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noch Frau und Kindern wegnehmen 70 . Die Vertreter der katholischen Kirche lehnten
eine weitere Mitarbeit in den ZSK und die Verantwortung für die seit Dezember
1945 beliebten Methoden in der Entnazifizierung ab 71 . In mehreren Schreiben an
Koch und den Gouverneur setzte sich das Bischöfliche Ordinariat für sanktionierte
katholische Beamte und Angestellte ein 72 . Einzelne Vertreter der CDU (zum Beispiel
der Bezirksvorsitzende von Bad Dürkheim, Breier) arbeiteten dennoch ohne Parteiauftrag
in den Entnazifizierungsorganen weiter. Auch die Vertreter des Protestantismus
übten Kritik an den ZSK-Bescheiden: Die evangelischen Lehrer würden zu hart
sanktioniert werden 73 .
Neben den Kirchen kritisierten die politischen Parteien in der Präsidialdirektorenkonferenz
am 26. April 1946 die unübersichtliche Anzahl der Vorschriften und Anweisungen.
Einzelfälle würden nicht mit der notwendigen Gründlichkeit und Objektivität
überprüft, die Untersuchungsausschüsse seien oft persönlich voreingenommen
und würden für die ZSK unbrauchbare Vorarbeit leisten 74 . Die CDU äußerte seit
Herbst 1946 öffentliche Kritik am Entnazifizierungsverfähren. Oberregierungspräsident
Eichenlaub warnte auf einer Wahlkundgebung, daß die Entnazifizierung nicht
zum Scherbengericht über unser Volk werden dürfe. Der CDU-Vorstand forderte
Anfang Oktober die Einrichtung eines Spruchkammersystems ähnlich wie in der
amerikanischen Zone sowie die Zusicherung ausreichender Rechtsgarantien für die
Betroffenen 75 .
Der Politische Säuberungsrat als Berufungsinstanz
Ende Januar 1946 wurden die ersten ZSK-Bescheide in den "Amtlichen Mitteilungen"
veröffentlicht 76 . Die Forderung nach einer Einspruchsmöglichkeit für die Betroffenen
wurde immer nachdrücklicher von Kirchen und politischen Parteien erhoben.
Bischof Wendel sah im Interesse eines friedlichen und gesunden Aufbaus die
Notwendigkeit einer schnellen Überprüfung der bisherigen Entscheidungen durch
eine Einspruchsinstanz gegeben, die in der Lage sein müsse, nicht nur aus Fragebogen
und Papieren, sondern auch aus persönlicher Kenntnisnahme und Rücksprache
befriedigende Entscheidungen zu treffen 77 .
70 Lehrer A., Februar 1946 (Anm. 68).
71 Im August 1947 lehnte deswegen die CDU jede Mitverantwortung für die ZSK-Bescheide ab; "Der
Westen", 12.8.1947; LA SP V 52/99.
72 Unter anderem: BO Speyer: Generalvikar Haußner an Brozen-Favereau, 10.10.1946; LA SP R 18/20.
73 Bemerkungen Breyers und Jahns auf der erweiterten Präsidialdirektorenkonferenz am 26. April 1946.
Anwesend waren neben den Präsidialdirektoren und den Mitgliedern des Überparteilichen Ausschusses
auch Amtmann Breier (ZSK); LA SP H 13/473/312-45. Zum Überparteilichen Ausschuß siehe Springorum,
S. 134ff.
74 Ebd.
75 "Rheinischer Merkur”, 4.10. u. 11.10.1946; CDU-Hessen-Pfalz an Eichenlaub, 2.10.1946; AOFAA
DG AP c.3302 p.89 d.3005-3019.
76 Die ersten ZSK-Bescheide wurden am 25. Januar 1946 in den "Amtlichen Mitteilungen" veröffentlicht;
es handelte sich dabei um Angehörige des Oberregierungspräsidiums; AM Nr. 5/46, S. 11 ff. Siehe
auch: GMPA: "Rapport mensuel janvier 1946"; AOFAA DGAPc.233 p.51.
77 BO Speyer: Wendel an Eichenlaub, 18.3.1946; BSTA SP 12/4a.