Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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und  in  der  NSBO  gefragt.  Die  Unterscheidung  zwischen  der  SA  und  der  SA-Reserve
sowie  der  DAF  und  KdF  fehlten.  Neu  hinzu  kamen  Fragen  nach  einer  NSDAP-Parteianwärterschaft,
  einer  Mitgliedschaft  im  Jungvolk  und  einer  Parteimitgliedschaft
des  Ehepartners.  Der  Betroffene  mußte  seine  politische  Tätigkeit  nach  dem  5.  März
1933  kurz  schildern 19 .  Für  die  Auswertung  des  neuen  politischen  Fragebogens  gab
die  Militärregierung  am  15.  Oktober  1945  eine  ausführliche  Interpretationsanleitung
heraus,  die  ebenfalls  in  deutscher  Übersetzung  (Auswertung  des  neuen  Fragebogens)
als  Broschüre  erschien.  Als  Vorlage  hatte  die  Anleitung  für  den  amerikanischen  Fragebogen ­
  vom  15.  Mai  1945  gedient 20 .  Im  französischen  Einleitungstext  wurde  auf  die
große  Bedeutung  der  Entnazifizierung  hingewiesen;  die  Angaben  auf  dem  Fragebogen ­
  könnten  dabei  nur  einen  Hinweis  auf  die  Einstellung  des  Betroffenen  zum  NS-Regime
  geben:  On  ne  pourra  jamais  insister  assez  sur  la  grandeur  de  la  täche  reservee
  au  Comite  d'Epuration  et  aux  Delegations  d’Instruction.  Leur  responsabilite  est
lourde,  puisque  c'est  d’eux  que  dependront  finalement  l'epuration  dans  tous  les  domaines,
  la  disparition  du  Nazisme  et  du  Militarisme  prussien 21 .  Alle  Nationalsozialisten, ­
  die  nicht  automatisch  zu  entlassen  waren,  sollten  aufmerksam  überprüft  werden
(categorie  speciale).  Anhand  der  Antworten  im  Teil  A 22  zur  Staatsbürgerschaft  sollte
erkennbar  werden,  ob  der  Betroffene  freiwillig  als  ausländischer  Faschist  die  deutsche ­
  Staatsbürgerschaft  angenommen  hatte.  Adelstitel  konnten  auf  die  Herkunft  als
preußischer  Junker  hinweisen;  Fragen  zur  Religion  und  eines  Kirchenaustritts  konnten ­
  dazu  beitragen,  einen  NS-Aktivisten  zu  erkennen 23 .  Teil  B  des  Fragebogens
diente  der  Suche  nach  Lehrern  oder  Schülern  der  nationalsozialistischen  Erziehungsanstalten ­
  (NAPOLAS,  Adolf-Hitlerschulen);  die  Mitgliedschaft  in  einer  studentischen ­
  Burschenschaft  konnte  ein  Indiz  für  militaristische  Neigungen  sein.  Berufsoffiziere ­
  und  NS-Führungsoffiziere  mußten  der  Securite  Publique  gemeldet  werden.
Fragen  nach  der  Mitgliedschaft  in  NS-Organisationen  oder  anderen  Einrichtungen
(Teil  E  und  F)  sollten  die  formale  Belastung  der  Betroffenen  feststellen,  die  Aufzählung ­
  öffentlicher  Reden  und  Schriften  eine  NS-Propagandatätigkeit  offenlegen  und

19  Politisches  Verhalten  nach  dem  5.  März  1933  (kurze  Darstellung):  (Besuch  von  Versammlungen,  Veranstaltungen ­
  usw.,  Verhalten  bei  Spenden,  Verkäufen,  Interesse  am  Zeitgeschehen,  Verhalten  gegenüber ­
  den  sozialen  Hilfsmaßnahmen  der  NSV  (Aufnahme  von  Ferienkindem),  Bezieher  der  NS-Presse);
Gouvernement  Militaire  en  Allemagne.  Questionnaire/Fragebogen',  AOFAA  DG  AP  c.233  p.51.  Zum
Vergleich  wurde  vom  Autor  der  USFET-Fragebogen  MG/PS/G/9a  (Rev.  15  May  45)  zugrundegelegt.
20  Die  Vorlage  wird  sichtbar  durch  die  starke  Herausstellung  des  "Junkertums"  und  durch  einzelne  redaktionelle ­
  Fehler  der  pfälzischen  Anleitung:  So  wird  in  drei  Fällen  auf  die  falsche  Fragennummer  (d.h.
auf  die  richtige  im  ungekürzten  USFET-Fragebogen)  verwiesen.  GMPA:  "Directives:  Mise  en  valeur
du  nouveau  questionnaires";  ORP:  "Auswertung  des  neuen  Fragebogens",  15.10.1945;  AOFAA  DGAP
c.233  p.51  u.  LA  SP  H  13/473.
21  Ebd.
22  Die  Anleitung  ging  parallel  zur  Struktur  des  Fragebogens  vor:  A.  Persönliche  Angaben;  B.  Grundschulund
  höhere  Bildung;  C.  Berufs-  oder  Handwerksprüfungen;  D.  Chronologische  Aufzählung  der  Hauptanstellungen ­
  und  des  Militärdienstes;  E.  Mitgliedschaften;  F.  Mitgliedschaft  oder  Dienst  in  anderen
Organisationen;  G.  Veröffentlichungen  und  Reden;  H.  Einkommen  und  Vermögen;  I.  Reisen  oder
Wohnsitz  im  Ausland.
23  Hierbei  spielte  es  eine  große  Rolle,  ob  der  Betroffene  bei  der  Volkszählung  1939  auf  die  Frage  nach
der  Religionszugehörigkeit  mit  "gottgläubig"  geantwortet  hatte.
            
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