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gebiet tätig gewesen. Seine Frankfurter Dissertation aus dem Jahr 1934 hatte Die gesellschaftliche
Gliederung des Saargebietes. Eine soziographische Beschreibung
zum Thema gehabt. Er hatte darin vehement die These von der Notwendigkeit der
Rückkehr der Saar an Deutschland vertreten. Als Jude 1935 zur Emigration gezwungen
- er konvertierte in Frankreich zum Katholizismus hatte Straus in Nizza gelebt
und war dort als Deutschlehrer tätig gewesen. Seine Einbürgerungsanträge waren
längere Zeit ohne Erfolg geblieben - er erhielt die französische Staatsbürgerschaft
erst 1947. Ab 1943 leistete er der Resistance tatkräftige Unterstützung im Kampf gegen
die deutsche Besatzung. Nach der Befreiung kehrte er nach Nizza zurück. Dort
erreichte ihn der Ruf der Militärregierung. Als CVP-Mitglied war er bis 1951 für das
saarländische Erziehungswesen zuständig 115 .
Alle zuerst entlassenen und dann im Säuberungsverfahren für tragbar erklärten Lehrer
wurden nur im Angestelltenverhältnis in den Schuldienst übernommen; sie
konnten jederzeit wieder entlassen werden. Die Militärregierung legte großen Wert
darauf, daß den Betroffenen ihre rechtliche Stellung bewußt war 116 . Anfang Februar
1947 wurden diese Bestimmungen dahingehend gelockert, daß gering belastete Nationalsozialisten
(zum Beispiel Parteianwärter, nominelle Mitglieder der NSV, des
NSLB) wieder in den Genuß der Beamtenrechte kommen konnten 117 . Mit den ersten
Epurationsbescheiden wurde der Protest der Betroffenen und ihrer Fürsprecher laut.
Kirchenrat Otto Wehr beschwerte sich bei Müller über die Entlassung von Lehrern,
die seit Kriegsende Unterricht erteilt hatten. Der seit längerem erschütterte Glauben
in die Gerechtigkeit der Entnazifizierung sei nun vollkommen zunichte gemacht
worden. Ministerpräsident Hoffmann forderte in seiner ersten Regierungserklärung
im Dezember 1947 eine großzügige Amnestie für die Lehrer - auch der KP-Abgeordnete
Hoppe schloß sich dem an 118 .
sein, entkräftigte Jung mit dem Hinweis, daß er nur einen einzigen Vortrag gehalten habe und bereits
1934 wieder ausgetreten sei; Rechtfertigungsschrift Jungs: LA SB RP 65/18-24. Zur Geschichte der
Universität Saarbrücken: Heinen, Armin: Sachzwänge, politisches Kalkül, konkurrierende Bildungskonstruktionen.
Die Geschichte der Universität des Saarlandes 1945-1955, in: Universität des Saarlandes
1948-1988/hrsg. von Armin Heinen und Rainer Hudemann. Saarbrücken 2 1989, S. 21-62; Hudemann,
Rainer: Wiederaufbau und Interessenpolitik. Zu den politischen Rahmenbedingungen der Gründung
der Universität des Saarlandes, in: ebd., S. 7-20.
115 Koenig, 31.10.1946; CVP-Dossier; Dossier, 1954 (Anm. 42). Grandval hatte ein großes Interesse an
der Mitarbeit von Straus im Regierungspräsidium. Er hatte ihm zuerst, da die Kultusabteilung bereits
besetzt war, die Stelle als Direktor der Wirtschaftsabteilung angeboten. Zur Person von Straus: Küppers,
Heinrich: Emil Straus, Ministre des Affaires Culturelles de la Sarre 1947-1951, in: Revue
d'histoire diplomatique 101 (1987), S. 61-77.
116 GMSA/DAA/EDU 5668: Grandval an Neureuter, 22.7.1946; GMSA/DAA/IC 9812: Grandval an
Müller, 28.12.1946; LA SB VK 45/50f.
117 GMSA/DAA/EDU 155: Grandval an Müller, 6.2.1947; LA SB VK 45/49.
118 Kirchenrat Wehr an Müller, 18.9.1947; LA SB SK 1590; Ltag Saar l.WP Drs. 1,9: Sitzungsbericht,
20.12.1947, S. 6 u. 16.