Full text: Sozialpolitik im deutschen Südwesten zwischen Tradition und Neuordnung 1945-1953

423 
konzentrieren und nicht alle die Personen, um die sich zu kümmern die Gewerkschaften 
ablehnen, mit verteidigen, d. h. die Unfallopfer und die von Geburt Behinderten. 34 * Im 
ersten Zug verlor Breitbach die Partie und trat im Juli 1949 zurück. Im zweiten Zug 
schied im Oktober 1949 jedoch auch Hähnel als Vorsitzender aus und wurde, im 
Zusammenhang mit Kritik an seiner Amtsführung, anläßlich des Beitritts des Lan 
desverbandes zum bizonalen Bund der Körperbehinderten ersetzt durch seinen Partei 
freund Hans Müller; er war vor 1933 Reichsbund-Mitglied und Leiter der Arbeiter 
wohlfahrt in Trier gewesen, dann in die NSKOV übergewechselt und hatte 1946 den 
Wiederaufbau der Kriegsopferorganisation im Trierer Land wesentlich mit getra 
gen. 36 * Bilanz der Streitigkeiten war damit in der Tat eine stärkere Berücksichtigung 
anderer Parteien in Führungspositionen des Landesverbandes. Das Mischverbands 
prinzip wurde jedoch beibehalten, und es setzte sich auf Dauer durch. 
In den beiden südlichen Ländern der französischen Zone ist die Entstehung des VdK 
zwar nicht konfliktfrei, doch weniger stürmisch verlaufen als in Rheinland-Pfalz. 
In Südbaden war die Rolle von Rotem Kreuz und Arbeiterwohlfahrt für die frühe 
Sammlung der Kriegsopfer besonders ausgeprägt. 31 Sie hatte unter anderem zur 
Folge, daß SPD-Mitglieder in den frühen südbadischen Führungsgruppen 1946/47 
wie in Rheinland-Pfalz eine starke Stellung einnahmen. Nach längeren Vorarbeiten 
fand im November 1946 eine Gründungsausschußsitzung statt, und zwar unter Vor 
sitz des Ministerialrates in der Direktion Arbeit, Rappenecker, der selbst Kriegsver 
sehrter war und 1928 mit einer auch in Fachkreisen bis in die Nachkriegszeit beach 
teten Arbeit über das Kriegsopferproblem promoviert worden war. 38 Die Initiative 
hatte damit von vornherein die aktive Unterstützung der deutschen Verwaltung, und 
Arbeitsdirektor Martzloff, gleichfalls kriegsversehrt und ehemaliges Reichsbund- 
Mitglied, legte Gründungsprotokoll und Satzungsentwurf selbst der Militärregie 
rung vor. 39 Nachdem General Koenig die Vertreter der drei in Südbaden entstehen 
den Kriegsopferverbände - VdK, Blinde und Hirnbeschädigte - persönlich empfan 
gen und gewissermaßen in Augenschein genommen hatte, 40 wurde der Verband der 
Körperbeschädigten, Arbeitsinvaliden und Hinterbliebenen für Baden am 1. Februar 
1947 zugelassen. 41 Unter den Gründungsausschußmitgliedern waren der SPD nahe- 
34 Mehrere Sürete-Berichte ebd., Zitat aus Bericht vom 6. 8. 1949. 
36 Sürete-Bericht vom 18. 10. 1949 ebd. sowie Mitteilungen von Walter Dahlheimer und Karl 
Dietrich. Liste des Landesvorstandes, 31. 12. 1949, mit Vermerken zur politischen Orientie 
rung seiner Mitglieder ebd. 2800-05-00. 
31 Wie oben Anm. 23. 
Fr. X. Rappenecker, Das Problem der Fürsorge für die Kriegsopfer, Diss. Freiburg 1928. Vgl. 
auch ders., Sechs Jahre Badische Sozialpolitik, S. 36 f., zur Rolle der Direktion Arbeit bei der 
Verbandsgründung, die im eigenen Hause erfolgte. 
Protokoll vom 21.11.1946 sowie Statut in Anlage zu Schreiben Martzloffs an MR, 
30. 12. 1946; AdO Colmar Bade 2413/2. 
Mitteilung von Bernhard Stang, Geschäftsführer des BDH für Südbaden, der den damaligen 
Hirnverletztenbund bei Koenig vertreten hatte; Freiburg, 31. 8. 1983. 
41 25 Jahre VdK Baden-Württemberg, S. 19 ff. Solidarität - Weg in die Zukunft, S, 22 f. Zur 
Verbandsgeschichte s. insbesondere die von 1948 bis 1953 erschienene Monatszeitschrift: 
Der Kamerad. Nachrichten-Blatt des Verbandes der Körperbeschädigten, Arbeitsinvaliden und 
Hinterbliebenen in Baden. Die Archive des Verbandes sind vernichtet worden.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.