Full text: Sozialpolitik im deutschen Südwesten zwischen Tradition und Neuordnung 1945-1953

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geschah. Eigenes Einkommen wurde ab 200 RM stufenweise, voll jedoch erst ab 350 
RM angerechnet, in Anlehnung an die RVG-Bestimmungen. Die Versorgungsver 
waltung wurde wie in Hessen-Pfalz der Landesversicherungsanstalt für das Saarland 
als eigene Abteilung angegliedert. Ende Dezember 1945, zur gleichen Zeit wie im 
Raum Trier, wurde auch die Berufsfürsorge wieder aufgenommen und der Pflicht 
einstellungssatz für Schwerbeschädigte wie in Hessen-Pfalz auf 10% erhöht. 21 
Wie in Baden übernahmen die Arbeitsämter die Vermittlung. Das spätere Saarland 
verfügte damit ähnlich wie Baden Ende 1945 über eine feste Rechtsgrundlage für die 
Kriegsopferversorgung, die gleichfalls an die älteren Traditionen anknüpfte und 
weniger als in Hessen-Pfalz bereits ein eigenständiges neues System darstellte. Das 
gesamte Leistungsniveau war infolge der weitgehenden Einschränkung der Zulagen 
geringer als in Baden, und es erstreckte sich vor allem zunächst nur auf die Schwer 
beschädigten. Dennoch stellte es für diese Gruppe nach Süd-Baden zu diesem Zeit 
punkt das zweitbeste Versorgungssystem im ehemaligen Reich dar, eine Situation, in 
der sich die Vorzugsstellung des Saarlandes in der französischen Politik erneut 
deutlich niederschlug. Im Verlauf der mehrfachen Gebietsaustauschmaßnahmen 
zwischen Rheinland-Pfalz und dem Saarland erhielt dieses Versorgungssystem in 
den rückgegliederten Gebieten um Saarburg 1947 auch in Teilen von Rheinland- 
Pfalz Geltung und trug dort zu den Bestrebungen bei, ein einheitliches Versorgungs 
recht zu schaffen. 22 
War die Verwaltung dem von der Militärregierung genehmigten, vergleichsweise 
besseren Versorgungsniveau auch in der Durchführung zunächst nicht hinreichend 
gewachsen, so standen sich die Kriegsopfer in der Pfalz und in Rheinhessen doch 
ebenso wie im Saarland wesentlich besser als in den nördlichen Teilen des späteren 
Rheinland-Pfalz. In den Regierungsbezirken Trier, Koblenz und Monta 
baur wurden die ersten Anweisungen, alle Versorgungsleistungen einzustellen, 1945 
realisiert, und hier sahen die Kriegsopfer sich tatsächlich, wie in den meisten Teilen 
der anderen Zonen, zunächst auf die Fürsorge angewiesen. 23 Allerdings wurde beim 
Regierungspräsidium Trier eine eigene Versorgungsdienststelle eingerichtet; in den 
Regierungsbezirken Koblenz und Montabaur wurden entsprechende Abteilungen 
auf Landratsamtsebene bzw. bei den Oberbürgermeistern angesiedelt. Auch im Nor 
den funktionierte also eine Versorgungsverwaltung de facto weiter, doch war das 
Leistungsniveau vom Einkommen abhängig und, entsprechend den örtlichen Für 
sorgesätzen, in der Regel niedriger als in der Pfalz, Rheinhessen und Baden. Zum 
L Januar 1946 wurden die Pensionen für vor 1933 pensionierte Angehörige der 
Kaiserlichen Armee oder der Reichswehr bis zur Höhe von 350 RM (bei gestaffelter 
Verordnung vom 27. 12. 1945, ebd. 1946 Nr. 2, 28. 2. 1946, S. 10 f. In der Verordnung über die 
Tätigkeit der Arbeitsämter vom 1. 6. 1946 (ebd., S. 141 f.) wurde die Arbeitsvermittlung für 
Behinderte noch eingehender geregelt. 
Vgl. August Wolters im Plenum des Koblenzer Landtages, 29. 7. 1947; Sten. Prot., S. 41. 
Zusammenfassend zur Situation in diesen Regierungsbezirken s. Aktenvermerk von Thibault 
für Generalsekretär Foucry, 27. 5. 1948; AdO Colmar RLP C. 897/5-10-3. Die Situation im 
Regierungsbezirk Trier wurde dem Verf. von Walter Dahlheimer, Gründungsmitglied und 
später Kreisvorsitzender des VdK im Raum Trier, im Juli 1983 geschildert.
	        
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