Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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nung  der  Militärregierung  mußten  ab  März  1946  alle  Betroffenen  einen  neuen  politischen ­
  Fragebogen  ausfüllen,  der  um  zwei  Fragen  erweitert  worden  war:  Gefragt
wurde  jetzt  zusätzlich  nach  der  Zugehörigkeit  zum  Abwehrdienst  und  der  Mitgliedschaft ­
  in  einer  Einkaufsgesellschaft  in  den  besetzten  Gebieten  von  1939  bis
1945  »23.
Verschiedene  Bereiche  der  Privatwirtschaft  wurden  von  den  Epurationsorganen  der
öffentlichen  Verwaltung  entnazifiziert.  Die  Entscheidungen  für  die  Industrie-  und
Handelskammer  in  Saarbrücken,  die  Pfalzwerke  in  Homburg  und  die  Saargruben  lagen ­
  daher  bereits  vor  denen  der  übrigen  Firmen  vor 123  124 .  Ende  März  1946  teilte  die
Militärregierung  Neureuter  die  Sanktionsliste  für  das  Personal  der  Pfalzwerke  mit:
Drei  Personen,  darunter  der  Betriebschef  und  der  Generaldirektor,  sollten  ohne  Pension ­
  entlassen  werden;  zudem  wurde  das  Vermögen  des  letzteren  beschlagnahmt.
Weitere  Beschäftigte  wurden  vom  Angestellten  zum  Arbeiter  zurückgestuft  oder  erhielten ­
  einen  befristeten  Beförderungsstop.  Bemühungen  von  Vertretern  der  Parteien,
der  Gewerkschaft  und  der  Verwaltung,  den  Verbleib  der  Entlassenen  als  einfache
Fachkraft  durchzusetzen,  hatten  keinen  Erfolg.  Zwei  der  Betroffenen  wurden  nach
ihrer  Entlassung  ausgewiesen 125 .  Die  Sanktionsliste  der  Beschäftigten  der  Saargruben
war  Anfang  März  Neureuter  übergeben  worden:  Von  1.312  Führungspersonen  waren
243  zurückgestuft  oder  versetzt,  163  das  Gehalt  gekürzt,  215  entlassen  und  elf  verhaftet ­
  worden;  die  freigewordenen  Stellen  wurden  unter  anderem  von  französischen
Ingenieuren  besetzt 126 .  Der  Untersuchungsausschuß  wurde  aufgelöst  und  an  seiner
Stelle  ein  Dauer-Säuberungsausschuß  eingesetzt,  der  am  3.  Oktober  1946  seine  Arbeit ­
  aufnahm 127 .
Grandval  teilte  Neureuter  Ende  Februar  die  Namen  der  Firmen  mit,  die  er  bevorzugt
durch  die  Ausschüsse  überprüft  wissen  wollte.  Es  handelte  sich  dabei  um  folgende
zwölf  Werke:
-  Brebacher  Hochöfen
-  Burbacher  Hütte
-  Dillinger-Hüttenwerke
-  Drahtzug  werke  Hadir  in  St.  Ingbert
-  Ehrhardt  und  Sehmer  Maschinenfabrik
-  Maschinenfabrik  Otto  Kaiser  in  St.  Ingbert

123  Reg.präs./Wirtschaft:  Herbert,  11.3.1946,  mit  Bezug  auf  die  Anordnung  der  Militärregierung
(GMSA/DAA/IC-EPU  12,  5.3.1946);  LA  SB  LRA  St.  Ingbert  32.
124  Epurationsbescheide  der  Handels-  und  Handwerkskammer  Saarbrücken:  ABl-Saar  Nr.  4/47
(22.1.1947),  S.  15.  Zur  Stellung  der  Saargruben:  GMSA/DAA/IC-EPU  597:  Grandval  an  Neureuter,
19.8.1946;  LA  SB  RP  13/400.
125  GMSA/DAA/IC-EPU  37:  Grandval  an  Neureuter,  31.3.1946;  LA  SB  RP  1  l/400f.  Vorsprache  der  Herren ­
  Heinrich  Wacker,  Johannes  Hoffmann,  Richard  Kim,  Bürgermeister  Müller  aus  Homburg  u.  Oberregierungsrat ­
  Herbert;  Vermerk  Neureuters,  17.8.1946;  LA  SB  RP  62/1  f.
126  Die  Zahlenangaben  stammen  aus  der  Zeitschrift:  "La  Revue  de  la  Zone  frangaise"  Nr.  5  (März  1946),
S.  7.  Siehe  auch:  GMSA/DAA/IC-EPU  459:  Grandval  an  Neureuter,  29.7.1946;  CCFA/CAB:
"Epuration  du  personnel  allemand",  März  1946;  LA  SB  RP  13/556  u.  AOFAA  DG  AP  c.233  p.52  d.2.
127  Grandval,  29.7.1946;  ebd.;  GMSA/DAA/IC-EPU  732:  Grandval  an  Neureuter,  3.10.1946;  LA  SB  RP
13/66.  Im  März  1947  wurden  gegen  weitere  193  Beschäftigte  Sanktionen  verhängt;  GMSA/DAA/IC-EPU
  1725:  Grandval  an  Müller,  11.3.1947;  LA  SB  VK  202.
            
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