Full text : Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945 bis 1952

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stufte  Sanktionsmaßnahmen  und  die  Mitarbeit  deutscher  Organe  erlaubten  es,  den
Nationalsozialismus  effektiver  zu  bekämpfen  (de  traiter  le  probleme  plus  ä  fand).  In
einigen  Fällen  seien  sogar  härtere  Sanktionen  als  in  der  US-Zone  vorgesehen.  Aus
diesen  Gründen  sahen  die  Entnazifizierungsoffiziere  Baumont  und  Amal  keine  Veranlassung, ­
  das  französische  System  zugunsten  einer  einheitlichen  alliierten  Regelung
aufzugeben:  II  ne  serait  certainement  pas  opportun  d'adopter  une  technique  de  denazification
  unique  pour  toutes  les  zones.  Les  inconvenients  qui  pourraient  resulter
d'une  divergence  de  methode  peuvent  etre  largement  corriges  par  des  echanges  de
vues  et  de  renseignements 27 .
Laffon  wies  Koeltz  auf  die  Vorzüge  des  französischen  Modells  hin 28 .  Koeltz  sprach
sich  aber  gegen  die  Einlegung  eines  französischen  Vetos  aus 29 .  Nachdem  bereits  im
DIAC  über  die  KR  24  abgestimmt  worden  sei,  könnte  sie  nach  Zustimmung  des
CORC  bald  in  Kraft  treten:  II  me  parait  extremement  difficile,  en  cette  matiere,  de
prendre  une  position  conduisant  ä  une  attitude  semblable  ä  celle  prise  ä  l'egard  des
Administrations  Centrales.  Er  warf  Laffon  vor,  diese  Situation  selbst  verschuldet  zu
haben.  Ohne  eine  kontinuierliche  Unterrichtung  über  die  französische  Besatzungspolitik ­
  sei  es  für  ihn  unmöglich,  die  französischen  Interessen  in  den  verschiedenen
Gremien  des  Kontrollrates  durchzusetzen.  Trotzdem  versprach  Koeltz,  in  der  nächsten ­
  CORC-Sitzung  entsprechend  den  Wünschen  Laffons  zu  intervenieren.  Beruhigend ­
  wies  er  auf  den  Direktiven-Charakter  des  Entwurfes  und  seinen  interpretierbaren ­
  Inhalt  hin.  Laffon  beharrte  jedoch  auf  seinem  Standpunkt  und  forderte  am
21.  November  Koeltz  auf,  die  französische  Zustimmung  zum  Entwurf  zurückzuziehen ­
 30 .
Inzwischen  hatte  der  Leiter  des  Service  Epuration  in  Baden-Baden,  Curial,  in  einem
Bericht  für  Laffon  die  Nachteile  der  KR  24  im  Vergleich  zum  bestehenden  Verfahren ­
  zusammengestellt:  Die  Bildung  deutscher  Entnazifizierungsorgane  sei  von  der
Bevölkerung  begrüßt  worden.  Ihre  Auflösung  würde  auf  Unverständnis  stoßen  und
die  Deutschen  in  ihrer  negativen  Meinung  über  die  französische  Politik  bestärken.
Das  verschärfte  Kriterium  für  die  automatische  Entlassung  (NSDAP-Beitritt  vor  dem
1.  Mai  1937 31 )  würde  ein  sprunghaftes  Ansteigen  der  Entlassungen  nach  sich  ziehen.
Dies  und  die  Vorschriften  für  die  vorläufige  Weiterbeschäftigung  gering  belasteter
Nationalsozialisten  würden  dazu  führen,  daß  nicht  mehr  genügend  Ersatzpersonal
vorhanden  sein  werde.  Insgesamt  zeichne  sich  der  Direktivenentwurf  durch  eine  re27 ­

  CCFA/DGEF/CAB:  Rapport  G6n6ral,  31.10.1945;  AOFAA  c.232  p.49.
28  Laffon,  10.11.1945  (Anm.  26).
29  Auch  Präfekt  Hontebeyrie  warnte  vor  den  Folgen  eines  Vetos:  Du  point  de  vue  de  la  politique  generale, ­
  il  y  aurait  un  grave  inconvenient  ä  revenir  sur  la  decision  du  Sous-Comite  et  ä  prendre  une  Position ­
  qui  donnerait  l'impression  que  la  France  est  pour  le  probleme  de  la  denazification  opposee  ä  la
politique  suivie  de  commun  accord  par  les  autres  alliees;  zitiert  nach  dem  Bericht  Curials:
CCFA/CAB:  Curial  an  Laffon,  22.11.1945;  AOFAA  DGAP  c.232  p.47.
30  GFCC/DIAC/D1V/INT  315:  Koeltz  an  Laffon,  17.11.1945;  CCFA/CAB/C  3153:  Laffon  an  Koeltz  ("ä
l’attention  Colonel  Puel"),  21.11.1945;  AOFAA  DGAP  c.232  p.47.
31  Der  genaue  Textentwurf  der  KR  24  lautete:  Tout  membre  du  NSDAP  qui  s'est  rallie  au  parti  ou  a  ete
accepte  comme  membre  avant  le  ler  Mai  1937,  ou  qui  de  quelque  aut  re  fagon  a  eu  une  participation
plus  que  nominale  aux  activites  du  NSDAP\  D1AC/P(45)62,  2.11.1945;  AOFAA  DGAP  c.232  p.47.
            
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