Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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5.  Entnazifizierung  in  Hessen-Pfalz
5.1.  Der  Service  Epuration

Lieutenant-Colone!  Thiallet,  der  bisherige  Leiter  des  5 e  Bureau  unter  General  Bouley,
  blieb  bis  zum  Winter  1945  für  die  Entnazifizierung  zuständig.  Seit  Mitte  August
1945  arbeitete  der  Elsässer  Rene  Schneider  als  stellvertretender  Leiter  des  Service
Interieur  et  Cultes  unter  ihm.  Schneider  übernahm  Ende  Dezember  1945  die  Leitung
des  neu  eingerichteten  Service  Epuration.  Der  Geographie-  und  Französischlehrer
Schneider  war  nach  seiner  Entlassung  aus  deutscher  Kriegsgefangenschaft  im  Frühjahr ­
  1941  wieder  an  seine  Schule  in  Phalsbourg  zurückgekehrt.  Nachdem  er  Anfang
August  1945  aus  dem  Dienst  des  Unterrichtsministeriums  ausgeschieden  war,  wurde
er  vierzehn  Tage  später  in  das  Korps  der  ASTO  aufgenommen  und  in  der  Pfalz  eingesetzt. ­
  Obwohl  er  sich  bald  allgemein-politischen  Fragen  zuwandte,  blieb  Schneider
bis  1950  der  Verantwortliche  in  der  Militärregierung  für  die  Entnazifizierung.  Sein
Vorgesetzter,  der  Chef  du  Service  des  Affaires  Administratives,  Robert  Magniez,
übte  keinen  entscheidenden  Einfluß  auf  die  Entnazifizierung  aus.  Der  Jurist  und  Politikwissenschaftler ­
  Magniez  war  bereits  von  1919  bis  November  1925  als  französischer ­
  Besatzungsoffizier  in  der  Pfalz  gewesen 1 .
Institutionell  war  der  Service  Epuration  dem  Service  des  Affaires  Administratives/Section
  de  l'Interieur  et  Cultes  untergeordnet.  Er  umfaßte  neben  der  eigentlichen
Entnazifizierungsabteilung  ein  umfangreiches  Archiv:  40.000  Parteiakten  und
600.000  Gestapo-Karteikarten  dienten  zur  Verifizierung  der  Angaben  in  den  politischen ­
  Fragebögen.  Schneider  standen  zahlreiche  Mitarbeiter  zur  Verfügung:  Im  Januar ­
  1946  waren  es  18  französische  und  13  deutsche  Angestellte,  die  er  allerdings
nicht  für  ausreichend  hielt,  um  den  Erfordernissen  einer  zügigen  Entnazifizierung  gerecht ­
  zu  werden 2 .  Folgende  Aufgaben  mußten  erfüllt  werden:  Beantwortung  von  Anfragen, ­
  Entwurf  von  Richtlinien  und  Verordnungen,  Anfertigung  von  Statistiken  und
Karteien,  Überprüfung  der  Angaben  in  den  politischen  Fragebögen  und  der  deutschen ­
  Sanktionsvorschläge 3 .
Die  Entnazifizierung  ging  in  der  Pfalz  zügig  voran.  Im  August  1946  sprach  Amal
seine  Anerkennung  für  die  Leistungen  des  Service  Epuration  aus 4 .  Wenig  später

1  Magniez  galt  als  Förderer  und  Beschützer  des  deutschen  Leiters  der  Entnazifizierung,  Koch,  und  als
"starker  Mann"  der  Militärregierung.  Tatsächlich  jedoch  fanden  seine  antiquierten  politischen  Vorstellungen ­
  (u.a.  Unterstützung  des  pfälzischen  Separatismus)  dort  keinen  Widerhall;  so  die  Aussage  Rene
Schneiders  im  Gespräch  mit  dem  Verfasser  am  5.  April  1991  in  Strasbourg.  Siehe  auch  die  Literaturangaben ­
  in  der  Einleitung,  Anm.  40.
2  GMPA7AA/INT:  "Epuration  du  Personnel  Allemand",  4.1.1946;  AOFAA  DGAP  c.233  p.51.
3  Von  jedem  Betroffenen  wurden  drei  Karteikarten  für  die  nach  Alphabet,  Verwaltungen  und  nach
Sanktionen  geordneten  Karteien  angefertigt;  im  Februar  1946  wurden  täglich  700  Karteikarten  erstellt;
ebd.;  CCFA:  Bericht  von  Pierre  Grappin  über  seine  Reise  in  die  Pfalz,  18./19.2.1946;  AOFAA  DGAP
c.233  p.51.
4  Amal  erreichte  bei  der  zuständigen  Stelle  die  Freigabe  bestimmter  Waren  für  die  Mitarbeiter  Schneiders. ­
  Es  handelte  sich  dabei  um  15  Kilo  Mehl,  5  Kilo  Butter  und  Zucker,  50  Eier,  10  Liter  Milch,  40
Flaschen  Wein  und  20  Flaschen  Champagner,  die  an  das  Personal  des  Service  Epuration  verteilt  werden ­
  sollten;  CCFA/CAB:  Amal,  8.8.1946;  AOFAA  DGAP  c.233  p.51.
            
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