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Leiter der pfälzischen Entnazifizierung war Oberregierungsvizepräsident Koch.
Seine beiden engsten Mitarbeiter waren der Landrat von Rockenhausen, Josef Grün,
und der Polizeidirektor von Neustadt, Karl Hartmann (SPD), der im Personalamt des
Oberregierungspräsidiums arbeitete 33 . Grün, Kaufmann und Geschäftsführer einer
Keksfabrik, war erst 1943 als Evakuierter nach Rockenhausen gekommen und dort
im März 1945 von der amerikanischen Militärregierung zuerst zum Bürgermeister,
dann zum Landrat ernannt worden 34 . Ab Mitte 1946 gewannen die ZSK-Mitglieder
Fritz Breier (CDU) in der Verwaltungssäuberung und der Industrielle Otto Gümbel
in der Entnazifizierung der Privatwirtschaft immer mehr Einfluß. Justizamtmann
Fritz Breier war nach 1933 aufgrund seiner aktiven Tätigkeit für das Zentrum
(Bezirksführer der Pfalzwacht und der katholischen Jugendfront Frankenthal) mehrmals
verhaftet worden 35 . Während einer längeren Erkrankung Kochs - von Februar
bis Anfang April 1946 - schlug Hartmann die Konstituierung einer Parteienkommission
zur vorläufigen Leitung der Entnazifizierung vor. Sie sollte an Stelle Kochs die
Arbeit der Organe kontrollieren, die Sanktionsvorschläge gegenzeichnen und der
Militärregierung zur Genehmigung vorlegen. Als Präsident wollte er selber amtieren,
als Beisitzer waren Fritz Breier (CDU), Hans Wulf (CDU) und Ludwig Schlenz
(KPD) vorgesehen 36 .
Die Durchführung der Entnazifizierung
Einzelfragen der Durchführung wurden in Hessen-Pfalz durch Anordnungen der Militärregierung
oder Kochs geregelt 37 . Magniez legte im Januar 1946 fest, daß jede
ZSK-Entscheidung in den "Amtlichen Mitteilungen" zu erscheinen habe und erst dadurch
Gesetzeskraft erhalte 38 . Die Militärregierung forderte Koch mehrmals auf, NS-Aktivisten,
die durch das laufende Verfahren nicht erfaßt wurden - zum Beispiel
Bauern -, einer Entnazifizierung zu unterziehen 39 . Im Februar ordnete die MilitärreMärz
1947 unter dem Zeichen "E3" im Organisationsplan des Oberregierungspräsidiums aufgeführt;
ORP/Koch, 6.3.1947; LA SP R 18/2.
33 Präsidialdirektor Bieroth bezeichnete ihn am 8. April 1946 als den stellvertretenden Leiter der Entnazifizierung-,
LA SP H 13/473/382.
34 Die Selbstdarstellung Grüns "Ich über mich" befindet sich in: "Mitteilungsblatt", 22.9.1945 (amtliches
Organ der Militärregierung und der kommunalen Behörden der Westpfalz); LA SP V 52/100.
35 Breier war nach 1945 Bezirksvorsitzender der CDU Bad-Dürkheim und galt als Vertrauensmann der
katholischen Kirche; BSTA SP 12/4a.
36 Als Stellvertreter wurden genannt: August Zimmermann (CDU), August Fuhrmann (SPD) und Karl
Huber (KPD); ORP/i.V. Hartmann an Magniez ("mit der Bitte um Genehmigung"), 14.2.1946; LA SP
H 13/731/201.
37 Zum Beispiel: Durchführung der ZSK-Bescheide: Koch, 4.3. u. 11.4.1947; LA SP R 18/2 u. H
13/473/29f.
38 GMPA/AA/INT: Magniez an Koch, 9.1.1946; LA SP H 13/743/672.
39 GMPA/AA/INT 409 u. 2355: Schneider an Koch, 18.3. u. 26.4.1946 (mit Bezug auf die Direktive Laffons
vom 31. Dezember 1945); LA SP H 13/743/168 u. 744/553. Eichenlaub machte den Vorschlag,
eine Art geheime Staatspolizei zur Kontrolle der ehemaligen Nationalsozialisten aufzubauen - dies
wurde aber von der Militärregierung abgelehnt. Hierzu: Präsidialdirektorenkonferenz, 26.4.1946; LA
SPH 13/473/312-45.