Full text: Sozialpolitik im deutschen Südwesten zwischen Tradition und Neuordnung 1945-1953

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lern schon 1949 ausgeschert war, blieben ohnehin nur noch Baden und Rheinland- 
Pfalz, welche die aus Arbeitnehmersicht besseren Lösungen des Südwestens hätten 
verteidigen können. Druck von Arbeitgeberseite und Wandel der innerparteilichen 
Konstellationen in der CDU waren die entscheidenden Faktoren, die zur Änderung 
der Mehrheitsverhältnisse führten, nachdem die SPD nicht mehr Regierungspartei 
war. Doch selbst auf diesem Weg war die französische Zone dem Rest des Bundes 
gebietes wieder vorangegangen, indem Württemberg-Hohenzollern als erstes Land 
1949 nach dem Vorbild der gescheiterten Wirtschaftsrats-Beschlüsse die Einführung 
der paritätischen Besetzung der Krankenkassen- und Unfallversicherungs-Selbstver 
waltungsorgane beschloß. 
Nachdem mit der vorwiegend technisch bedingten Novellierung des Bundes-Selbst- 
verwaltungsgesetzes im August 1952 auf stillem Wege auch das von den Gewerk 
schaften hart bekämpfte Vorschlagsrecht für andere Vereinigungen von Arbeitneh 
mern 23 eingeführt worden war, konstituierten sich auch in der ehemaligen französi 
schen Zone entsprechende konfessionelle Vereinigungen in Konkurrenz zu den 
Gewerkschaften. 24 Die Angleichung der politischen Disposition an die Verhältnisse 
im übrigen Bundesgebiet war damit auch bei den in der Selbstverwaltung vertretenen 
Gruppen erfolgt. Mit den Sozialwahlen von 1953 fanden die Sonderentwicklungen 
des Südwestens in der Sozialversicherung ihr Ende. 
33 Vgl. dazu Hockerts, Entscheidungen, S. 144. 
24 So am 28. 9. 1952 die Badische Arbeitsgemeinschaft christlicher Arbeitnehmer für soziale Fra 
gen mit Sitz in Karlsruhe, die die innerhalb Badens bestehenden christlichen Berufs- und 
Standesorganisationen . .. mit berufs- und sozialpolitischer Zwecksetzung vereinigte (Schrei 
ben an Präsident des Landesbezirks Südbaden, 2, 10. 1952; StA FR A 2/20110) und als ihr 
erstes Hauptziel die Gewinnung von Sitzen bei den Sozialwahlen bezeichnete.
	        

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