Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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Leiter  der  pfälzischen  Entnazifizierung  war  Oberregierungsvizepräsident  Koch.
Seine  beiden  engsten  Mitarbeiter  waren  der  Landrat  von  Rockenhausen,  Josef  Grün,
und  der  Polizeidirektor  von  Neustadt,  Karl  Hartmann  (SPD),  der  im  Personalamt  des
Oberregierungspräsidiums  arbeitete 33 .  Grün,  Kaufmann  und  Geschäftsführer  einer
Keksfabrik,  war  erst  1943  als  Evakuierter  nach  Rockenhausen  gekommen  und  dort
im  März  1945  von  der  amerikanischen  Militärregierung  zuerst  zum  Bürgermeister,
dann  zum  Landrat  ernannt  worden 34 .  Ab  Mitte  1946  gewannen  die  ZSK-Mitglieder
Fritz  Breier  (CDU)  in  der  Verwaltungssäuberung  und  der  Industrielle  Otto  Gümbel
in  der  Entnazifizierung  der  Privatwirtschaft  immer  mehr  Einfluß.  Justizamtmann
Fritz  Breier  war  nach  1933  aufgrund  seiner  aktiven  Tätigkeit  für  das  Zentrum
(Bezirksführer  der  Pfalzwacht  und  der  katholischen  Jugendfront  Frankenthal)  mehrmals ­
  verhaftet  worden 35 .  Während  einer  längeren  Erkrankung  Kochs  -  von  Februar
bis  Anfang  April  1946  -  schlug  Hartmann  die  Konstituierung  einer  Parteienkommission ­
  zur  vorläufigen  Leitung  der  Entnazifizierung  vor.  Sie  sollte  an  Stelle  Kochs  die
Arbeit  der  Organe  kontrollieren,  die  Sanktionsvorschläge  gegenzeichnen  und  der
Militärregierung  zur  Genehmigung  vorlegen.  Als  Präsident  wollte  er  selber  amtieren,
als  Beisitzer  waren  Fritz  Breier  (CDU),  Hans  Wulf  (CDU)  und  Ludwig  Schlenz
(KPD)  vorgesehen 36 .

Die  Durchführung  der  Entnazifizierung
Einzelfragen  der  Durchführung  wurden  in  Hessen-Pfalz  durch  Anordnungen  der  Militärregierung ­
  oder  Kochs  geregelt 37 .  Magniez  legte  im  Januar  1946  fest,  daß  jede
ZSK-Entscheidung  in  den  "Amtlichen  Mitteilungen"  zu  erscheinen  habe  und  erst  dadurch ­
  Gesetzeskraft  erhalte 38 .  Die  Militärregierung  forderte  Koch  mehrmals  auf,  NS-Aktivisten,
  die  durch  das  laufende  Verfahren  nicht  erfaßt  wurden  -  zum  Beispiel
Bauern  -,  einer  Entnazifizierung  zu  unterziehen 39 .  Im  Februar  ordnete  die  MilitärreMärz ­

  1947  unter  dem  Zeichen  "E3"  im  Organisationsplan  des  Oberregierungspräsidiums  aufgeführt;
ORP/Koch,  6.3.1947;  LA  SP  R  18/2.
33  Präsidialdirektor  Bieroth  bezeichnete  ihn  am  8.  April  1946  als  den  stellvertretenden  Leiter  der  Entnazifizierung-, ­
  LA  SP  H  13/473/382.
34  Die  Selbstdarstellung  Grüns  "Ich  über  mich"  befindet  sich  in:  "Mitteilungsblatt",  22.9.1945  (amtliches
Organ  der  Militärregierung  und  der  kommunalen  Behörden  der  Westpfalz);  LA  SP  V  52/100.
35  Breier  war  nach  1945  Bezirksvorsitzender  der  CDU  Bad-Dürkheim  und  galt  als  Vertrauensmann  der
katholischen  Kirche;  BSTA  SP  12/4a.
36  Als  Stellvertreter  wurden  genannt:  August  Zimmermann  (CDU),  August  Fuhrmann  (SPD)  und  Karl
Huber  (KPD);  ORP/i.V.  Hartmann  an  Magniez  ("mit  der  Bitte  um  Genehmigung"),  14.2.1946;  LA  SP
H  13/731/201.
37  Zum  Beispiel:  Durchführung  der  ZSK-Bescheide:  Koch,  4.3.  u.  11.4.1947;  LA  SP  R  18/2  u.  H
13/473/29f.
38  GMPA/AA/INT:  Magniez  an  Koch,  9.1.1946;  LA  SP  H  13/743/672.
39  GMPA/AA/INT  409  u.  2355:  Schneider  an  Koch,  18.3.  u.  26.4.1946  (mit  Bezug  auf  die  Direktive  Laffons
  vom  31.  Dezember  1945);  LA  SP  H  13/743/168  u.  744/553.  Eichenlaub  machte  den  Vorschlag,
eine  Art  geheime  Staatspolizei  zur  Kontrolle  der  ehemaligen  Nationalsozialisten  aufzubauen  -  dies
wurde  aber  von  der  Militärregierung  abgelehnt.  Hierzu:  Präsidialdirektorenkonferenz,  26.4.1946;  LA
SPH  13/473/312-45.
            
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