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Frühe Kritik an der Arbeit der Entnazifizierungsorgane
Bereits wenige Wochen nach Arbeitsbeginn der neuen Organe kam es zum Eklat:
Die Vertreter der katholischen Kirche und einige Christdemokraten lehnten eine
weitere Mitarbeit ab 65 . Die Aufforderung Hartmanns an den Prälaten Haas, die Arbeit
in den ZSK wiederaufzunehmen, wurde mit dem Hinweis auf schwere Gewissensgründe
zurückgewiesen 66 . Die Bekanntgabe der ersten ZSK-Bescheide habe in der
Öffentlichkeit große Enttäuschung und bei den meisten Betroffenen tiefe Verbitterung
ausgelöst. Es sei der Eindruck entstanden, daß in vielen Fällen nicht eine objektive
Gerechtigkeit das Urteil gesprochen, sondern eine nur oberflächliche Betrachtungsweise,
ja geradezu Willkür, Entscheidungen von weittragendster Bedeutung
getroffen zu haben scheint 67 . Bischof Wendel nannte gegenüber Koch vor allem
zwei Kritikpunkte: a) Die ZSK entschieden nur aufgrund der Angaben im politischen
Fragebogen und würden die Sanktionsvorschläge der Untersuchungsausschüsse oft
leichtfertig übergehen, obwohl deren Urteil auf große Sach- und Personalkenntnis
beruhe; b) die angestrebte Einheitlichkeit der Entscheidungen sei durch die Aufteilung
der ZSK in 16 Unterkommissionen unmöglich gemacht worden. Intern wurde
ein weiterer Grund für die Unzufriedenheit genannt: Die Katholiken fühlten sich in
den ZSK in der Minderheit. Anfangs war es ihnen noch gelungen, so der Bericht des
katholischen Lehrers und ZSK-Mitglieds A., durch entschiedenes und gewandtes
Führen der Besprechungen einfache Arbeiter aus den Reihen der Linken zu einigermaßen
vernünftigen Urteilen zu bewegen 6 *. Der große Arbeitsaufwand habe aber
dazu geführt, daß Freiberufler und Pfarrer nicht mehr auf jeder Sitzung hätten erscheinen
können und die in Neustadt und Umgebung wohnenden Mitglieder bald die
Verhandlungen beherrschten: Es waren dies meist linksgerichtete Elemente 69 . Gegen
die Führer der SPD und KPD wurden scharfe Vorwürfe erhoben: Selbst ihrer Intelligenz
beraubt, die — wie sich hier zeigte - restlos ins Hitlerlager abgewandert war,
suchte man unter Überschreitung der Vorschriften der Besatzungsmächte selbst
denen unserer Beamten eins anzuhängen, die trotz all der Leiden, die für sie und ihre
Familien daraus folgten, nicht in die NSDAP eingetreten waren. Gerade die von den
Nazis gehaßten "Schwarzen" waren ja während der 12 Jahre Hitlerherrschaft gezwungen
worden, irgendeine Arbeit in einem der angeschlossenen Verbände zu tun,
wollten sie nicht als Staatsfeinde das letzte Stückchen Brot, das man ihnen gelassen,
65 Hierzu: Bericht des Pfarrers Walzer an Bischof Wendel, 1.3.1946; ORP/ZSK: Vermerk, 23.5.1946;
BSTA SP 12/4a u. LA SP V 52/219.
66 Hartmann hatte im März 1946 Prälat Haas ultimativ aufgefordert, seine Tätigkeit wieder aufzunehmen,
andernfalls würde er die Militärregierung informieren. Prälat Haas protestierte bei Koch über diese mit
Drohungen arbeitende Sprache, wie sie wohl in der Zeit der Nazis üblich war, ORP/i.V. Hartmann an
Prälat Haas, 12.3.1946; Haas an Koch, 18.3.1946; BSTA SP 12/4a.
67 BO Speyer: Wendel an Eichenlaub, 18.3.1946. Bereits am 31. Januar 1946 hatten die ehemaligen ZSK-Mitglieder
Prälat Haas und Studienrat Ludwig Stahmer diese Kritikpunkte angeführt und die Einrichtung
einer Einspruchsinstanz gefordert; BSTA SP 12/4a.
68 Bericht des Lehrers A„ Februar 1946; BSTA SP 12/4a.
69 Walzer, 1.3.1946 (Anm. 65).