Full text: Sozialpolitik im deutschen Südwesten zwischen Tradition und Neuordnung 1945-1953

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gewannen, welche von einer Politik der Dominanz über Deutschland zu einer Politik 
der Gleichberechtigung im europäischen Rahmen strebten („Integrations-“ statt 
„Dominanzkonzept“). 12 13 
Die Bevölkerung in der Zone sah sich zu Kriegsende zunächst vor allem mit den 
französischen Truppen konfrontiert, vor denen die nationalsozialistische Pro 
paganda gegen die Marokkaner-Truppen bereits im voraus Panik zu wecken ver 
sucht hatte. Von einer zehntausendfachen Schändung von Frauen sprach Gebhard 
Müller noch 1982 in seiner Schilderung der Frühzeit, 11 und auch wenn Übergriffe 
dieser und anderer Art möglicherweise nicht ein solches Ausmaß hatten, bestimmten 
sie doch rasch in Teilen der Zone die Reaktionen der deutschen Bevölkerung. Die 
Ausgangslage war sehr unterschiedlich. Während die Marokkaner in Biberach Bon 
bons an die Kinder verteilten, viele Besatzungsoffiziere nach den ersten persönlichen 
Kontakten die Not der Bevölkerung energisch zu mildern versuchten und der soziali 
stische Rastatter Ortskommandant Wolf schon 1945 demonstrativ am 1. Mai Feiern 
organisierte, 14 * hatten die Kommandanten an anderen Orten noch bis Ende 1945 
größte Mühe, die eigenen Truppen unter Kontrolle zu bekommen. 11 Darin spiegelte 
sich teilweise die Desorganisation der französischen Armee seit der Niederlage 1940. 
Die vor allem in Baden und Württemberg eingesetzten nordafrikanischen Truppen 
brachten gelegentlich ihre heimischen Kampfweisen mit nach Mitteleuropa; das 
französische Ziel, durch den Einsatz von Kolonialtruppen auch französische Ableh 
nung des Rassismus zu demonstrieren, schlug damit allerdings gründlich fehl. Ande 
re Truppen, vor allem im Raum Rheinland-Pfalz, waren unmittelbar aus den Partisa 
nenverbänden der innerfranzösischen Resistance hervorgegangen. 16 Desorganisa 
tionjahrelanges Leben im Untergrund und andere Faktoren, die mit der deutschen 
Besatzung in Frankreich zusammenhingen, wurden von der deutschen Bevölkerung 
12 Loth, Die Franzosen; zur Auseinandersetzung damit vgl. Hudemann, Kulturpolitik. Loth, 
Sozialismus. Vgl. zum Hintergrund auch Lipgens, Innerfranzösische Kritik, und dfrs. 
(Hg.), Europa-Föderationspläne, sowie Schreiner. 
13 Gebhard Müller, Württemberg-Hohenzollern 1945 bis 1952, in: Gögler, Richter u. Mül 
ler (Hg.). Im Gespräch mit dem Verf. (Stuttgart, 21.7. 1980) nannte Gebhard Müller als 
Quelle eine Predigt des Freiburger Erzbischofs Gröber. 
14 Mitteilung des ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden des Badischen Gewerkschafts 
bundes, Max Faulhaber (KPD), Freiburg, 14. 4. 1982. 
11 Vgl. Berichte aus den ersten Besatzungstagen in AdO Colmar CGAAA C. 2669/4-1 sowie 
die Darstellungen der beiden Gouverneure von Rheinland-Hessen-Nassau bzw. Rhein 
land-Pfalz: Billotte, S. 343 ff., sowie Hettier de Boislambert, S. 465 ff. Zur Situation in 
Baden siehe bes. Schwarzmaier (Hg.), Der deutsche Südwesten, sowie ders. (Hg.), Lan 
desgeschichte. Lebendige Schilderung der Wirkungen der Besetzung bei Hillel. 
16 Die Geschichte einzelner Teile der Besatzungstruppen läßt sich recht genau rekonstruieren 
anhand der zahlreichen Ruhmesartikel, die in den Truppenzeitschriften erschienen, als die 
französische Armee zum 1. April 1946 völlig reorganisiert wurde und viele dieser Kriegs 
und Resistance-Verbände aufgelöst wurden; siehe die Revue d'information des troupes 
framjaises d’occupation en Allemagne, Nr. 1 ff., Oktober 1945 ff., AdO Colmar. Zum 
Anti-Rassismus beim Einsatz der Kolonialtruppen: Forez, S. 92. Allgemein zu dem Aufbau 
der Armeeverwaltung siehe die bislang genaueste Untersuchung der frühen Besatzungs 
monate durch Henke, Aspekte, hier S. 185. Überblick über neue Forschungsergebnisse zur 
militärischen Bedeutung der Resistance-Verbände zu Kriegsende bei Levy.
	        

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