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Die Kritik an der Entnazifizierung im Herbst 1946
Die Arbeit der saarländischen Epurationsorgane wurde sowohl von der Militärregierung
in Baden-Baden als auch von den saarländischen Parteien kritisiert. Arnal bemängelte
im Juli 1946 vor allem die Langsamkeit des Verfahrens: Während bei den
Untersuchungsausschüssen 4.443 Akten und bei den Säuberungsausschüssen noch
8.591 Akten zur Verhandlung anstanden, warteten beim CSE und der Militärregierung
noch 30.827 Fälle auf ihre Entscheidung. Arnal sah die Ursache vor allem in
dem fehlenden Vertrauen des CSE in die Arbeit der Ende 1945 zusammengestellten
Epurationsorgane 59 . Bei den Organen für die Privatwirtschaft war der CSE dagegen
direkt am Genehmigungsverfahren beteiligt gewesen. Arnal würdigte zwar seine objektive
und gerechte Arbeit; er verliere sich aber zu stark in Detailfragen, statt die
Entnazifizierung voranzutreiben: II ne remplit pas le röle pour lequel il a ete cree ...
II faut faire comprendre au Conseil Politique qu'il est autre chose qu'une Commission
d'Epuration Superieure 60 .
Die Einrichtung des CSE und die damit gegebende Möglichkeit, direkt in die Entnazifizierung
einzugreifen, war von den Parteien zunächst begrüßt worden. Im Herbst
1946 begann aber die CVP, die Ergebnisse der Entnazifizierung zunehmend zu kritisieren.
Die CVP-Stadtratsfraktion in Saarbrücken lehnte eine Mitverantwortung für
die nach ihrer Meinung zu harten Epurationsbescheide der städtischen Bediensteten
ab. Der CSE habe in vielen Fällen die Vorschläge der ersten beiden Instanzen übermäßig
verschärft 61 . Der Vorstand der CVP forderte am 7. Oktober eine Neubesetzung
aller Epurationsorgane. Die sich häufenden Fehlurteile hätten ihre Ursache vor allem
in der Zusammensetzung der Ausschüsse, die dem tatsächlichen Kräfteverhältnis der
einzelnen Richtungen der Bevölkerung in keiner Weise entsprechen 62 . Johannes
Hoffmann - selbst ein Emigrant - behauptete, daß nur diejenigen, die das NS-Regime
in Deutschland erlebt hatten, bei der Entnazifizierung objektiv urteilen könnten:
Viele von denen, die nicht emigrieren konnten, sondern hierbleiben mußten, sind
doch wohl zuverlässigere Zeugen als mancher Emigrant für das Verhalten derjenigen,
die heute entnazifiziert werden müssen, weil diese konkreter und näher Tag für
Tag beobachten konnten 63 .
Die Haltung Hoffmanns und der CVP wurde in der sozialdemokratischen Zeitung
"Volksstimme" scharf kritisiert: Eine Anwendung des Mehrheitsprinzips bei der EntFällen
der Epurationsbescheid auf "Entlassung" lautete. Sie galten als unersetzbare Fachleute;
VK/Personalreferat: Kempf an Schulte, 26.6.1947; LA SB VK 144.
59 Der März-Bericht der Militärregierung hatte festgestellt, daß der CSE - mit einzelnen Änderungswünschen
- der Zusammensetzung der Epurationsorgane zugestimmt habe; CCFA/CAB: "Epuration du
personnel allemand", 31.3.1946; AOFAA DGAP c.233 p.52 d.2.
60 Arnal, 9.-12.7.1946 (Anm. 6). Arnal schlug vor, den CSE in drei Unterkommissionen aufzuteilen, um
die Bearbeitung der Akten zu beschleunigen. Ende September 1946 trat eine Verbesserung in der Arbeitseffektivität
ein; CCFA/DGAA/DOC 485, 2.12.1946; AOFAA GFCC c.108.
61 SVZNr. 26/46 (23.11.1946), S. 2.
62 SVZ Nr. 20/46 (12.10.1946), S. 2. Die CVP forderte die Betroffenen auf, Berufungsanträge bei ihr einzureichen;
CVP und Entnazifizierung; SVZ Nr. 15/46 (14.9.1946), S. 4.
63 Artikel in: SVZ Nr. 27/46 (30.11.1946), S. 2.