Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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dungsnotwendigkeit  überprüft  werden  solle 41 .  Er  selber  war  als  Jurist  -  er  hatte  als
Rechtsanwalt,  Staatsanwalt  und  Richter  gearbeitet  -  1936  aus  rassischen  und  politischen ­
  Gründen  vom  Anwaltsstand  ausgeschlossen  worden  und  bis  1941  ohne  Arbeit
gewesen.  Nach  seiner  Promotion  zum  Dr.  jur.  in  Köln  fand  er  eine  Stelle  als  Hilfskraft ­
  bei  Rechtsanwalt  Emil  Heim,  dem  späteren  Oberbürgermeister  Saarbrückens.
Rückblickend  stellte  ihm  die  französische  Militärregierung  ein  ungünstiges  Zeugnis
über  seine  Amtsmonate  als  Regierungspräsident  aus:  Bien  que  anti-nazi  notoire,  le
Dr.  NEUREUTER,  qui  ne  possedait  guere  les  qualites  de  direction  ä  laquelle  il  avait
ete  appele  en  tant  que  Chef  du  "Regierungspräsidium",  semblait  subir  l'influence
d'anciens  nazis  notoires  auxquels  il  accordait  trop  sa  confiance  42 .  Im  Herbst  1945
war  die  französische  Militärregierung  allerdings  mit  der  Personalpolitik  Neureuters
einverstanden.  Sie  beanstandete  nur  die  Besetzung  der  Verkehrsabteilung  durch
Oberregierungsrat  Franz  Ganster.  Dieser,  NSDAP-Mitglied  seit  1938,  hatte  bis  Ende
1944  wichtige  Posten  in  der  NS-Wirtschaftsverwaltung  innegehabt,  unter  anderem  in
der  "Reichsvereinigung  Eisen".  Die  Sürete  wurde  beauftragt,  eine  enquete  discrete
anzufertigen 43 .
Während  die  Struktur  und  der  jeweilige  Leiter  der  obersten  saarländischen  Verwaltungsspitze ­
  (Regierungspräsident  Neureuter,  Vorsitzender  der  Verwaltungskommission ­
  Erwin  Müller  und  Ministerpräsident  Johannes  Hoffmann)  wechselten,  zeichneten ­
  sich  die  Abteilungsleiter  durch  eine  hohe  personelle  Kontinuität  aus.  Im  Saarland
konnte  nach  1945,  bedingt  durch  die  politische  Emigration  nach  1935,  auf  ein  umfangreiches ­
  Reservoir  an  politisch  unbelasteten  Personen  zurückgegriffen  werden 44 .
Heinrich  Danzebrink  (CVP,  Regierungspräsidium:  Inneres,  Verwaltungskommission:
Wirtschaft),  der  SPS-Vorsitzende  Richard  Kim  (Arbeit),  Georg  Schulte  (SPS,  Regierungspräsidium: ­
  Personalreferat,  Verwaltungskommission:  Inneres),  Emil  Straus
(CVP,  Erziehungswesen),  Heinz  Braun  (SPS,  Minister  für  Justiz)  und  Edgar  Hector
(CVP,  Innenministerium)  waren  durch  das  NS-Regime  nach  1935  in  die  Emigration
getrieben  worden.  Andere  Abteilungsleiter  wie  der  ehemalige  Landgerichtsdirektor
in  Saarbrücken,  Franz  Schäfer  (Regierungspräsidium:  Justiz),  Robert  Neufang  (KP,
Verwaltungskommission:  Ernährung  und  Landwirtschaft)  und  Christian  Grommes
(Finanzen)  hatten  unter  dem  NS-Regime  berufliche  und  persönliche  Nachteile  erlitten. ­

Erste  Sanktionsvorschläge  für  die  höheren  Beamten  des  Regierungspräsidiums  lagen
der  Militärregierung  zum  Jahresanfang  1946  vor.  Grandval  teilte  Neureuter  am
29.  Januar  1946  die  Namen  derjenigen  zwölf  höheren  Beamten  mit,  deren  Entlassung

41  Neureuter  an  Grandval,  14.12.1945;  LA  SB  RP  2/66-69.  Er  nannte  in  diesem  Zusammenhang  die  Namen ­
  von  13  bis  15  Not-PG's,  für  deren  Weiterverwendung  er  sich  einsetzte.
42  Dossier  "Regierungspräsidium",  o.D.  (1954);  AP  GG  d.7-S.
43  CCFA/DGAA/INT/1  .Sect.  645:  Laffon  an  Grandval,  27.11.1945;  AOFAA  Laffon  c.19  DGAA/1NT;
ABl-Saar  Nr.  53/46  (22.11.1946),  S.  228.
44  CVP-Dossier,  o.D.  (1950):  MAE  NANTES  Cab.Pol.  59/170L;  Dossier,  1954,  u.  Koenig,  31.10.1946
(Anm.  29).  Siehe  auch:  Sander,  Michael:  Politiker  an  der  Saar  zwischen  Frankreich  und  Deutschland,
in:  Von  der  "Stunde  0"  zum  Tag  "X",  S.  105-120;  Schneider,  Marc:  Saarpolitik  und  Exil  1933-1955,
in:  VfZ  25  (1977),  S.  467-545.
            
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