Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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noch  Frau  und  Kindern  wegnehmen  70 .  Die  Vertreter  der  katholischen  Kirche  lehnten
eine  weitere  Mitarbeit  in  den  ZSK  und  die  Verantwortung  für  die  seit  Dezember
1945  beliebten  Methoden  in  der  Entnazifizierung  ab 71 .  In  mehreren  Schreiben  an
Koch  und  den  Gouverneur  setzte  sich  das  Bischöfliche  Ordinariat  für  sanktionierte
katholische  Beamte  und  Angestellte  ein 72 .  Einzelne  Vertreter  der  CDU  (zum  Beispiel
der  Bezirksvorsitzende  von  Bad  Dürkheim,  Breier)  arbeiteten  dennoch  ohne  Parteiauftrag ­
  in  den  Entnazifizierungsorganen  weiter.  Auch  die  Vertreter  des  Protestantismus ­
  übten  Kritik  an  den  ZSK-Bescheiden:  Die  evangelischen  Lehrer  würden  zu  hart
sanktioniert  werden 73 .
Neben  den  Kirchen  kritisierten  die  politischen  Parteien  in  der  Präsidialdirektorenkonferenz ­
  am  26.  April  1946  die  unübersichtliche  Anzahl  der  Vorschriften  und  Anweisungen. ­
  Einzelfälle  würden  nicht  mit  der  notwendigen  Gründlichkeit  und  Objektivität ­
  überprüft,  die  Untersuchungsausschüsse  seien  oft  persönlich  voreingenommen
und  würden  für  die  ZSK  unbrauchbare  Vorarbeit  leisten 74 .  Die  CDU  äußerte  seit
Herbst  1946  öffentliche  Kritik  am  Entnazifizierungsverfähren.  Oberregierungspräsident
  Eichenlaub  warnte  auf  einer  Wahlkundgebung,  daß  die  Entnazifizierung  nicht
zum  Scherbengericht  über  unser  Volk  werden  dürfe.  Der  CDU-Vorstand  forderte
Anfang  Oktober  die  Einrichtung  eines  Spruchkammersystems  ähnlich  wie  in  der
amerikanischen  Zone  sowie  die  Zusicherung  ausreichender  Rechtsgarantien  für  die
Betroffenen 75 .

Der  Politische  Säuberungsrat  als  Berufungsinstanz
Ende  Januar  1946  wurden  die  ersten  ZSK-Bescheide  in  den  "Amtlichen  Mitteilungen" ­
  veröffentlicht 76 .  Die  Forderung  nach  einer  Einspruchsmöglichkeit  für  die  Betroffenen ­
  wurde  immer  nachdrücklicher  von  Kirchen  und  politischen  Parteien  erhoben. ­
  Bischof  Wendel  sah  im  Interesse  eines  friedlichen  und  gesunden  Aufbaus  die
Notwendigkeit  einer  schnellen  Überprüfung  der  bisherigen  Entscheidungen  durch
eine  Einspruchsinstanz  gegeben,  die  in  der  Lage  sein  müsse,  nicht  nur  aus  Fragebogen ­
  und  Papieren,  sondern  auch  aus  persönlicher  Kenntnisnahme  und  Rücksprache
befriedigende  Entscheidungen  zu  treffen 77 .

70  Lehrer  A.,  Februar  1946  (Anm.  68).
71  Im  August  1947  lehnte  deswegen  die  CDU  jede  Mitverantwortung  für  die  ZSK-Bescheide  ab;  "Der
Westen",  12.8.1947;  LA  SP  V  52/99.
72  Unter  anderem:  BO  Speyer:  Generalvikar  Haußner  an  Brozen-Favereau,  10.10.1946;  LA  SP  R  18/20.
73  Bemerkungen  Breyers  und  Jahns  auf  der  erweiterten  Präsidialdirektorenkonferenz  am  26.  April  1946.
Anwesend  waren  neben  den  Präsidialdirektoren  und  den  Mitgliedern  des  Überparteilichen  Ausschusses
auch  Amtmann  Breier  (ZSK);  LA  SP  H  13/473/312-45.  Zum  Überparteilichen  Ausschuß  siehe  Springorum,
  S.  134ff.
74  Ebd.
75  "Rheinischer  Merkur”,  4.10.  u.  11.10.1946;  CDU-Hessen-Pfalz  an  Eichenlaub,  2.10.1946;  AOFAA
DG  AP  c.3302  p.89  d.3005-3019.
76  Die  ersten  ZSK-Bescheide  wurden  am  25.  Januar  1946  in  den  "Amtlichen  Mitteilungen"  veröffentlicht;
es  handelte  sich  dabei  um  Angehörige  des  Oberregierungspräsidiums;  AM  Nr.  5/46,  S.  11  ff.  Siehe
auch:  GMPA:  "Rapport  mensuel  janvier  1946";  AOFAA  DGAPc.233  p.51.
77  BO  Speyer:  Wendel  an  Eichenlaub,  18.3.1946;  BSTA  SP  12/4a.
            
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