Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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ausdrücklich  nur  bis  zur  endgültigen  Entscheidung  der  Epurationsorgane.  Oberregierungsrat ­
  L.  mußte  dagegen  bereits  am  15.  Oktober  sein  Amt  verlassen  und  zum  Jahresende ­
  in  Pension  gehen".  Die  Oberschulratsstelle  und  die  elf  Schulratsstellen  der
Volksschulinspektoren  wurden  mit  politisch  unbelasteten  Personen  besetzt.  Präfekt
Kuntz  gab  Jung  die  Erlaubnis  zur  Weiterbeschäftigung  der  ehemaligen  Schulräte  als
Studienräte  an  den  Oberschulen  ihrer  Heimatgemeinden 100 .
Die  Zeit  bis  zur  Wiedereröffnung  der  Schulen  am  1.  Oktober  1945  reichte  für  eine
Säuberung  der  gesamten  Lehrerschaft  nicht  aus.  Für  die  Neubesetzung  der  Volksschulrektorenstellen ­
  fehlten  geeignete  und  politisch  unbelastete  Bewerber.  Jung
wollte  daher  auch  den  einen  oder  anderen  ehemaligen  Parteimann,  der  nach  bestem
Wissen  und  Gewissen  von  mir  ausgesucht  wird,  zum  Schulrektor  ernennen 101  102 .  Die
Militärregierung  sah  sich  außerstande,  alle  belasteten  Lehrer  sofort  zu  entlassen:
Toutefois,  sous  peine  de  desorganiser  totalement  les  cadres,  on  sera  contraint  de
conserver  un  certain  nombre  de  professeurs  nazis  n'ayant  pas  occupe  de  fonction  officielle
  ni  manifeste  d'activite  exageree  dans  le  parti  national-socialiste  102  Von  den
325  anwesenden  Lehrkräften  waren  nur  etwa  80  nicht  Mitglied  der  NSDAP  gewesen.
50  weitere  Lehrer  wurden  für  tragbar  erklärt,  zwölf  wegen  ihrer  starken  politischen
Belastung  endgültig  entlassen.  Alle  übrigen  Lehrer  wurden  vorläufig  wiedereingestellt. ­
  Jung  beauftragte  die  Landräte,  ihm  Mitteilung  zu  machen,  falls  die  Weiterbeschäftigung ­
  belasteter  Lehrer  auf  Protest  in  der  Bevölkerung  stoße 103 .
Am  9.  Oktober  1945  hatte  die  Militärregierung  die  neue  Entnazifizierungsrichtlinie
für  den  Verwaltungsbereich  erlassen.  Jung  ordnete  an,  daß  alle  Mitglieder  des  Erziehungswesens, ­
  auch  die  Religionslehrer  und  die  stundenweise  beschäftigten  Hilfskräfte, ­
  erneut  den  politischen  Fragebogen  ausfüllen  müßten 104 .  Einen  Monat  später
kritisierte  Grandval  die  bisherige  Tätigkeit  seiner  Schulabteilung:  Von  allen  Seiten
kämen  Klagen  über  eine  ungenügende  Entnazifizierung.  Gerade  in  diesem  Bereich
müßten  aber  -  trotz  aller  Schwierigkeiten  -  die  Entnazifizierungsbestimmungen
strikt  durchgeführt  werden.  Commandant  Paynel  begründete  die  Verzögerungen  mit
der  Arbeitsbelastung  seiner  Abteilung 105 .  Gleichzeitig  forderte  er  Jung  auf,  alle  Lehrer, ­
  die  den  Fragebogen  noch  nicht  abgegeben  hatten,  zu  entlassen  und  den

"  GMSA/DAA/EDU  4085:  Grandval  an  Neureuter,  5.10.1945;  GMSA/DAA/EDU:  Paynel  an  Jung,
20.10.1945;  LA  SB  Min/Kultus  Z  II  A  2  g.
1(10  Jung  an  Neureuter,  16.8.1945;  LA  SB  RP  64/44.
101  Jung,  4.8.1945  (Anm.  98).  Der  Anteil  ehemaliger  Pgs  unter  der  Lehrerschaft  war  sehr  hoch.  Eine  Aufstellung ­
  der  Kultusabteilung  nannte  für  die  beiden  Mittelschulen  Saarbrückens  bei  einer  Lehrerschaft
von  18  Lehrern  zwei  und  bei  19  Lehrerinnen  vier  unbelastete  Personen.  Die  Militärregierung  meldete
im  September  1945  die  Zahl  von  300  Schuldirektorenstellen,  von  denen  260  neubesetzt  werden  mußten; ­
  Reg.präs./Kultus:  Nachweisung,  September  1945;  GMSA:  "Rapport  special",  13.9.1945;  LA  SB
Min/Kultus  Z  II  A  2  g  u.  AOFAA  CC  POL  III  K  2  p.44.
102  GMSA,  Rapport,  13.9.1945  (ebd.);  GMSA:  Etüde,  Juni  1946  (Anm.  89).
103  Jung  an  Grandval,  24.11.1945,  u.  Jung,  25.9.1945.  Siehe  auch:  "Bemerkungen  zu  der  Vorprüfung  der
Fragebogen  durch  die  Schulabteilung"  von  Oberschulrat  Beining,  o.D.;  LA  SB  Min/Kultus  Z  II  A  2  g.
104  Jung,  17.10.1945,  u.  an  Grandval,  14.11.1945;  LA  SB  Min/Kultus  ZII  A  2  g.
105  Er  führte  unter  anderem  die  großen  materiellen  Schäden  an  den  Schulgebäuden  an;  GMSA/CAB  447:
Grandval  an  Paynel,  20.11.1945;  GMSA/DAA/EDU:  Paynel  an  Grandval,  27.11.1945;  MAE  NANTES
Cab.Pol.  94/1  Off.
            
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