Full text: Sozialpolitik im deutschen Südwesten zwischen Tradition und Neuordnung 1945-1953

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In der Gesamtwertung von Altersstruktur und Verletzungsarten zeigen die Zahlen 
besonders durch den großen Anteil an Verkrüppelungen von jungen oder relativ 
jungen Menschen, 10 wie langfristig die Kriegsfolgen noch wirksam blieben und wie 
wichtig daher die Berufsfürsorge war, auf die die Länder der französischen Zone und 
die französische Besatzungsmacht im Kontrollrat seit 1945/46 ein besonderes Ge 
wicht in der Kriegsopferpolitik gelegt hatten. 
Keine befriedigenden Angaben waren im Rahmen dieser Arbeit für die Sozial- 
struktur der Beschädigten aufzufinden. Obwohl, nach dem Behördenschriftverkehr 
zu urteilen, Daten zu dieser Frage gesammelt werden sollten, sind sie in den Nach 
kriegsjahren offenbar nur ungenügend aufbereitet worden. Nur für Südbaden liegen 
einige rudimentäre Angaben vor. 
Tabelle 25 Berufszugehörigkeit der Versehrten der beiden Weltkriege in 
Baden 1949/50 (incl. Leichtbeschädigte) 
1.4. 1949 
1.4. 
I. Weltkrieg 
1950 
II. Weltkrieg 
Landwirtschaft 
20,9 % 
34,5 % 
20,3 % 
Industrie 
24,4 % 
22,5 % 
24,0 % 
Gewerbe 
22,7 % 
22,0 % 
22,3 % 
Handel 
5,7 % 
5,9 % 
5,8 % 
Angestellte 
? 
5,5 % 
10,9% 
Quelle: Jahresberichte des Kriegsversehrtenfürsorgeamtes Freiburg für 1948/49 (StA FR 
A 2/9274) und 1949/50 (ebd. A 7, 1956/5, 930). 
Die angewandten Schichtungskriterien entsprechen nicht denjenigen der amtlichen 
Statistik im Südwesten und lassen daher nur wenige Rückschlüsse zu. Immerhin fällt 
im Vergleich der beiden Weltkriege der Rückgang an Angehörigen der landwirt 
schaftlichen Berufe ebenso auf wie die Zunahme der Angestellten, wobei allerdings 
beide unter ihrem Anteil an der Bevölkerung 1946 (29,6% bzw. 14,1 %)“ lagen. 
In der Zusammenschau der verschiedenen die französische Zone betreffenden Zah 
len wird das relativ hohe Versorgungsniveau im Südwesten insgesamt deutlich, 
obgleich bei allen Berechnungskriterien auch andere Faktoren zu berücksichtigen 
sind; die vorgesehenen Leistungen wurden bis Ende 1950 zudem noch nicht alle 
realisiert und gingen in die Statistiken daher nur teilweise ein. Vor diesem Hinter 
grund sind die Auseinandersetzungen zu sehen, die mit der Ausarbeitung des Bun 
desversorgungsgesetzes 1950 anliefen und den „Sonderweg“ des Südwestens auch 
im Bereich der Kriegsopferversorgung beendeten. 
Vgl. dazu auch die Tabellen in Wirtschaft und Statistik (1952), S. 563*. 
Württemberg-Baden im Vergleich, S. 47.
	        

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