161
Korps der Politischen Leiter (sei) en bloc wieder aufmarschiert. Er befürchtete, daß
die eigentlichen Fehlurteile in der Masse untergingen: Dies kann nicht die Aufgabe
des PSR bedeuten! Scharführer bis Sturmführer, Block- und Zellenleiter haben,
selbst wenn einmal ein weniger Schuldiger sich darunter befindet, zu ihrer
"Rehabilitierung" Zeit und zeigen jetzt besser ihre Bereitschaft im Wiederaufbau > 01 .
Erst Ende Januar 1947 erschienen - unter dem Datum des 5. Dezembers 1946 - Berichtigungen
noch nicht veröffentlichter ZSK-Bescheide in den "Amtlichen Mitteilungen".
Entscheidungen im Namen des PSR wurden erstmals Anfang Februar veröffentlicht
101 102 . Die verzögerte Veröffentlichung der Berufungsentscheidungen war im
Januar 1947 einer der Gründe für den Auszug der SPD-Vertreter Hartmann und Kuraner
aus dem PSR. Kuraner erklärte in einem Zeitungsartikel, daß die SPD eine
weitere Verschleppung der Arbeit nicht mittragen wolle. Er kritisierte das bestehende
Entnazifizierungsverfahren, das mit den Prinzipien der Kontrollratsdirektive Nr. 38
nicht vereinbar sei. Kuraner forderte stattdessen öffentliche Spruchkammerverhandlungen
und eine ordentliche Berufungsinstanz. Die Militärregierung konnte die Veröffentlichung
seines Zeitungsartikels zwar in der Pfalz, nicht aber in Rheinhessen
verhindern 103 . Koch wies die SPD-Vorwürfe als ungerechtfertigt zurück. Als eigentlichen
Grund für die Kritik vermutete er die Niederlage Kuraners im PSR bei dem
Versuch, einige kompromittierte Personen "weißzuwaschen" 104 . Der KPD-Vertreter
Schlenz führte einen weiteren Grund an: Kuraner war mit seinem Antrag, die mündliche
Anhörung der Betroffenen im PSR durchzusetzen, gescheitert. Die anderen
Mitglieder hatten befürchtet, daß dadurch die Arbeit völlig lahmgelegt werden
würde 105 .
Nachdem die Veröffentlichung der PSR-Bescheide angelaufen war, beschloß der
SPD-Bezirk Pfalz, die Arbeit im PSR wieder aufzunehmen. Als Vertreter wurden
neben Kuraner zwei neue Personen, Gerhard Nadolny und Emil Linger, benannt;
dem bisherigen Vertreter der SPD Hartmann war zuvor das Vertrauen entzogen worden
106 . Am selben Tag lehnten jedoch zehn Mitglieder des PSR, unter ihnen auch
Hartmann, eine weitere Zusammenarbeit mit Kuraner ab. Durch seinen Zeitungsartikel
habe er in überflüssiger Weise die Öffentlichkeit gegen die Entnazifizierungsorgane
aufgebracht und außerdem einzelne Mitglieder des PSR öffentlich angegriffen
107 . Daraufhin beschloß die SPD, zunächst keine Vertreter mehr in den PSR zu
101 Schlenz an den PSR, 21.1.1947; LA SP R 18/44.
102 AM Nr. 4/46 (25.1.1947), S. 36ff., u. Nr. 8/47 (5.2.1947), S. 85ff. Da den Berufungsanträgen keinerlei
aufschiebende Wirkung zukam, war der PSR-Bescheid erst mit dem Tage seiner Veröffentlichung
rechtskräftig. Eine Nachzahlung der entgangenen Bezüge seit dem ZSK-Bescheid fand nicht statt;
ORP/Koch: Verfügung, 11.4.1947; LA SP H 13/473/29f.
103 SPD Bezirk Pfalz: Kuraner an Koch, 8.1.1947, u. sein Zeitungsartikel im "Neuen Mainzer Anzeiger",
14.1.1947. CCFA/DGAA/INT/1 .Sect. 5123: Laffon an Koenig, 22.2.1947; AsD Pfalz 961, AOFAA
DG AP c.232 p.49 u. LAFFON c.19 DGAA/INT 1947.
104 Diese Auffassung Kochs wird in dem Schreiben Laffons referiert; ebd.
105 Schlenz, 21.1.1947 (Anm. 101).
106 SPD Bezirk Pfalz: Bögler u. Kuraner an Koch, 22.1.1947; LA SP V 52/219. Einen Tag später ordnete
die Militärregierung die Entlassung Hartmanns an, da er schwere Unregelmäßigkeiten begangen hatte;
GMPA/AA 455: Magniez an Koch, 23.1.1947; LA SP H 13/750/138.
107 ORP/PSR an Koch, 22.1.1947; LA SP V 52/219.