen  mit  stärkstem  Nachdruck
zum  Siege  zu  verhelfen  (Allgemeines  Bravo  und  Händeklatschen) 125 .
Magniez  berichtete  wenige  Tage  später  Brozen-Favereau  ausführlich  über  die  Landtagsdebatte ­
 126 .  Er  vermutete  hinter  der  Kritik  an  Koch  einen  versteckten  Angriff  auf
die  Militärregierung.  Weder  hätten  die  Vorwürfe  gegen  Koch  konkretisiert  werden
können,  noch  hätten  die  pfälzischen  Parteien  bislang  aus  Protest  ihre  Mitarbeit  in  den
Organen  eingestellt.  Magniez  unterstellte,  daß  das  Verhalten  der  Parteien  bereits  Bestandteil ­
  des  Wahlkampfes  sei.  Auf  Kosten  der  Entnazifizierung  werde  um  die  Gunst
der  ehemaligen  Pgs  gebuhlt.  Die  Deutschen  hätten  ihre  Maske  fallen  lassen  und  ihr
wahres  Gesicht  gezeigt:
On  condamne  le  Systeme  en  vigueur  et  n'importe  quel  autre  homme  qui  l'eut  dirige
  eut  ete  designe  comme  bouc  emissaire  ...  Nous  sommes  en  presence  de  lüttes
d'interets  partisans.  Les  nazis  representent  un  trop  important  pourcentage  de  la
masse  des  electeurs.  Les  partis  se  sont  engages  sur  une  voie  tres  glissante  d'une
nefaste  demagogie  127 .
Die  Kritik  der  Parteien  durchkreuzte  die  Pläne  der  Militärregierung:  Sie  selber  hatte
seit  längerem  eine  distanzierte  Haltung  zu  Koch  eingenommen  und  seine  Ablösung
als  Entnazifizierungschef  geplant.  Der  Grund  dafür  war  nicht  Kritik  am  bestehenden
Verfahren,  sondern  lag  allein  in  der  Persönlichkeit  Kochs:  II  est  vrai  que  le

123  So  habe  Koch  gesagt:  Solange  er  nicht  gezwungen  sei,  im  Panzerwagen  durchs  Land  zu  fahren,  sei  es
ja  noch  gar  nicht  schlimm.  Auf  eine  ungerechte  Maßnahme  hingewiesen,  habe  er  geantwortet,  daß  es
ihm  auf  etwas  mehr  oder  weniger  Unrecht  nicht  ankomme.  Koch  sei  auch  kein  unbedingter  Nazigegner, ­
  da  belastete  Personen  -  bei  Wohlgefallen  -  in  jede  Stellung  in  der  Pfalz  aufrücken  könnten.  Zudem
sei  er  fachlich  nicht  geeignet,  was  zur  Folge  habe,  daß  Hunderte  von  Verfahren  nicht  abgeschlossen
werden  könnten,  da  die  Unterlagen  abhanden  gekommen  seien;  BLV  Drs.  Nr.  10:  Sitzungsprotokoll,
27./28.2.1947,  S.  18.
124  Ebd.
125  Ebd.,  S.  18f.  Der  Wochenbericht  des  Büroleiters  der  BLV,  Wilhelm  Froitzheim,  erwähnte  die  parteienübergreifende
  deutliche  Absage  an  das  bisher,  besonders  in  der  Pfalz  herrschende  System  der  Willkür.
Ministerpräsident  Boden  ließ  die  Worte  "der  Willkür"  vor  der  Weitergabe  an  die  Militärregierung  aus
dem  Bericht  streichen;  LHA  KO  860/21/893-5  u.  901-3.
126  Der  Militärregierung  lagen  die  Redebeiträge  und  einzelne  Augenzeugenberichte,  unter  anderem  von
Eichenlaub,  vor;  GMPA/DAA  184:  Bericht  für  Brozen-Faverau,  6.3.1947;  AOFAA  RPP  c.2318  p.6.
127  Ebd.
            
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