Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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Anfang  Juli  1946  bereiste  der  Baden-Badener  Chef  des  Service  Epuration,  Amal,  das
Saarland  und  begutachtete  den  Stand  der  Entnazifizierung.  Sein  Urteil  war  vernichtend. ­
  Er  zeigte  sich  mit  den  bisherigen  Ergebnissen  im  Verwaltungs-  und  im
Wirtschaftsbereich  sehr  unzufrieden.  Die  Ursache  hierfür  sah  er  vor  allem  in  der  personellen ­
  Zusammensetzung  der  saarländischen  Organe  und  der  fehlenden  Kontrolle
ihrer  Arbeit  durch  den  Service  Epuration.  Dieser  sei  weder  materiell  noch  personell
ausreichend  ausgestattet 6 .  Außerdem  sei  die  Kommunikation  zwischen  Brun  und  der
Verwaltung  sowie  den  französischen  Dienststellen  sehr  mangelhaft.  Vor  allem  müßte
den  französischen  Offizieren  die  Bedeutung  der  Entnazifizierung  für  das  Gelingen
der  französischen  Besatzungspolitik  deutlich  gemacht  werden:  Cela  est  particulierement
  important  dans  le  domaine  de  l'economie  oü  les  Services  frangais  ne  paraissent
pas  avoir  toujours  une  vue  suffisamment  nette  des  necessites  politiques 7 .  Arnal  hielt
eine  grundlegende  Neuordnung  des  Service  Epuration  für  notwendig.  Bei  seinem
nächsten  Besuch  in  Baden-Baden  bekam  Grandval  diese  Kritik  vorgehalten.  Da  sich
auch  in  den  saarländischen  Parteien  immer  lauter  Unmut  regte 8 ,  und  die  Ernennung
der  neuen  saarländischen  Verwaltungsspitze,  der  Verwaltungskommission,  unmittelbar ­
  bevorstand,  entschloß  sich  Grandval  im  September,  mit  der  Entlassung  Bruns  ein
positives  Signal  für  eine  neue  Phase  der  Zusammenarbeit  zu  setzen 9 .
Brun  selber  fühlte  sich  ungerecht  behandelt 10 .  Ursächlich  für  den  Rückstand  der  Entnazifizierung ­
  sei  vielmehr  die  mangelnde  Unterstützung  durch  die  französischen
Dienststellen  und  das  fehlende  Interesse  Grandvals 11 .  Als  treibende  Kraft  hinter  seiner ­
  Entlassung  vermutete  er  den  Vorsitzenden  der  CVP,  Johannes  Hoffmann.  Brun
kritisierte  dessen  Einmischung  in  laufende  Säuberungsverfahren:  Hoffmann  rühme
sich  in  aller  Öffentlichkeit,  daß  er  über  das  Kabinett  Grandvals  Milderungen  erreichen ­
  könne.  Durch  eine  hektische  Aktivität  in  den  ersten  Oktobertagen  versuchte
Brun  zumindest  die  Entnazifizierung  der  Verwaltung  zum  Abschluß  zu  bringen 12 .

6  Amal  mußte  feststellen,  daß  weder  ein  Raum  für  das  Archiv  noch  für  die  Sitzungen  des  CSE  vorhanden ­
  war;  es  fehlten  selbst  Aktenschränke;  CCFA/CAB:  Amal:  Bericht  über  die  Reise  in  das  Saarland,
9.-12.7.1946;  AOFAA  DGAPc.232  p.48.
7  Ebd.
8  Im  Oktober  1946  wurde  der  Service  Epuration  von  der  Christlichen  Volkspartei  (CVP)  öffentlich  kritisiert: ­
  Der  erweiterte  Vorstand  verabschiedete  eine  Entschließung,  in  der  der  unmögliche  Zustand  beklagt ­
  wurde,  daß  eine  andere  Instanz  als  die  saarländischen  Epurationsorgane  jederzeit  deren  Beschlüsse ­
  ändern  könne;  SVZ  Nr.  20/46  (12.10.1946)  S.  2.
9  Grandval  äußerte  auch  die  Befürchtung,  Brun  könne  wegen  seines  Privatlebens  Gegenstand  einer  Pressekampagne ­
  der  CVP  werden  und  damit  dem  Ansehen  der  Militärregierung  schaden;  Brun  an  Amal,
26.9.1946;  AOFAA  DGAP  c.232  p.48.  Die  "Berliner  Zeitung"  meldete  am  19.  Januar  1947,  daß  Brun
wegen  einer  Liebesbeziehung  zu  einer  Frau  für  ehemalige  Nationalsozialisten  käuflich  sei.  Der  Zeitungsartikel ­
  wurde  von  der  französischen  Kontrollratsgruppe  an  das  SGAAA  nach  Paris  geschickt;
MAE  Z  EU/Sarre  1944^19  d.l/42f.  Zur  Verwaltungskommission  siehe  weiter  unten.
10  Bruns  Bitte  um  Beistand  durch  Laffon  wurde  nicht  entsprochen.  Siehe  seine  beiden  Rechtfertigungsschreiben ­
  an  Amal,  26.9.  u.  2.10.1946;  AOFAA  DGAP  c.232  p.48.  Er  wurde  aber  nach  seiner  Entlassung ­
  vorübergehend  im  Service  Epuration  in  Baden-Baden  angestellt  (siehe  das  Kapitel  C.3.I.).
11  Bezeichnenderweise  befinden  sich  im  Privatarchiv  Grandvals  kaum  Unterlagen  zur  Entnazifizierung.
Die  vorhandenen  Schriftstücke  sind  unter  dem  Titel  "Expulsion"  abgeheftet;  AP  GG.
12  Am  3.  Oktober  1946  ordnete  Brun  an,  daß  alle  Epurationsorgane,  ausgenommen  die  Schulabteilung,
ihre  Tätigkeit  binnen  14  Tagen  beendet  haben  müßten.  Leroy  widerrief  zehn  Tage  später  diese  Anord ­
            
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