Full text: Sozialpolitik im deutschen Südwesten zwischen Tradition und Neuordnung 1945-1953

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tungen enthielten aber eine solche Präjudizierung, wie man ihre Rolle auch immer 
beschränke. 47 Die Formulierungen Koenigs ließen jedoch die französische Differen 
zierung offen: Das Veto galt den deutschen Zentralverwaltungen, nicht der deut 
schen Wirtschaftseinheit, und bei den beiden an diesem Tag zur Debatte stehenden 
Entwürfen — der Transport- sowie der Kommunikations- und Postagentur — ging 
es um eben diese deutsche Eigenverantwortung und um die politischen bzw. strategi 
schen Implikationen ökonomischer Maßnahmen, nicht um die Wirtschaftseinheit 
selbst. Trotz der Verschärfung der Konfrontation blieb die französische Vertretung 
bei der Zustimmung zu einer Transportagentur, vorausgesetzt, dies sei done among 
theAllies alone und werde not... involve German directions, 68 
Clay vollzog die Unterscheidung von Zentralverwaltungen und deutschen Zentral 
verwaltungen nicht mit 69 und brach den vorliegenden Protokollen zufolge die Dis 
kussion ab, wenn das Thema in dieser Form erneut angeschnitten wurde. Noch im 
April 1946 war er höchst erstaunt, als Noiret im Koordinationskomitee emphatically 
feststellte, die Franzosen hätten always.. .favored economic unity, doch nicht die 
deutschen Zentralverwaltungen. 70 Von beiden Seiten nahmen die Spannungen in 
Berlin im Verlauf des Oktober 1945 erheblich zu. Flinter Clay’s Reaktion stand 
einerseits die Persönlichkeit des rasch entscheidenden, an effizienter Verwaltung 
orientierten Militärs. Darüber hinaus stießen hier jedoch die fundamental unter 
schiedlichen besatzungspolitischen Konzeptionen aufeinander, die in der Sozialpo 
litik immer wieder anzutreffen sein werden. Clay trat generell für eine rasche Aus 
weitung deutscher politischer Rechte und gegen die Übernahme wesentlicher Ver 
antwortung durch die Alliierten ein. Die Franzosen wollten weder die genaue Kon 
trolle des deutschen Wiederaufbaus und der deutschen Wirtschaft aufs Spiel setzen 
noch die Durchsetzung eigener inhaltlicher Ziele in ihrer Zone; dazu gehörten auch 
gesellschaftliche und kulturpolitische Neuordnungsmaßnahmen, die Frankreich im 
Rahmen seiner sicherheitspolitischen Interessen anstrebte und ebenso wie Clay als 
„Demokratisierungspolitik“ verstand. Die beiden entgegengesetzten Auffassungen 
von der Form einer solchen Demokratisierungspolitik verschärften die Auseinander 
setzungen um die deutschen Zentralverwaltungen. Zu der Kontroverse gehörten 
aber auch die unterschiedlichen Föderalismus-Konzeptionen. Während die Franzo 
sen auf einem langsamen Wiederaufbau politischen Lebens von der Basis aus be 
47 Erklärung Koenigs im Kontrollrat, 1. 10. 1945, in: Documents fran<;ais, S. 16, dt. in: Europa- 
Archiv 9 (1954), S. 6748. 
44 Murphy an Byrnes, 13. 10. 1945, über Position von Koeltz im Koordinationskomitee am 12. 
10. 1945; FRUS 1945 Bd. 3, S. 882 f. - Vgl. Unterlagen in MdAE Y (1944-1949) 282-283, 
u. a. Koeltz an Außenministerium, 22. 11.1945. 
44 Vgl. u. a. auch Clay an War Department, 1. 10. 1945, Auszug in: Clay Papers, Bd. 1, S. 88 f. 
Ähnlich ders. an McCloy, 5. 10. 1945, ebd., S. 91 ff. Clay konstatierte hier, die Franzosen 
seien gegen the very principle of establishing central agencies (S. 92); der französische Text 
sprach an dieser Stelle von les administrations centrales projetees, was sich eindeutig auf die 
zuvor erwähnten administrations centrales allemandes bezog, nicht auf jegliche zentralen 
Agenturen, wie Clay es interpretierte. 
70 Murphy an Byrnes, 2. 5. 1946, über Koordinationskomitee 26. 4. 1946; FRUS 1946 Bd. 5, 
S. 545 f. Vgl. ebenso Murphy an Byrnes, 4.4. u. 6. 5. 1946; ebd., S. 536 f. u. 547 f.
	        

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