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ausdrücklich nur bis zur endgültigen Entscheidung der Epurationsorgane. Oberregierungsrat
L. mußte dagegen bereits am 15. Oktober sein Amt verlassen und zum Jahresende
in Pension gehen". Die Oberschulratsstelle und die elf Schulratsstellen der
Volksschulinspektoren wurden mit politisch unbelasteten Personen besetzt. Präfekt
Kuntz gab Jung die Erlaubnis zur Weiterbeschäftigung der ehemaligen Schulräte als
Studienräte an den Oberschulen ihrer Heimatgemeinden 100 .
Die Zeit bis zur Wiedereröffnung der Schulen am 1. Oktober 1945 reichte für eine
Säuberung der gesamten Lehrerschaft nicht aus. Für die Neubesetzung der Volksschulrektorenstellen
fehlten geeignete und politisch unbelastete Bewerber. Jung
wollte daher auch den einen oder anderen ehemaligen Parteimann, der nach bestem
Wissen und Gewissen von mir ausgesucht wird, zum Schulrektor ernennen 101 102 . Die
Militärregierung sah sich außerstande, alle belasteten Lehrer sofort zu entlassen:
Toutefois, sous peine de desorganiser totalement les cadres, on sera contraint de
conserver un certain nombre de professeurs nazis n'ayant pas occupe de fonction officielle
ni manifeste d'activite exageree dans le parti national-socialiste 102 Von den
325 anwesenden Lehrkräften waren nur etwa 80 nicht Mitglied der NSDAP gewesen.
50 weitere Lehrer wurden für tragbar erklärt, zwölf wegen ihrer starken politischen
Belastung endgültig entlassen. Alle übrigen Lehrer wurden vorläufig wiedereingestellt.
Jung beauftragte die Landräte, ihm Mitteilung zu machen, falls die Weiterbeschäftigung
belasteter Lehrer auf Protest in der Bevölkerung stoße 103 .
Am 9. Oktober 1945 hatte die Militärregierung die neue Entnazifizierungsrichtlinie
für den Verwaltungsbereich erlassen. Jung ordnete an, daß alle Mitglieder des Erziehungswesens,
auch die Religionslehrer und die stundenweise beschäftigten Hilfskräfte,
erneut den politischen Fragebogen ausfüllen müßten 104 . Einen Monat später
kritisierte Grandval die bisherige Tätigkeit seiner Schulabteilung: Von allen Seiten
kämen Klagen über eine ungenügende Entnazifizierung. Gerade in diesem Bereich
müßten aber - trotz aller Schwierigkeiten - die Entnazifizierungsbestimmungen
strikt durchgeführt werden. Commandant Paynel begründete die Verzögerungen mit
der Arbeitsbelastung seiner Abteilung 105 . Gleichzeitig forderte er Jung auf, alle Lehrer,
die den Fragebogen noch nicht abgegeben hatten, zu entlassen und den
" GMSA/DAA/EDU 4085: Grandval an Neureuter, 5.10.1945; GMSA/DAA/EDU: Paynel an Jung,
20.10.1945; LA SB Min/Kultus Z II A 2 g.
1(10 Jung an Neureuter, 16.8.1945; LA SB RP 64/44.
101 Jung, 4.8.1945 (Anm. 98). Der Anteil ehemaliger Pgs unter der Lehrerschaft war sehr hoch. Eine Aufstellung
der Kultusabteilung nannte für die beiden Mittelschulen Saarbrückens bei einer Lehrerschaft
von 18 Lehrern zwei und bei 19 Lehrerinnen vier unbelastete Personen. Die Militärregierung meldete
im September 1945 die Zahl von 300 Schuldirektorenstellen, von denen 260 neubesetzt werden mußten;
Reg.präs./Kultus: Nachweisung, September 1945; GMSA: "Rapport special", 13.9.1945; LA SB
Min/Kultus Z II A 2 g u. AOFAA CC POL III K 2 p.44.
102 GMSA, Rapport, 13.9.1945 (ebd.); GMSA: Etüde, Juni 1946 (Anm. 89).
103 Jung an Grandval, 24.11.1945, u. Jung, 25.9.1945. Siehe auch: "Bemerkungen zu der Vorprüfung der
Fragebogen durch die Schulabteilung" von Oberschulrat Beining, o.D.; LA SB Min/Kultus Z II A 2 g.
104 Jung, 17.10.1945, u. an Grandval, 14.11.1945; LA SB Min/Kultus ZII A 2 g.
105 Er führte unter anderem die großen materiellen Schäden an den Schulgebäuden an; GMSA/CAB 447:
Grandval an Paynel, 20.11.1945; GMSA/DAA/EDU: Paynel an Grandval, 27.11.1945; MAE NANTES
Cab.Pol. 94/1 Off.