Volltext: Sozialpolitik im deutschen Südwesten zwischen Tradition und Neuordnung 1945-1953

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Noch stärker als die allgemeine Deutschlandpolitik und das Verhalten der Besat 
zungstruppen ist die französische Wirtschaftspolitik in der Zone für das bisheri 
ge Gesamtbild der Besatzungszeit ausschlaggebend. Angesichts der vielfältigen Ver 
flechtung von Wirtschafts- und Sozialpolitik boten mehrere grundlegende Arbeiten 
zu Teilbereichen der Wirtschaftspolitik und Ernährungslage für die vorliegende 
Arbeit besonders reichhaltiges Material.“ 
Daß die deutsche Wirtschaftspolitik in Frankreich während des Krieges den ent 
scheidenden Hintergrund für diese Aspekte französischer Besatzung bildete, ist in 
den letzten Jahren häufig betont, wenn auch in der praktischen Forschungsarbeit 
nicht immer voll in Rechnung gestellt worden. Die französische Politik erscheint 
ganz von dem Interesse geprägt, die deutsche und vor allem die Zonenwirtschaft 
weitmöglichst in den Dienst des französischen Wiederaufbaus zu stellen. Dieses 
Ziel, von den entscheidenen Pariser Stellen in eindeutigen Formulierungen vorgege 
ben, war auch für weite Teile des Besatzungsapparates in der Zone vorrangig. Das 
Recht auf Rückerstattung der im Krieg von deutscher Seite in Frankreich entnomme 
nen Güter, die in Potsdam und im Kontrollrat beschlossenen Reparationen und die 
Monopolisierung des Außenhandels in französischen Händen waren die wichtigsten 
Instrumente dazu. Wie weit sie legal genutzt wurden und welche halb- oder illegalen 
Vorteile Frankreich aus der Zone zog, ist bislang allerdings nur ansatzweise quantifi 
zierbar; immerhin liegen genauere Zahlen als für vergleichbare Maßnahmen der 
anderen Alliierten vor.“ 
Von deutscher Seite wurden seinerzeit vor allem die Demontagen und die Ernäh 
rungsauflagen gesehen, denen man die soziale Not der Nachkriegsjahre weitgehend 
zuschrieb. Besonders eindringlich blieben der Bevölkerung die abgeholzten Wälder 
in Erinnerung, die durch die seit 1942 in Südwestdeutschland grassierende Borken 
käferplage und die Kämpfe zu Kriegsende ohnehin bereits stark mitgenommen 
waren. * 26 27 Mit Sicherheit lag das Schwergewicht der französischen Einwirkung aller 
dings anders, als die Bevölkerung es empfand. Die schwierige Ernährungslage, 
beherrschendes Thema in der französischen Zone, war nur zu geringem Teil auf die 
französischen Entnahmen zurückzuführen, 28 doch war deren politische Wirkung, 
auch infolge der vielfach skandalösen Begleitumstände etwa bei der Erhebung der 
“ Zusammenfassend Abelshauser, Wirtschaft und Besatzungspolitik; ders., Wirtschaftsge 
schichte; Manz; Läufer, Industrie, sowie seine Zusammenfassung: Die südbadische Indu 
strie; Jerchow, Deutschland. Vgl. auch die Beiträge von Gustav von Schmoller, Walter 
Atorf (methodisch besonders wichtig), Willi Schefold und Gerd-Friedrich Nüske in: Gög- 
ler, Richter u. Müller (Hg.); erstmals auf der Grundlage französischer Akten: Lud- 
mann-Obier, Contröle. Zu einigen Problemen vgl. genauer unten S. 34 ff., zur Ernährungs 
lage S. 108 ff. 
26 Vgl. besonders Abelshauser, Wirtschaft und Besatzungspolitik, und Jerchow, Deutsch 
land. Zu den Forschungsproblemen: Hudemann, Fragen. 
27 Vgl. dazu Wellenstein (Hg.); Gotthilf Schmid, Forstwirtschaft, in: Gögler, Richter 
u. Müller (Hg.), S. 305-322. 
28 Vgl. dazu Rothenberger, Hungerjahre, und ders., Ernährungs- und Landwirtschaft. Lord 
Beveridge, der auf die alarmierenden Berichte über die Ernährungslage hin Ende 1946 eine 
Art Kontrollreise durch die französische Zone unternahm, kam bei seiner Überprüfung zu 
ähnlichen Zahlen wie die französische Militärregierung; danach verringerten sich die Kalo 
rienwerte der Lebensmittelversorgung der deutschen Bevölkerung durch die französischen 
Entnahmen durchschnittlich um etwa 5 %. Vorgänge in Md AE Y (1944-1949) 440.
	        

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