Full text: Sozialpolitik im deutschen Südwesten zwischen Tradition und Neuordnung 1945-1953

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falalement pour consequence une reconstitution de l’unite allemande au profit d’un 
gouvernement devoue ä la seule URSS habe, dies sei richtig, doch nicht zu ändern, 
wolle man nicht einen neuen Konflikt riskieren. 42 43 Daß Murphy hier richtig verstan 
den wurde, erscheint nicht sicher, doch jedenfalls fühlte man sich in Paris durch 
solche Nachrichten bestätigt. Die Europa-Direktion notierte Ende Oktober für Bi- 
dault im Zusammenhang mit den Berliner Auseinandersetzungen über die Zulas 
sung gesamtdeutscher Gewerkschaften, die Sowjets sähen in den Zentralverwaltun 
gen offenbar un moyen de developper leur influence dans l’ensemble de l'Allemagne et 
de preparer ainsi la Constitution d’un nouvel Etat sous leur domination; trotz des 
amerikanischen Ärgers solle die französische Position in Berlin daher aufrechterhal 
ten werden. 41 Zumindest hätte man den in Berlin aufgebauten Apparat und die unter 
sowjetischer Aufsicht eingearbeiteten Fachleute kaum einfach ausschalten können. 
Die administrative Entwicklung in der sowjetischen Zone verstärkte jedenfalls die 
französische Tendenz, zwischen politischer und wirtschaftlicher Einheit in der Ver 
waltung Deutschlands zu unterscheiden. 
Clay, den Franzosen gegenüber immer äußerst kritisch, vermerkte in seinen Memoi 
ren später, die Franzosen hätten die gegenüber den Sowjets politisch zu naiven 
Amerikaner 1945 durch ihre frühzeitigen Vetos gerettet. 44 Daran war jedenfalls richtig, 
daß dieses französische Argument von 1945 wenig später zu einem Kernpunkt der 
amerikanischen Politik wurde. Frankreichs Zentralverwaltungspolitik stellt sich in 
sofern als ein erster Schritt im beginnenden „Kalten Krieg“ dar, der in Clay’s frühes 
Konzept einer Zusammenarbeit mit den Sowjets jedoch noch nicht hineinpaßte. 
Die unterschiedliche Beurteilung der sowjetischen Politik 1945 berührt noch einen 
weiteren Hintergrund der französischen Haltung: das Mißtrauen gegenüber der 
Sachkompetenz der amerikanischen Unterhändler, das Paris im übrigen mit London 
teilte; 45 „more enthusiasm than knowledge“ konstatierte Balfour in der amerikani 
schen öffentlichen Meinung über Deutschland, 46 und sein Schlagwort charakterisiert 
auch treffend den französischen Eindruck von der offiziellen amerikanischen 
Politik. 
Zu der Verhärtung der französischen Haltung im Herbst 1945 trug nun jedoch ein 
Element bei, das zwar in der Forschung über die amerikanische Politik inzwischen 
von den verschiedensten Aspekten her aufgearbeitet, in seiner Konsequenz für die 
französische Politik jedoch wenig berücksichtigt worden ist: Die internen Divergen 
zen der auf amerikanischer Seite beteiligten Entscheidungsträger und die Inkohä 
renz der amerikanischen Politik, die daraus resultierte. Dies lenkt den Blick auf die 
Mechanismen des interalliierten Entscheidungsprozesses. 
42 Tarbe de Saint-Hardouin an Bidault, 9. 10. 1945; MdAEY (1944-1949) 282. 
43 Vermerk der Direction generale des Affaires politiques für Bidault, 28. 10. 1945; Md AE Z 
Allemagne (1944-1949) 57 und Y 282. 
Clay, Entscheidung, S. 153. 
45 Vgl. dazu Foschepoth, Britische Deutschlandpolitik; Sainsbury. 
46 Balfour, S. 26.
	        

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