139
die für die gewerbliche Wiederzulassung gebildeten Ausschüsse eingesetzt werden.
Für die landwirtschaftlichen Betriebe sollte ein besonderer Ausschuß eingerichtet
werden 139 . Brun lehnte dies ab und verwies auf die bereits bestehenden 43 Säuberungsausschüsse.
Sein Nachfolger Leroy war anderer Meinung: Die Verwaltungskommission
setzte den Vorschlag Herberts im Dezember 1946 in eine Anweisung an
die Landräte um 140 141 .
Die Ausweitung auf juristische Personen
Die SPS bezeichnete im November 1946 die bisherige Entnazifizierung der Privatwirtschaft
als nicht ausreichend. Sie forderte zusätzliche Maßnahmen gesellschaftspolitischer
Art. Emst Roth erinnerte in einem programmatischen Zeitungsartikel an
die Schuld des kapitalistischen Systems: Die kapitalistische Wirtschaftsordnung war
die ökonomische Grundlage, auf der der Nationalsozialismus sein politisches Herrschaftssystem
aufbauen konnte. Die expansionistischen Tendenzen der deutschen
Wirtschaft bestimmten die Politik des nationalsozialistischen Staates ... Nicht eine
Person allein, sondern das ganze System trägt die Schuld ,41 . Die SPS forderte daher
- neben der Bestrafung der NS-Aktivisten - die Enteignung aller NS-Wirtschaftsführer
und die Vergesellschaftung ihres Eigentums. Nur durch die Errichtung einer
Wirtschaftsdemokratie könne die neue politische Demokratie abgesichert werden 142 .
Zur gleichen Zeit hatte Laffon in Baden-Baden die Entnazifizierung juristischer Personen
angeordnet 143 . Anfang Januar 1947 forderte er Grandval auf, ihm eine Aufstellung
der Unternehmen zu schicken, die für eine Verurteilung als "Nazi-Firma" in
Frage kämen 144 . Grandval schickte ihm zehn Tage später eine Liste, auf der 24 mittlere
und große Unternehmen aufgeführt waren, über die zur Zeit eine Untersuchung
des Service Epuration und der Finanzdirektion liefen 145 . Es handelte sich um folgende
Betriebe:
139 Neureuter an Grandval, 19.9.1946; LA SB OSR 73. "Verordnung zur Bildung von Prüfungsausschüssen
bei der Zulassung von kaufmännischen Geschäften und gewerblichen Betrieben", 17.4.1946; AB1-Saar
Nr. 8/46 (18.4.1946), S. 54.
140 GMSA/DAA/IC-EPU 737: Brun an Neureuter, 3.10.1946; VK/Epuration: Danzebrink, 14.12.1946; LA
SB RP 13/73 u. LRA St. Ingbert 32.
141 Emst Roth: Entnazifizierung der Wirtschaft sozialdemokratisch gesehen', "Volksstimme" Nr. 23/46
(2.11.1946), S. 1.
142 Ebd., u. Nr. 26 u. 27/46 (23. u. 30.11.1946).
143 Siehe das Kapitel C.3.4.
144 CCFA/CAB/C 30: Laffon an Grandval, 2.1.1947 (mit Bezug auf das vorangegangene Schreiben vom
21.11.1946); AOFAA DGAP c.3303 p.98 u. c.3306 p. 115. Bereits im Dezember 1945 hatte Grandval
Laffon gegenüber die Frage einer Beschlagnahmung von Firmen im Rahmen der Entnazifizierung angesprochen;
GMSA/DAA/CAB 871: Grandval, 5.12.1945; AOFAA DGAPc.232 p.48.
145 Auf dieser Liste waren für jede Firma - geordnet nach Industriezweigen - die Registriemummer, der
Name, die Art der Gesellschaft, der Kapitalbestand und die Zahl der Beschäftigten aufgeführt;
GMSA/CAB 5085: Grandval an Laffon, 11.1.1947; AOFAA DGAP c.3303 p.98.