Full text: Studien zum Meistersinger Jörg Schiller

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Hinauf rücken J. Schs. ins 15. Jhdt. zu sprechen, als dafür, 
seine Lebenszeit noch bis ins erste Viertel des 16. Jlidts. aus¬ 
dehnen zu können. Oder sollte z. B. Valentin Voigt (* 1487!) 
als jüngerer Zeitgenosse dann „einen erst ca. 1520 verstorbe¬ 
nen” Meistersinger J. Sch. zu den „12 alten Meistern“ rech¬ 
nen können bezw. zu den „alten Nachdichtern“ (falls er näm¬ 
lich beide Kategorien durcheinandermengt oder als wesentlich 
getrennte Gruppen nicht kennt)? Allerdings geben uns diese 
Belege gar keinen Anhalt bezüglich der Heimat J. Schs. und 
zu seiner Chronologisierung ja auch nur ganz vage zeitliche 
Abgrenzungen; z. B. versagen sie auch, wenn jemand be¬ 
hauptete, .1. Sch. gehöre ins 14. Jhdt. oder in die Zeit um 
1400. Zur wirklich positiven Fixierung seiner Lebenszeit ver¬ 
helfen uns jetzt nur noch seine eigenen Meistergesänge, deren 
Betrachtung wir uns nunmehr im 2. Kapitel zuwenden. 
Zuvor ist jedoch noch kurz eine These über J. Schs. 
Heimat zu berühren, die Kurt Mey!n) aufstellt; er behauptet: 
„Schließlich soll nicht unerwähnt bleiben, daß es unter den 
Nürnberger Meistersingern auch einen Schiller'2) und einen 
Wagner gab.“ Leider gibt er keinerlei Quellen für seine 
Behauptung an, sie ist also nicht ohne weiteres nachzuprüfen. 
Ohne hinreichende Beweisgründe wird aber diese Behauptung 
wissenschaftlich ebenso unhaltbar wie die S. Riezlers. Ur¬ 
kundlich finden sich zwar auch in Nürnberg, wie ich zeigen 
konnte, Träger des Namens Schiller, doch läßt sich daraus 
allein nichts über Zeit und Heimat Jörg Schs. erschließen. 
91) Der Meistergesang in Geschichte u. Kunst, Lpz. 2 1904, S. 
165. K. Mcy erwähnt gerade diese beiden Namen nur wegen Fr. 
Schiller und Richard Wagner. 
92) Zwar war der Meistergesang kurz vor dem Auftreten 
H. Folzens stark im Niedergang [vgl. auch K- T. Schröer, Meister¬ 
singer in Österreich, (K. Bartsch’ Gerrtr. Studien PI S. 205 u. Anm.) 
über eine Bittschrift der Iglauer Singschule. | begriffen (Stammler, 
Von der Mystik zum Barock. 1927 S- 210/US), aber deshalb werden 
doch wohl nicht, wie eine Sage will (O. Plate, Kunstausdrücke d. 
Msts. S- 12; Bartsch, Germ. Situd. 11, 205), nur 12 Nürnberger 
Meister die einzigen Träger des Meistergesanges in dieser Zeit 
(1471), in der ja auch J. Sch. lebte, gewesen sein. Andernfalls müßte 
er ja wirklich Nürnberger gewesen sein.
	        
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