Full text: Sozialpolitik im deutschen Südwesten zwischen Tradition und Neuordnung 1945-1953

421 
November 1946 erließ Baden-Baden allgemeine Direktiven für die Gründung von 
Behindertenverbänden, 26 und jetzt kam die Gründung von Ortsverbänden auf breite 
rer Ebene in Gang. Kern des Bundes fiir Körperbehinderte und Hinterbliebene, der im 
September 1947 zunächst für den Raum Rheinland-Hessen-Nassau und wenig spä 
ter für ganz Rheinland-Pfalz zugelassen wurde, 2 ’ wurde die Neuwieder Gruppe. Den 
Landesvorsitz übernahm zunächst Max Schmitt, der seit 1919 hauptamtlich - zuletzt 
als Gauleiter in der Pfalz - im Reichsbund tätig gewesen war, 1933 in Schutzhaft 
genommen wurde und nach 1945, als Opfer des Faschismus anerkannt, unter ande 
rem die Gewerkschaften in der Kaiserslauterer Spruchkammer vertrat. 28 Bis 1949 
war der Bund auf der lokalen Ebene weitgehend von der SPD beherrscht; eine 
französische Übersicht über die Kreisvorsitzenden nannte im April 1949 22 SPD- 
Mitglieder und 3 DP-Mitglieder; vier galten als neutral, bzw. ihre politische Haltung 
war unbekannt. Lediglich in Cochem war ein KP-Mitglied Kreisvorsitzender, wurde 
im Mai 1949 aber gleichfalls durch ein SPD-Mitglied ersetzt. 29 CDU-Mitglieder 
waren nicht darunter. 
Die Militärregierung überwachte den Bund bis auf die lokale Ebene hinunter beson 
ders scharf, der Quellenlage nach zu urteilen noch genauer als in den übrigen Teilen 
der Zone. 10 V-Männer der Sicherheitspolizei berichteten nicht nur über öffentliche 
Versammlungen, sondern wurden auch in die Führungsgremien eingeschleust, so 
daß die internen Vorgänge im Bund in den französischen Akten weit besser doku 
mentiert sind als in den deutschen Quellen. Der Militärregierung ging es dabei vor 
allem darum, die Bildung von Veteranenverbänden zu verhindern, ein Ziel, mit dem 
sie in Rheinland-Pfalz auf besonders harten und offenen Widerstand der Kriegsop 
fer traf. Ein großer Teil der Mitgliederschaft wehrte sich gegen die Struktur des 
Mischverbandes, die das Selbstverständnis der Kriegsopfer in Frage stellte. Als der 
Verband seit 1948 auch öffentlich immer aktiver wurde, Massenversammlungen 
abhielt und im Zusammenhang mit der Verzögerung der Versorgungsgesetzgebung 
die Militärregierung immer schärfer angriff, fürchtete diese offensichtlich zusehends 
seine Rolle als Störer der öffentlichen Ordnung. Im Februar 1948 wurde nach einer 
Versammlung, die den Charakter einer reinen Kriegsopferversammlung angenom 
men hatte, 11 der Ortsverband Neuwied aufgelöst und der Sitz des Bundes zwangswei- 
26 Direction generale des Affaires administratives an Delegues Superieurs, 28. 11. 1946, zit. in 
AdO Colmar RLP C. 897/5-30-5. 
Die genauen Zulassungsdaten waren nicht feststellbar; in einem zusammenfassenden Be 
richt über die Tätigkeit der Kriegsopferverbände verwies Gouverneur Hettier de Boislambert 
am 8.8. 1948 auf entsprechende Baden-Badener Dienstnoten vom 1.9. und 29. 10. 1947; 
ebd. 
Vgl. Schreiben des Bundesvorstandes an die Militärregierung Koblenz, 14.2. 1948; AdO 
Colmar RLP C. 3186/2800-05-05. 
Berichte der französischen Sicherheitspolizei vom 13. 4. und 10.5. 1949; ebd. 
Vgl. die umfangreichen Materialien in AdO Colmar, u. a. RLP C. 897/5-30-5, C. 
3186/2800-05-00 u. 2800-05-05. 
Laut einem Bericht des Militärgouverneurs des Regierungsbezirks Montabaur vom 
29. 1. 1948 hatte ein deutscher Landratsamtsangestellter die französischen Auflagen für die 
umstrittene Versammlung sprachlich nicht verstanden; AdO Colmar RLP C. 
3186/2800-05-05.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.