Full text: Sozialpolitik im deutschen Südwesten zwischen Tradition und Neuordnung 1945-1953

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auch, weil die Kontrolle offensichtlich schärfer war. 19 Noch im April 1948 wandte 
der badische Gouverneur Pene sich im Zusammenhang mit der Genehmigung von 
Preiserhöhungen gegen das Ansteigen von Preisen, wenn sie intolerables pour les 
masses laborieuses seien. 80 Auf die Folgen für die Entwicklung der parallelen Märkte, 
wenn nicht mehr zu Gestehungskosten produziert werden konnte, wurde bereits 
verwiesen. Ende 1947 betrug die Preisdifferenz der amtlichen Preise zur Bizone rund 
20%. 81 Nach der Währungsreform wurde der damit drohende „Ausverkauf 4 der 
französischen Zone zum Gegenstand intensiver Regelungsversuche der Behörden. 82 * 
Doch diese Gefahr bestand seit den Anfängen der Besatzung. Schon 1946 sprach 
Laufenburger von einem preisniveaubedingten „Warenexodus“ aus der französi 
schen Zone in die Nachbarzonen, 81 und seit Anfang 1946 wiesen die deutschen 
Preisbehörden gegenüber der Militärregierung ständig auf die aus den Preiserhö 
hungen der anderen Westzonen entstehenden Probleme hin. 84 Auf den parallelen 
Schwarz- und Kompensationsmärkten lag die Preisstruktur, wenngleich produktab 
hängig unterschiedlich, ähnlich. So erbrachte ein Fotoapparat im August 1947 in 
Baden-Baden, der Stadt mit dem höchsten Schwarzmarkt-Preisniveau in Baden, 
15 000 RM, in der britischen Zone aber bis zu 50 000 RM. 8S Während die Lebensmit 
telpreise in Baden-Baden sehr hoch lagen, 86 konnten manche Produkte auch auf dem 
Schwarzen Markt in anderen Teilen der französischen Zone erheblich günstiger als 
etwa im Ruhrgebiet erstanden werden. Für Schuhe, etwa im Raum Pirmasens, und 
für Kleider galt ähnliches. Quantifizieren läßt sich dieses Gefälle nur ansatzweise, da 
für die anderen Zonen vergleichbar differenzierte Schwarzmarktberichte wie für 
Baden bislang nicht bekannt sind. Auch wenn dem Mangel im Fall des einzelnen 
Reisenden durch die Beschaffung entsprechender Tauschware abgeholfen werden 
konnte und auch wenn dafür z. T. nicht lebensnotwendige Güter wie Tabak, Brannt 
wein und Wein eingesetzt wurden, so ist insgesamt doch anzunehmen, daß der 
illegale Interzonen-Kompensationsverkehr zur Verarmung der französischen Zone 
Die deutschen und französischenArchive enthalten eine Fülle von Materialien zur Preisbil 
dung. So sind die Details der Verhandlungen mit der Militärregierung in Baden beispielswei 
se zu entnehmen aus StA FR A 7 (1956/5) Bla. Eine genaue Übersicht nach Epochen und 
nach Produkten gibt H. Michaelis, Generalsekretär der Beratenden Preiskommission für die 
französische Zone: Bericht zur preispolitischen Lage der französischen Besatzungszone 
Deutschlands. Eine kritische Untersuchung über Voraussetzungen, Verfahren und Ziele der 
Preispolitik, 18. 4. 1948; StA FR A 7 (1956/5) Blnl. 
Pene an Wirtschaftsminister Lais, 3. 3. 1948; StA FR A 7 (1956/5) Blnl. 
81 Michaelis, wie Anm. 79. 
Vgl. dazu Läufer, Industrie, S. 225 ff. Die Quellen zu diesem Problem sind zahlreich. Vgl. 
z. B. den Bericht von Wirtschaftsminister Wildermuth in der Sitzung des Tübinger Staatsmi 
nisteriums am 23. 6. 1948; StA SIG Wü 2/778. 
Laufenburger, Quelques aspects, S. 107. 
Vgl. die Protokolle der Besprechungen der Vertreter der oberen Preisbehörden der französi 
schen Zone mit der Militärregierung, z. B. 13./14. 4. 1946; StA FR A 7 (1956/5) B la. 
Schwarzmarktbericht für August 1947. 
Der interzonale Preisvergleich bei Boelcke, Der Schwarz-Markt, S. 106, gibt insofern ein 
unzutreffendes Gesamtbild, als für die französische Zone fast nur die nicht repräsentativen 
Spitzenpreise von Baden-Baden genannt werden; hier gilt die oben ausgeführte methodische 
Reserve gegenüber isolierten Preisangaben.
	        

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