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dungsnotwendigkeit überprüft werden solle 41 . Er selber war als Jurist - er hatte als
Rechtsanwalt, Staatsanwalt und Richter gearbeitet - 1936 aus rassischen und politischen
Gründen vom Anwaltsstand ausgeschlossen worden und bis 1941 ohne Arbeit
gewesen. Nach seiner Promotion zum Dr. jur. in Köln fand er eine Stelle als Hilfskraft
bei Rechtsanwalt Emil Heim, dem späteren Oberbürgermeister Saarbrückens.
Rückblickend stellte ihm die französische Militärregierung ein ungünstiges Zeugnis
über seine Amtsmonate als Regierungspräsident aus: Bien que anti-nazi notoire, le
Dr. NEUREUTER, qui ne possedait guere les qualites de direction ä laquelle il avait
ete appele en tant que Chef du "Regierungspräsidium", semblait subir l'influence
d'anciens nazis notoires auxquels il accordait trop sa confiance 42 . Im Herbst 1945
war die französische Militärregierung allerdings mit der Personalpolitik Neureuters
einverstanden. Sie beanstandete nur die Besetzung der Verkehrsabteilung durch
Oberregierungsrat Franz Ganster. Dieser, NSDAP-Mitglied seit 1938, hatte bis Ende
1944 wichtige Posten in der NS-Wirtschaftsverwaltung innegehabt, unter anderem in
der "Reichsvereinigung Eisen". Die Sürete wurde beauftragt, eine enquete discrete
anzufertigen 43 .
Während die Struktur und der jeweilige Leiter der obersten saarländischen Verwaltungsspitze
(Regierungspräsident Neureuter, Vorsitzender der Verwaltungskommission
Erwin Müller und Ministerpräsident Johannes Hoffmann) wechselten, zeichneten
sich die Abteilungsleiter durch eine hohe personelle Kontinuität aus. Im Saarland
konnte nach 1945, bedingt durch die politische Emigration nach 1935, auf ein umfangreiches
Reservoir an politisch unbelasteten Personen zurückgegriffen werden 44 .
Heinrich Danzebrink (CVP, Regierungspräsidium: Inneres, Verwaltungskommission:
Wirtschaft), der SPS-Vorsitzende Richard Kim (Arbeit), Georg Schulte (SPS, Regierungspräsidium:
Personalreferat, Verwaltungskommission: Inneres), Emil Straus
(CVP, Erziehungswesen), Heinz Braun (SPS, Minister für Justiz) und Edgar Hector
(CVP, Innenministerium) waren durch das NS-Regime nach 1935 in die Emigration
getrieben worden. Andere Abteilungsleiter wie der ehemalige Landgerichtsdirektor
in Saarbrücken, Franz Schäfer (Regierungspräsidium: Justiz), Robert Neufang (KP,
Verwaltungskommission: Ernährung und Landwirtschaft) und Christian Grommes
(Finanzen) hatten unter dem NS-Regime berufliche und persönliche Nachteile erlitten.
Erste Sanktionsvorschläge für die höheren Beamten des Regierungspräsidiums lagen
der Militärregierung zum Jahresanfang 1946 vor. Grandval teilte Neureuter am
29. Januar 1946 die Namen derjenigen zwölf höheren Beamten mit, deren Entlassung
41 Neureuter an Grandval, 14.12.1945; LA SB RP 2/66-69. Er nannte in diesem Zusammenhang die Namen
von 13 bis 15 Not-PG's, für deren Weiterverwendung er sich einsetzte.
42 Dossier "Regierungspräsidium", o.D. (1954); AP GG d.7-S.
43 CCFA/DGAA/INT/1 .Sect. 645: Laffon an Grandval, 27.11.1945; AOFAA Laffon c.19 DGAA/1NT;
ABl-Saar Nr. 53/46 (22.11.1946), S. 228.
44 CVP-Dossier, o.D. (1950): MAE NANTES Cab.Pol. 59/170L; Dossier, 1954, u. Koenig, 31.10.1946
(Anm. 29). Siehe auch: Sander, Michael: Politiker an der Saar zwischen Frankreich und Deutschland,
in: Von der "Stunde 0" zum Tag "X", S. 105-120; Schneider, Marc: Saarpolitik und Exil 1933-1955,
in: VfZ 25 (1977), S. 467-545.